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Hobby
Leidenschaft für schwarze Scheiben

Andreas Trepzik (r.) ist begeistert von der Jubiläumsausstellung zu 70 Jahren Amiga  in Bernburg und machte mit Kurator Torsten Sielmon einen Rundgang.
Andreas Trepzik (r.) ist begeistert von der Jubiläumsausstellung zu 70 Jahren Amiga  in Bernburg und machte mit Kurator Torsten Sielmon einen Rundgang. FOTO: Andreas Trepzik
Krauschwitz. Andreas Trepzik aus Krauschwitz sammelt Amiga-Schallplatten. Einige Raritäten bereichern derzeit eine Jubiläumsausstellung des Labels in Sachsen-Anhalt. Von Gabriela Nitsche

Andreas Trepzik ist schon ein besondere Spezi unter den 60-Jährigen. Wer in seinem Büro ist, kommt sich vor wie in einem Speicher eines Schallplatten-Museums. Es ist der Wahnsinn, was der Krauschwitzer so alles zusammengesammelt hat. In Kisten sortiert sind hunderte Exemplare seiner Leidenschaft wohl geordnet. Auf die Frage, ob er die oder die Platte habe, folgt ein Griff, und schon hält er diese in den Händen. Und sollte er sich einmal etwas unsicher sein, reichen ein, zwei Klicks am Computer in die entsprechenden Ordner. Andreas Trepzik hat so gut wie alles digitalisiert, sagt er. „Da steckt unheimlich viel Arbeit drin, und wenn man das alles so akribisch auflistet, braucht es viel, viel Zeit. Da ist ein Tag ratzfatz um.“

Doch der Krauschwitzer nimmt sich diese gern für seine Sammelleidenschaft und findet bei seiner Frau Birgit, sagt er, großes Verständnis. Es gäbe viele Momente dieses Hobbys, die beide teilen. Ob es nun Konzerte sind wie das von Renft letztes Jahr in Schleife  – „das war einsame Spitze“ – oder die Jubiläumsausstellung anlässlich 70 Jahre Amiga im Schloss Bernburg in Sachsen-Anhalt. „Wenn man Amiga-Fan ist oder Ostrock und so etwas liebt, dann muss man da einfach hin“, ist Andreas Trepzik überzeugt. Und wer den Weg dorthin auf sich nimmt, der findet auch eine Reihe von Ausstellungsstücken, die der Krauschwitzer zur Verfügung gestellt hat.

Wenn man die Masse der musikalischen Schätze bei ihm sieht, glaubt man, das ist das Ergebnis jahrzehntelangen Sammels. Völlig falsch. „Vor fünf Jahren hab ich erst damit angefangen“, so Trepzik schmunzelnd. Damals hatte er sich ein Buch im Internet bestellt über Schellackplatten. „Da bekam ich die Platte von den Capri-Fischern von 1947 dazu, als Geschenk, denn das Buch war auch ganz schön teuer.“ Es war die erste vollständig von Amiga prodzierte, sagt Trepzik. Seither ist er vernarrt in dieses Hobby und tauscht sich auf seiner Facebook-Seite mit anderen Liebhabern der schwarzen Scheibe aus DDR-Zeiten aus. Dabei gehe es um alles, was unter dem Label Amiga erschienen ist. Also Musik vom Chanson über Schlager bis zum Rock. Und dann gab es die Spezialisten der Rubriken Nova, Litera, Eterna, also klassische Musik und Literatur.

Im Besitz von Andreas Trepzik befinden sich mittlerweile so manche Raritäten. Stolz berichtet er von einer bunten Platte mit Titeln von Frank Schöbel wie „Wie ein Stern“. „Das ist eine Musterplatte, die nur Mitarbeiter von Amiga erhalten haben. Keiner weiß so richtig die genaue Auflage.“ Dieses Schätzchen, so Trepzik, können die Ausstellungsbesucher in Bernburg noch bis Ende Januar bewundern. Insgesamt fünf von ihm. Auf eine andere wurden Renft-Titel gepresst. Sie trägt Unterschriften von allen damaligen Band-Mitgliedern. „Die gibt es nur einmal. Ich hab sie von einem, der als Junge mal Nachbar von Renft war.“

Andreas Trepziks Vorliebe bei den über 900 Acryl-Tonträgern gehört den mehr als 200 mit Jazz-, Swingmusik und den vielen mit Musik der Ostrockbands. „Ich hab zum Beispiel von Frank Schöbel die komplette Sammlung.“ Der Krauschwitzer zählt auf: 53 Singles, die in der DDR erschienen sind, 20 aus der BRD und 27 LP und verschiedene international veröffentlichte. Einen Tag vor seinem 60. Geburtstag im November hat er die letzte Platte für die Schöbel-Sammlung bekommen und sie damit vervollständigen können. Eine Neuerscheinung vom Juli 1966. „Das war das letzte Stück vom Puzzle.“ Mit seiner Frau Birgit hatte Andreas Trepzik schon mehrmals Gelegenheit, den Schlagersänger zu treffen. Zum Beispiel auch in Boxberg, als einer der Türme gesprengt wurde.

Dem Krauschwitzer sei es auch gelungen, alle 18 Platten der Serie „Blues of Amiga“ zu ergattern. „Die Nummern eins bis 14 von Blues of Amiga bekommt man, aber die anderen vier so gut wie gar nicht. Ich habe lange Zeit dafür gebraucht“, ist der 60-Jährige stolz auf diesen Erfolg. Wie die gesuchte letzte Platte nach Russland kam, wo er sie von jemanden angeboten bekam, sei ihm noch immer ein Rätsel.

Menschen mit Sammelleidenschaften gibt es ja nicht selten, und alle freuen sich über ihre Erfolge. Meist verbringen diese Stücke dann ihr „Leben“ in Vitrinen oder so. Bei Andreas Trepzik ist das anders. „Es sind alles Platten, die ich auch höre.“ Klassische Musik mag er unheimlich, aber er sieht sich auch als Manne-Krug-Fan.

Viele Informationen biete auch dazu die Amiga-Ausstellung. „Da sind auch so manche Kuriositäten zu sehen, Bücher, Kataloge, Schallplattenspieler, Grammophone, Eintrittskarten und Bekleidungsstücke von berühmten Sängern wie ein Anzug von Frank Schöbel.“ Sogar Sandmann-Singles aus Schweden, wo dieser auch zu sehen war, gibt es.

Da wären wir beim nächsten Stichwort: Sandmann. Denn dem Krauschwitzer haben es auch Ansichtskarten mit der beliebten Kinderfernseh-Figur angetan. Sechs dicke Ordner mit über 400 Postkarten, darunter sehr wertvollen wie Farbaufnahmen aus den 1960er-Jahren. Andreas Trepzik blättert in den Ordnern, das man beim Anblick der Sandmann-Szenen ins Schwärmen gerät. Wie gesagt, über alles führt der Krauschwitzer gewissenhaft Buch, nein, Computerlisten. Die Fotos davon sind mehrfach extern digital gesichert.

Ein Teil seiner freien Zeit, verbringt der  leidenschaftliche Sammler als aktives Mitglied des Fördervereins im Museum Sagar, fühlt sich den Eiszeitdörflern von Krauschwitz zugehörig und betreut auch die Facebookseite neben seinen eigenen – „das ist für mich ein echtes Netzwerk“ – und kann nicht nein sagen, wenn er historische Ansichtskarten von Bad Muskau und Weißwasser findet oder wenn er besondere Kinderbücher in die Hände bekommt. Bisher hat er schon 160 der einst bekannten Kinderbücher katalogisiert.

Sich von diesen Hobbys zu trennen, das wird es wohl für Andreas Trepzik nicht geben, winkt er ab.

Die Ausstellung „70 Jahre Amiga – Mythos und Kult des ersten deutschen Schallplattenlabels“ ist noch bis 28. Januar 2018 in Schloss Bernburg (Saale) geöffnet.

Ein Blick in die Jubiläumsausstellung zu 70 Jahren Amiga  in Bernburg (Sachsen-Anhalt).
Ein Blick in die Jubiläumsausstellung zu 70 Jahren Amiga in Bernburg (Sachsen-Anhalt). FOTO: Andreas Trepzik

Andreas Trepzik sammelt mit großer Leidenschaft Amiga-Schallplatten, aber auch Postkarten mit Sandmännchen-Motiven, Ansichtskarten und Kinderbücher. Foto: ni
Andreas Trepzik sammelt mit großer Leidenschaft Amiga-Schallplatten, aber auch Postkarten mit Sandmännchen-Motiven, Ansichtskarten und Kinderbücher. Foto: ni FOTO: Andreas Trepzik
Diese Scheibe ist eine Leihgabe von Andreas Trepzik für die Ausstellung.
Diese Scheibe ist eine Leihgabe von Andreas Trepzik für die Ausstellung. FOTO: Andreas Trepzik