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| 15:19 Uhr

Landkreis Görlitz
Lebensmittelkontrollen: Ein Viertel der Proben beanstandet

Unter die Kontrolle fallen unter anderem Gaststätten, Imbissbetriebe, Verkaufsfahrzeuge, Kantinen, Großküchen und nicht zuletzt Hersteller von Fleisch und Fleischprodukten.
Unter die Kontrolle fallen unter anderem Gaststätten, Imbissbetriebe, Verkaufsfahrzeuge, Kantinen, Großküchen und nicht zuletzt Hersteller von Fleisch und Fleischprodukten. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Görlitz/Weißwasser. Bei rund einem Viertel der Kontrollen im Landkreis Görlitz hat es 2017 Beanstandungen gegeben. Ursache sind nicht immer die Zutaten. Von Torsten Richter-Zippack

Rund 4500 Lebensmittelkontrollen haben im vergangenen Jahr im Landkreis Görlitz stattgefunden. In 1072 Fällen wurden nach Angaben des kreislichen Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes Beanstandungen festgestellt. Allerdings sind dabei längst nicht nur verdorbene Speisen und Getränke gefunden worden, wie Kreissprecherin Julia Bjar mitteilt. „Zu bemängeln waren insbesondere die Kennzeichnung und Aufmachung sowie Zusammensetzung der hergestellten Produkte“, erklärt Bjar. Darüber hinaus gab es Beanstandungen am allgemeinen Hygienezustand, an entsprechenden Personalschulungen sowie an Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen.

Gegengesteuert hat die Behörde mittels Beratungen und mündlichen Belehrungen. Hinzu kamen Anordnungen zur zeitnahen Beseitigung der Mängel, ebenso das Aussprechen von Herstellungsverboten beziehungsweise diverse Produkte in Verkehr zu bringen. In besonders krassen Fällen warteten auf die Verursacher Bußgeld- und Strafverfahren, ebenso Schließungen von ganzen Betrieben. Sachsenweit mussten im vergangenen Jahr 17 Betriebe dicht gemacht werden, zwölf Monate zuvor waren es noch 21.

Im Rahmen der Lebensmittelüberwachung sind neben Lebensmittelkontrolleuren und Fachassistenten für Lebensmittelüberwachung auch Tierärzte tätig. Der Schwerpunkt der Kontrollen liegt nach Angaben des Landratsamtes auf Betrieben, die planmäßig viertel- beziehungsweise halbjährlich überprüft werden. Darunter fallen unter anderem Gaststätten, Imbissbetriebe, Verkaufsfahrzeuge, Kantinen, Großküchen und nicht zuletzt Hersteller von Fleisch und Fleischprodukten.

Das Görlitzer Lebensmittelüberwachungsamt, das die Proben zieht, sendet diese an die Landesuntersuchungsanstalt (LUA) Sachsen in Dresden. Dort erfolgen die entsprechenden Untersuchungen. Zunächst wird geprüft, ob das Lebensmittel korrekt gekennzeichnet ist und ob alle Zutaten wahrheitsgemäß angegeben sind. Anschließend folgt die Laboranalyse. Hauptziel: herausfinden, ob eine Gefahr für die Gesundheit besteht. Festgelegt ist auch, wie viele Proben pro Einwohner zu entnehmen sind. In Sachsen sind es derzeit 5,5 auf 1000 Menschen.

Beispiel Salmonellen: Im Landkreis Görlitz gab es LUA-Angaben zufolge in diesem Jahr in überprüften Lebensmitteln bislang keinen Nachweis. Anno 2017 wurden die krankmachenden Bakterien, die vor allem in unsauberen Küchen vorkommen können, zwischen Muskauer Faltenbogen und Zittauer Gebirge in nur einem Fall nachgewiesen. Dabei handelte es sich im Mai 2017 um eine Positivprobe in Schweinefleisch. Zum Vergleich: Im Nachbarkreis Bautzen wurden die Bakterien allein im Mai 2018 dreimal in Nieren von Spanferkel und in Schweinefleisch vom Kamm entdeckt.

Mitte Juni hat Sachsens Verbraucherschutzministerin Barbara Klepsch den Jahresbericht 2017 über die Tätigkeit der Lebensmittel- und Überwachungsbehörden präsentiert. „Unsere Behörden nehmen ihre Kontrollaufgaben engagiert, zuverlässig und mit großem Sachverstand wahr“, resümiert die Ministerin. Von den sachsenweit 66 000 Lebensmittelunternehmen wurden 37 000 Betriebe kontrolliert. Das entspricht mehr als der Hälfte aller Unternehmen. In lediglich 1331 Betrieben (3,7 Prozent) gab es Mängel beziehungsweise Gesetzesverstöße. „Das zeigt einmal mehr, dass sich die überwiegende Mehrheit der Lebensmittelunternehmen an geltendes Recht hält“, resümiert Barbara Klepsch. Viele Verstöße würden nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig begangen. Umso wichtiger sei daher eine funktionierende Eigenkontrolle in den jeweiligen Betrieben. Gleichzeitig appelliert die Expertin an die Eigenverantwortung der Verbraucher.

Indes soll ab kommendem Jahr an der Staatlichen Studienakademie in Plauen ein Lehrgang für angehende Lebensmittelkontrolleure angeboten werden. Die Vogtlandstadt gehört damit zu lediglich vier solcher Bildungsstätten in ganz Deutschland.