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Leckere Riesenbrote werden für soziale Zwecke versteigert

Fast wie in einer Prozession wurden die Erntegaben von der Priebuser Kirche zum Festplatz getragen.
Fast wie in einer Prozession wurden die Erntegaben von der Priebuser Kirche zum Festplatz getragen. FOTO: amz1
Priebus. Ein prächtiges Erntefest haben die Einwohner der polnischen Gemeinde Przewóz (Priebus) gefeiert. Allerdings nicht allein, sondern gemeinsam mit ihren deutschen Freunden aus der Partnergemeinde Krauschwitz. amz1

Die kamen nicht mit leeren Händen. Die Delegation um Bürgermeister Rüdiger Mönch brachte mehrere Riesenbrote mit, gebacken von der Daubitzer Bäckerei Höfchen. Sogar der Klein Priebuser Traktorverein trumpfte mit einem mächtigen Brot auf. Hinzu gesellte sich hausgemachte Wurst von den Viereichenern.

Die Priebuser wiederum hatten neben weiteren leckeren Speisen pittoreske Erntekränze und Erntesymbole beigesteuert. Auf dem Festplatz, nur einen Steinwurf vom sagenumwobenen Hungerturm entfernt, wurden die Kunstwerke, deren Grundstock Ranken aus Weizenähren bildeten, eindrucksvoll präsentiert. Zuvor gab es in der kleinen, heimelig wirkenden Priebuser Kirche eine katholische Messe. Anschließend wurden Kränze und Speisen feierlich vom Gotteshaus zum Festplatz getragen. Der Zug setzte sich nach einem vom Kirchturm geblasenen Signal in Bewegung.

Nach Angaben des Priebuser Bürgermeisters Ryszard Klisowski werden die Erntegaben versteigert. Der entsprechende Erlös komme gemeinnützigen Einrichtungen der Region zugute. Einen ähnlichen Brauch gibt es auch in Deutschland. Dort erfolgt die Verteilung der Lebensmittel nach den Erntedank-Gottesdiensten ebenfalls an soziale Einrichtungen.

Indes leben die Krauschwitzer ihre Partnerschaft mit Priebus intensiv. Laut Bürgermeister Rüdiger Mönch gibt es besonders zwischen den Kindertagesstätten eine enge Zusammenarbeit. So kämen die Steppkes aus den Einrichtungen von Priebus und Sagar sechs- bis siebenmal im Jahr zusammen, beispielsweise um Vogelhochzeit oder Fasching zu feiern, zu gemeinsamen Tierparkbesuchen und manchem mehr. Dazu lerne der Sagarer Nachwuchs spielerisch die polnische Sprache. Darüber hinaus gelte das alljährliche Treffen an der Neißebrücke zwischen Podrosche und Priebus am Vorabend des 1. Mai bereits als schöne Tradition. Und im kommenden Jahr wollen sich die Jugendfeuerwehren aus beiden Ländern wieder in Krauschwitz treffen. Ob es indes bereits private Beziehungen zwischen Menschen diesseits und jenseits der Neiße gibt, konnte Rüdiger Mönch indes nicht mit Sicherheit sagen. Er halte dies aber für durchaus möglich.

Zum Priebuser Erntefest gab es auch mehrere Chorauftritte. Zu Gast waren unter anderem Mitglieder des Bad Muskauer Volkschores. Nichts schien gekünstelt, alles wirkte authentisch. Die Leute leben halt ihren Glauben, wie sie es schon immer tun. Nur eben seit vielen Jahren gemeinsam mit den Deutschen, die im Vergleich zu den Polen ähnlich ticken. Kein Wunder, leben doch östlich und westlich der Neiße Oberlausitzer, die ihre Heimat lieben.