Die Schüler und Lehrer der Oberschule Schleife haben die Band „Sportfreunde Stiller“ mit ihrem Gesang übertrumpft. „Applaus, Applaus, für deine Art uns zu begeistern. Applaus, Applaus, für deine Arbeit hier in Schleife“ erklang es in der Sporthalle. Dort hatte nach dem Gang über den roten Teppich auf einem VIP-Sessel Wolfgang Goldstein Platz genommen. Danach erlebte er eine Schulstunde voller Überraschungen. Sicherlich hatte er geahnt, dass hinter seinem Rücken etwas vorbereitet wird. Doch was genau, das konnte er nicht erahnen.

Unvergessenes Geschenk für Schulleiter

„Die Arbeit, die Nerven, die Zeit, die ihr in diesem grandiosen Geschenk verpackt hat, das hat mich tief berührt und wird mir unvergessen bleiben“, so Wolfgang Goldstein. Allerdings war er erst mal kurz sprachlos. „Was ja nicht so oft passiert.“

Heidi Mücksch aus der Klasse 10 b und Jonas Adam aus der 9 a moderierten durch das Programm und damit das Leben des Lehrers und späteren Schulleiters Wolfgang Goldstein. Der verabschiedet sich nun nach 44 Dienstjahren und 30 Jahren als Rektor in seinen Unruhestand.

Als junger Mann mit Gitarre ist er fälschlicherweise als Musiklehrer durchgegangen. Dabei hatte er den Abschluss als Diplomlehrer für Mathematik und Physik in der Tasche, als er 1976 nach Schleife kam. „Gute Beziehungen“ halfen ihm beim Start in Schleife. An seiner Ausbildungsstätte, der Pädagogischen Hochschule, hatte er das Lehrer-Ehepaar Kotissek kennengelernt.

Gleich zum Start wurde ihm eine 7. Klasse „übergeben“. Er führte sie bis zum Abschluss, um sich dann drei Jahre an der Erweiterten Oberschule Lew Landau in Weißwasser auszuprobieren. 1982 war er wieder zurück in Schleife. Und das blieb bis dato seine Wirkungsstätte. Die Wende ermöglichte Wolfgang Goldstein nicht nur, in den Dolomiten Ski fahren zu können, sondern auch beruflich neu durchzustarten. „Nie hätte ich gedacht, mal eine Schule zu leiten.“ 1990 war es soweit, die Schulkonferenz stimmt zu. Weil Grund- und Mittelschule damals noch nicht getrennt waren, war er sogar für beide Einrichtungen bis 1992 der Chef.

Neben der Schule war ihm nicht nur seine Familie wichtig – auch Ehefrau Christina Goldstein war Lehrerin – sondern auch eine Vielzahl an Hobbys. Seit 1977 stand er bei Traktor Groß Düben auf dem Eis. Er ist Gemeinderat und Ortsvorsteher in Schleife. Für Lok Schleife ist er aktiv. Schreibt sogar die Vereinshymne. Auch das Schleifer Heimatlied bringt er aufs Papier.

Musicals machen positive Schlagzeilen

Musik und tolle Texte – mit den Musicals, die Wolfgang Goldstein gemeinsam mit seinen Partnern erdacht hat, macht die Schleifer Oberschule richtig Schlagzeilen. „Drei Wünsche frei“, „Wundersame Weihnachtszeit“ und „Felicitas Kunterbunt“ sind nicht nur mit viel Kreativität, sondern auch sozialem Engagement des Schleifer Schulteams verbunden. Denn seine Spenden gingen an soziale Einrichtungen der Region. Schule mit Idee, Jugendkunstpreis, Fluthelferorden. Auf diese Ehrungen kann die Einrichtung zurückblicken. Sorbische Trachten und Bräuche, Sorbisch-Unterricht, Sportprojekte wie das Skilager und Unicef-Lauf. In Schleife ist über die Jahre neben dem „normalen“ Unterrichtsgeschehen viel auf die Beine gestellt worden.

„Aber sie hatten auch ein Herz für die Lehrer. Das hieß dann für diese pädagogischer Tag und für uns Homework“, klingt es humorvoll von den Schülern an. Da muss auch Wolfgang Goldstein lachen. Dabei hatte er vorher die eine oder andere Träne verdrück en müssen.

Tiefe Spuren hinterlassen

Wolfgang Goldstein hat die Schleifer Schule geprägt, ist sich Petra Rübesam, Direktorin der Grundschule, sicher. „Du hinterlässt tiefe Spuren“, sagt sie dem scheidenden Kollegen.

Apropos Kollegen. Sigrid Stettnich, Karin Gerischka und Corinna Fabian sowie Heike Messner haben sich das Programm erdacht und/oder sorgen für die Umsetzung mit Text, Musik und Tanz. Tomasz Suchy und Ludwig Eckert unterstützen bei der Technik. Als Geschenk gibt es nicht nur eine besonders große Uhr, sondern auch eine Baumpatenschaft für eine Schwarzkiefer im Findlingspark Nochten. Die Elternschaft hat gesammelt. Künftig kann Wolfgang Goldstein bei Spaziergängen im Muskauer Park auf der eigenen Bank ausruhen. Schüler, auch ehemalige, wünschen ihm nur das Allerbeste.

Und was sind in Anspielung auf eines seiner Musicals seine drei Wünsche. „Gesundheit, weiterhin einen so guten Zusammenhalt in der Familie und dass die derzeit verrückte Welt wieder zur Vernunft kommt.“

Übrigens wird Wolfgang Goldstein noch den Umzug der Schule und die Eingewöhnungswoche nach dem Umzug im deutsch-sorbischen Schulkomplex begleitet, bevor er dann endgültig Tschüss sagt und die Amtsgeschäfte an den neuen Rektor übergibt.