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| 10:56 Uhr

Runder Geburtstag
Lieber Verlässlichkeit statt Kultstatus

Impression des Krauschwitzer Gasthauses „Zur Linde“ mit dem namensgebenden Baum und Bendels Kreuzung.
Impression des Krauschwitzer Gasthauses „Zur Linde“ mit dem namensgebenden Baum und Bendels Kreuzung. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Krauschwitz. Vor 20 Jahren ist das Krauschwitzer Gasthaus „Zur Linde“ wiedereröffnet worden. An Kultstatus glauben die Betreiber nicht.

Wer aus Richtung Cottbus, Weißwasser oder Bad Muskau nach Krauschwitz kommt, muss an der „Linde“ vorbei; nicht nur am altehrwürdigen Baum, sondern ebenso am gleichnamigen Gasthaus. Dort, wo sich die Bundesstraßen 115 und 156 treffen, befindet sich das Lokal mit der rötlichen Fassade und dem angrenzendem Saal. Selbst der Verkehrsknoten steht mit der Gaststätte in Verbindung. „Bendels Kreuzung“ ist nach einer langjährigen Gastwirtsfamilie benannt. Alfred Bendel, der im Jahr 1941 die Schankerlaubnis erhielt, führte die Wirtschaft bis 1973. Alteigentümerin Helene Bendel lebte bis zu ihrem Tod 1994 in diesem markanten Gebäude. So ist es in der „Linde“-Chronik festgehalten. Darin steht auch, dass es vor 20 Jahren einen kompletter Neuanfang der Gaststätte gab. Am 23. Februar 1998 hatten Ute Dominikowski und Heinz-Michael Anger das Lokal wiedereröffnet.

Die Getränkefachfrau und Gärungstechnologin, die in Krauschwitz aufwuchs, sowie der Brauer, Melzer und gebürtige Harzer hatten die Immobilie im Jahr 1994 erworben und zwei Jahre später komplett neu errichtet. Damals mussten, so erinnert sich Ute Dominikowski, der alte Saal, die Turnhalle sowie sämtliche Gebäude des früheren Landwirtschaftsbetriebes aufgrund ihrer Baufälligkeit abgerissen werden. Das Haupthaus wurde hingegen komplett saniert, mehrere Gästezimmer entstanden. Ebenso wurden Saal, Küche und Sanitärbereich komplett neu aufgebaut. Insgesamt flossen rund 3,3 Millionen D-Mark in die „Linde“. Kurz nach der Wende war der Gaststättenbetrieb eingestellt worden. Das Ensemble an Bendels Kreuzung verfiel zusehends. „Daher machte sich der Neubau erforderlich“, sagt Dominikowski. Als sie das Objekt übernahm, war das mobile Inventar bis auf Weniges verschwunden, der Keller stand unter Wasser. Nur das Hauptgebäude war noch einigermaßen stabil.

Für das Lebenswerk der Krauschwitzerin und ihres Lebensgefährten sprachen ihr Unternehmergeist, der an sich reizvolle Gebäudekomplex, die verkehrsgünstige Lage und nicht zuletzt die ruhmreiche Vergangenheit des Lokals. Denn bereits am Ende des 19. Jahrhunderts gab es das Gasthaus, damals als „Radfahrer-Erholungsstation“ der Familie Lehnigk.

Mit sieben Mitarbeitern begann im Februar 1998 für die „Linde“ ein neues Leben. Heute verfügt das Lokal über den gleichen Personalstand. Aus der Anfangszeit ist allerdings niemand mehr dabei. Dennoch, so sagt Ute Dominikowski, halte die gegenwärtige Belegschaft schon über viele Jahre die Treue. Nicht zuletzt sei es überaus schwer, in der Gastronomie geeignete Mitarbeiter zu finden.

Über Langeweile können die Wirtsleute und ihre Angestellten wahrlich nicht klagen. Schließlich genießt das Gasthaus „Zur Linde“ eine besondere Popularität in der Region. Von „Kultstatus“ will Ute Dominikowski allerdings nicht reden. „Kulte sind meist sehr kurzlebiger Natur. Ständige Präsenz, Verlässlichkeit, faire Preise und Vielseitigkeit sind Argumente, die für uns zählen.“

Die Gäste stammen laut Gaststättenbetreibern überwiegend aus Krauschwitz und umliegenden Gemeinden. Hinzu kämen Besucher des Muskauer Parks und der örtlichen Erlebniswelt. Darüber hinaus fänden Monteure und Handlungsreisende in der „Linde“ ein Zuhause auf Zeit. Außerdem treffen sich alljährlich im Herbst die Mitglieder des Tzschellner Heimatvereins im Krauschwitzer Gasthaus.

Der 20. Jahrestag der Wiedereröffnung wird indes mit einem Fest für Nachbarn, Vereine und Freunde begangen. Für die nächsten 20 Jahre wünschen sich die Betreiber, dass der Alltagsbetrieb weiter in den erprobten Bahnen verlaufen möge. Investitionen in die Erneuerung und Erhaltung würden ständig getätigt. An den Ruhestand denken Ute Dominikowski und Heinz-Michael Anger noch lange nicht. „Über eine Nachfolge wird zu gegebener Zeit entschieden“, sagen die Wirtsleute.