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Lea Keller kann's Fußballspielen nicht lassen

Die 15-jährige Lea Keller geht aufs Gymnasium in Weißwasser und spielt in ihrer Freizeit leidenschaftlich gern Fußball.
Die 15-jährige Lea Keller geht aufs Gymnasium in Weißwasser und spielt in ihrer Freizeit leidenschaftlich gern Fußball. FOTO: ni
Gablenz. Lea Keller ist 15 Jahre und leidenschaftliche Fußballerin. Ein Leben ohne diesen Sport kann sich die Gablenzerin überhaupt nicht vorstellen. Sie kickt für die Spielgemeinschaft Gablenz/Sagar und den 1. FFC Fortuna Dresden. Gabi Nitsche

Bei Kellers in Gablenz scheint das Fußball-Fieber besonders stark zu grassieren. Denn hier haben nicht nur die männlichen Vertreter eine Vorliebe fürs runde Leder. Der Verdacht liegt also nahe, dass Lea diesen Virus vererbt bekam.

Das junge Mädchen sagt über ihre Leidenschaft: "Es ist ein geiles Gefühl, den Fuß am Ball zu haben, zu dribbeln, Toren nachzujagen, sich richtig auspowern zu können." Zuhause spiele Fußball schon eine große Rolle als Gesprächsthema. Und nicht nur das. "Unser Familienleben richtet sich nach dem Spielplan von Mutti und mir, und Papa ist sozusagen der Zeugwart."

Dabei fing doch alles einmal auf blanken Kufen an. "Meine Mutti war beim Eisschnellauf und spielte dann Eishockey in Weißwasser", erzählt Lea. Als sich das Damen-Eishockey aus der Stadt verabschiedete, wurde Elisabeth Keller Fußballerin. "Mein Bruder Max und ich waren eigentlich immer mit auf dem Platz." Und als dann auch noch ein Kita-Kumpel mit Fußballspielen anfing, wollte Lea das auch. Im Vorschulalter habe sie in Krauschwitz "rumgegurkt" und fand Spaß an der Sache. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass sie als 15-Jährige bei den B-Juniorinnen vom 1. FFC Fortuna Dresden mitmischen würde? "Ich nicht", sagt Lea schmunzelnd.

Bei Blau-Weiß Kromlau war sie das einzige Mädchen, mit den Jungs verstand sie sich immer gut. Die ersten Spiele verloren die Kinder noch mit 25:0 oder ähnlich hoch. "Aber mit Niederlagen kann ich schon immer gut umgehen, bin sehr kritisch mit mir." Lea spielte als kleines Mädchen auf allen Positionen. "Einmal sagte der Trainer, wer die meisten Bälle hält, wird Torwart. Und dann stand ich im Tor."

Ab der 5. Klasse war der VfB Weißwasser ihr Verein, meistens spielte sie im Mittelfeld, stärkte die Kreisauswahl. "Ende 2013 erhielt ich eine Einladung für die Landesauswahl und war dann im Kader. Jetzt bin ich auf Abruf dabei." Vor einem Jahr sollte Lea an einem Sichtungsturnier für die U 16-Nationalmannschaft teilnehmen. "Ich hab mich riesig gefreut. Doch statt zu spielen, lag ich mit Grippe im Bett", ärgert sich die 15-Jährige noch immer.

Die Freude am Fußball blieb dennoch. Seit der 7. Klasse trainiert sie zum Beispiel regelmäßig mit drei Jungs von hier am DFB-Stützpunkt in Görlitz. "Unsere Eltern und mein Opa und dessen Kumpel wechseln sich als Hol- und Bringedienst ab." Und wann immer es Lea zeitlich in die Reihe bekommt, trainiert und spielt sie im Team ihrer Mutter, der Spielgemeinschaft Gablenz/Schleife, mit.

Wer annimmt, Lea Keller sei damit ausgelastet, der irrt gewaltig. Vor einem Jahr fragte der 1. FFC Fortuna Dresden bei ihr an, ob sie nicht in der Landeshauptstadt spielen wolle. "Das war schon sehr reizvoll, und wir haben hin- und herüberlegt, wie das funktionieren könnte und versuchten es", berichtet Lea. Denn ohne die Unterstützung ihrer Familie und des Vereins in Dresden wäre das absolut nicht zu realisieren, weiß Lea Keller. In der Regel heißt des Rätsels Lösung: "Ich fahre freitags mit dem Zug nach Bischofswerda. Dort nimmt mich die Familie einer Mitspielerin mit nach Dresden." Freitag wird trainiert, Samstag sind Punktspiele, Sonntag diverse Testspiele. Die Bischofswerdaer Familie nimmt sie zwischendurch lieb auf, sagt Lea. Ihre Mannschaft spielt in der Landesliga Dresden, und das sehr erfolgreich, führt die Tabelle an vor Konkurrent RB Leipzig. Ihre Mädels räumen ab, wo sie nur können. Ob in der Liga, beim Drei-Länder-Cup, beim Testspiel gegen Slavia Prag, bei der Futsal-Hallenlandesmeisterschaft. "Und hoffentlich siegen wir auch beim Pokalfinale am 10. Mai gegen den FFV Leipzig", wünscht sich Lea Keller. Unvergesslich das Aufeinandertreffen vor einigen Wochen mit dem deutschen Meister, den B-Juniorinnen vom FC Bayern München. "Die haben zwar 6:1 gewonnen, aber das waren absolut ein tolles Erlebnis und eine super Stimmung im Stadion an der Säbener Straße." Übrigens gab Lea für das einzige Tor ihres Teams die Vorlage.

Auch wenn ihre Leidenschaft, dem runden Ball nachzujagen, einen wichtigen Teil ihres jungen Lebens einnimmt, bereite ihr das keinen Stress. "Es ist toll entspannend, mit Freunden das Hobby zu teilen", ist sie überzeugt. Außerdem gibt es noch anderes, was Lea Keller begeistert, und das hat mit Fußball gar nichts gemein. "Ich nähe gern, das hab' ich meiner Oma Annemarie zu verdanken." Für Kinderkleider, Hosen, Deko, Schals und vor allem viele Taschen lässt sie die Nähmaschine rattern.

Dann wäre da noch die Schule. "Ich bin jetzt in der 9. Klasse am Landau-Gymnasium in Weißwasser und mache viel für die Schule. Von mir aus, denn ich bin schon bestrebt, gute Noten zu erhalten, um mein Berufsziel Grundschullehrerin zu erreichen." Lea ist Klassensprecherin, schätzt sich als offen, ehrlich, ehrgeizig ein und als jemanden, der auf andere zugeht.

Lea Keller (l.) in Aktion.
Lea Keller (l.) in Aktion. FOTO: privat