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| 02:49 Uhr

"Lieber zwei, drei Äpfel mehr mitbringen"

Ministerpräsident Stanislaw Tillich pflanzt die Sächsische Obstsorte des Jahres - die gelbe Sächsische Renette.
Ministerpräsident Stanislaw Tillich pflanzt die Sächsische Obstsorte des Jahres - die gelbe Sächsische Renette. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Altes ist wieder modern, was Obstbaumsorten betrifft allemal. Daran sind die sächsischen Pomologen nicht ganz unschuldig. Bei den mitteleuropäischen Apfel- und Genusstagen im Muskauer Park beraten sie nicht nur über die neuesten Erkenntnisse, sondern geben ihr Wissen auch gern an Jedermann weiter. Regina Weiß

Seit diesem Jahr gibt es erstmals eine Sächsische Obstsorte des Jahres. Sie hat einen wohlklingenden Namen: Gelbe Sächsische Renette. Dahinter verbirgt sich ein Apfel, der fast gänzlich aus Sachsen verschwunden war und den es nirgendwo zu kaufen gibt. Dass er nicht ausstirbt, dafür haben die sächsischen Pomologen (Obstkundler) gesorgt. Sie wussten um die wenigen Bäume, die es von dieser Apfelsorte noch gibt. Reiser wurden abgeschnitten. In Baumschulen wurden sie vermehrt und können dort dann auch gekauft werden, erfährt die RUNDSCHAU von Pomologe Georg W. Schenk aus Dresden.

Alte Obstsorten sind wieder in. Das kann auch Klaus Schwartz aus Löbau bestätigen. Der Betreiber einer Baumschule und Pomologe ist in der hiesigen Region kein Unbekannter. Oft ist er auf den Märkten in Nochten oder Rietschen zu finden, auch die Mitteleuropäischen Apfeltage an diesem Wochenende im Muskauer Park sind wieder sei Metier. Neben dem Austausch von Fachwissen steht für die Pomologen und die, die es werden wollen, auch Exkursionen an, so in die Baumschule im Muskauer Park. "Wir wollen gucken, wie sich die Obstbäume entwickeln", so Schwartz. 100 historische Baumsorten - von 200 geplanten - sind im vergangenen Jahr von der Schlossgärtnerei umgesetzt worden. Erst vor wenigen Wochen bekamen sie Zuwachs. Neben dem Kaiser-Wilhelm-Apfel und dem Schönen von Herrnhut steht nun auch die Gelbe Sächsische Renette. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat dem Bäumchen einige Spaten Erde sowie das erste Wasser verpasst und ihm ein ordentliches Wachstum gewünscht. Wird der Baum groß und größer trägt er dann Äpfel mit glänzend zitronengelber Schale. Deshalb wurde ihm um 1800 auch der Name Zitronenapfel gegeben. Da die Frucht erst spät reift, ist sie ein idealer Winterapfel, eignet sich aber sehr gut zur Saftherstellung.

Auf alle Fälle ist es eine wiederentdeckte Sorte, die etwas für die Vielfalt tut, die in den Obstregalen nicht nur Sachsen über die Jahre abhandengekommen ist.

"Die Leute haben sicherlich einen Anstoß gebraucht", erklärt Helmut Schwartz das neu erwachte Interesse an den alten Obstbaumsorten. Im Handel gebe es vergleichsweise wenig Auswahl. "Von einer Vielfalt an Geschmacksaromen kann da keine Rede sein. Die Äpfel sind süß und sehen meist schön aus, das war es aber auch schon", sagte Klaus Schwartz. Hinzu käme, dass diese Ware längst nicht mehr so gut vertragen werde. Allergien machen sich bemerkbar. Da besinne man sich auf die alten knorrigen Apfelbäume bei Oma auf der Wiese und Geschmackserlebnisse aus frühesten Kindheitstagen. Und auf Streuobstwiesen oder in Gärten gibt es ja noch glücklicherweise seltene Exemplare. Oftmals weiß man gar nicht, was man da für Schätzchen stehen hat. Deshalb sind die Obstsortenbestimmungen der Pomologen der Renner. "Ich war letztes Wochenende in Dippoldiswalde, es ging von früh bis zum Nachmittag. Ich konnte nicht mal ne Wurst essen", erinnert sich Klaus Schwartz an das rege Interesse. Gleiches erhofft er sich am Sonntag, 2. Oktober, in Bad Muskau. Allerdings hat er an jene, die wissen wollen, welcher Apfel oder welche Birne auf ihrer Wiese steht, eine Bitte: "Lieber zwei, drei Äpfel mehr mitbringen." Oft kämen die Besucher mit einem Exemplar. Doch der Platz in der Krone des Baumes oder an einem schattigen Fleckchen könnten durchaus den Apfel anders aussehen lassen. Blätter, Äste oder Rinde seien dagegen nicht notwendig. "Da sieht man vor Grün dann die Leute nicht mehr", lacht Klaus Schwartz.

Er wird Donnerstag mit Kollegen in der Orangerie vor Ort sein, um die Sortenausstellung aufzubauen. Für 2015 konnte Georg W. Schenk ein Rekordergebnis verkünden. Damals haben sich Experten und Laien ein Bild über 308 Apfel-, 21 Birnen- und sieben Quitten-Sorten gemacht. Diese hatten die deutschen und polnischen Teilnehmer des Seminars zusammengetragen.

Zum Thema:
Am 1. Oktober findet von 11 bis 17 Uhr ein Obst- und Gemüsemarkt im Zentrum der Baumschule auf der polnischen Seite des Muskauer Parks statt. Im Mittelpunkt dabei steht der Verkauf von Pflanzen, Obst und Gemüse. Um 12.30 Uhr gibt es eine Führung durch die Apfelbaumsammlung. Am 2. Oktober laden der Pomologenverein Sachsen und die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau die Besucher zum Apfel- und Genusstag ein. Von 10 bis 17 Uhr können in der Orangerie Besucher ihre mitgebrachten Äpfel und Birnen richtig bestimmen lassen.