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| 13:44 Uhr

Dürre und Hitze
Lausitzer Teichwirte retten Leben

Hier zeigt Teichwirt Karsten Tusche der Linken-Politikerin Kathrin Kagelmann den teilweise ausgetrockneten Delinka-Teich nördlich von Hammerstadt. Das Gewässer ist am zeitigen Dienstagmorgen notabgefischt worden, um zu retten, was noch zu retten ist.
Hier zeigt Teichwirt Karsten Tusche der Linken-Politikerin Kathrin Kagelmann den teilweise ausgetrockneten Delinka-Teich nördlich von Hammerstadt. Das Gewässer ist am zeitigen Dienstagmorgen notabgefischt worden, um zu retten, was noch zu retten ist. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Rietschen/Klitten/Petershain. Dürre und Hitze bringen die Fischer in Existenznöte. Die Politik verspricht Hilfe. Von Torsten Richter-Zippack

Die seit April anhaltende Trockenheit setzt den Fischern in der Teichlausitz massiv zu. Mehrere Gewässer sind bereits ausgetrocknet oder abgelassen. Die Teichwirte bangen täglich um das Leben ihrer Fische. Ein Ende des Wetterextrems ist bislang nicht abzusehen.

„Wir sind jeden Tag draußen, um unsere Fische am Leben zu erhalten“, beschreibt Karsten Tusche, Geschäftsführer der Fischzucht Riet­schen GmbH, die Situation. Erst am Dienstag wurde in aller Frühe das nächste Gewässer notabgefischt. Der Delinka-Teich unweit von Hammerstadt führt nur noch wenig Wasser. Große Teile sind trockengefallen, einen längeren Landregen hat es seit Ostern nicht mehr gegeben. „Wir haben dieses Jahr bereits einen Meter Wasser verloren“, gibt Tusche zu Protokoll. Im Schnitt sind die Teiche lediglich zwischen 0,8 und 1,50 Meter tief. Auch die zuleitenden Gräben führen längst kein Nass mehr.

Die Fische vom Delinka-Teich dürfen indes weiterleben. „Wir haben sie in die Teichgruppe Reichwalde umgesetzt. Dort gibt es noch etwas mehr Wasser als in Hammerstadt“, erklärt Karsten Tusche.

Dass Karpfen und Co. in diesem Jahr kleiner als im Durchschnitt ausfallen werden, sei schon jetzt klar. Allerdings nicht, auf wie viel Prozent sich die Ausfälle letztendlich belaufen werden. „Mit konkreten Zahlen kann ich erst im Oktober dienen“, sagt Tusche. Dann seien die Teiche im Großen und Ganzen abgefischt, und die Fischer wüssten, mit welchen Erträgen sie rechnen können. Der Rietschener Geschäftsführer, der sechs Mitarbeiter hat, prognostiziert einen Verlust von rund 20 Prozent. Im Durchschnitt wachsen in seinen vier Teichgruppen mit einer Gesamtwasserfläche von rund 260 Hektar pro Jahr insgesamt 120 Tonnen Fisch heran, davon ein Drittel Speisefische und ein weiteres Drittel Nachwuchs für die kommenden Jahre. „Falls dieser wegfallen würde und dazu noch die Verluste aus dem Speisefischgeschäft, stehen wir vor Existenzproblemen“, warnt Tusche. Solch eine Situation habe der 36-Jährige, der bereits seit rund 20 Jahren in der Fischereiwirtschaft tätig ist, noch nie erlebt.

Inzwischen ist auch die Politik auf die Sorgen der Teichwirte aufmerksam geworden. Landtagsabgeordnete Kathrin Kagelmann (Linke) hat sich in Hammerstadt umgesehen. „Ich bringe diese Probleme in den Fachausschuss“, verspricht die Politikerin. „Wir wissen um die Dürresorgen unserer Bauern. Aber wir dürfen auch die Teichwirte nicht vergessen.“ Kagelmann schlägt vor, einen Nothilfefonds einzurichten. Aber ob dieser kommt und wenn ja, in welcher Höhe, sei eben erst im Herbst abzuschätzen.

Indes stehen auch die traditionellen Fischzüge zum Fischerfest auf dem Rietschener Erlichthof auf des Messers Schneide. Denn der dortige Dienstwiesenteich, im Volksmund Erlichtteich, musste bereits abgefischt werden. „Falls es nicht bis spätestens Mitte September ausgiebig regnen sollte, stehen wir vor einem weiteren Problem“, erklärt Karsten Tusche. Denn dann könne nicht mehr genügend Wasser angestaut werden, um den Gästen das Abfischen zu präsentieren. Das Fischerfest soll am 29. September stattfinden.

Dramatisch präsentiert sich die Lage auch in der Teichwirtschaft Petershain. Geschäftsführer Armin Kittner musste inzwischen drei seiner insgesamt 46 Teiche notabfischen. Die nächsten seien unmittelbar an der Reihe. „Wir müssen schon jetzt Fisch verkaufen. Wir haben kaum noch Kapazitäten“, erklärt der Fischer. Inzwischen seien zwei Drittel des Wassers aus den Gewässern verschwunden. „Pro Tag sinkt der Wasserspiegel um rund zwei Zentimeter“, hat Kittner gemessen. „So etwas habe ich noch nie erlebt, und dabei bin ich schon seit fast 40 Jahren in der Teichwirtschaft tätig.“

Auch bei Dietmar Bergmann in der Teichwirtschaft Klitten ist die Lage angespannt. „Eine Notabfischung, kleinere Fische als sonst und immer noch kein Regen – eine Katastrophe“, lautet sein Resümee. Bergmann rechnet mit einem Ernteverlust zwischen 30 und 50 Prozent. „Wenn der Wettergott nicht bald ein Einsehen hat, kommt es in der Teichlausitz zur Katastrophe“, gibt der Klittener eine düstere Prognose ab. Mehrere Meteorologen prognostizieren indes, dass die Trockenheit noch bis weit in den September hinein anhalten könnte.

Blick auf einen bereits gänzlich trockengefallenen Teich bei Hammerstadt. Im Hintergrund ist die Förderbrücke des nahen Tagebaus Reichwalde zu sehen. Technisch wäre es zwar möglich, Grubenwasser zur Teichbefüllung zu nutzen. Aber dieses ist zu eisenhaltig.
Blick auf einen bereits gänzlich trockengefallenen Teich bei Hammerstadt. Im Hintergrund ist die Förderbrücke des nahen Tagebaus Reichwalde zu sehen. Technisch wäre es zwar möglich, Grubenwasser zur Teichbefüllung zu nutzen. Aber dieses ist zu eisenhaltig. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Der Dienstwiesenteich am Rietschener Erlichthof musste ebenfalls schon notabgefischt werden. Es muss bis Mitte September tüchtig regnen, damit zum Fischerfest wieder genügend Wasser für die Demonstration der Fischzüge angestaut werden kann.
Der Dienstwiesenteich am Rietschener Erlichthof musste ebenfalls schon notabgefischt werden. Es muss bis Mitte September tüchtig regnen, damit zum Fischerfest wieder genügend Wasser für die Demonstration der Fischzüge angestaut werden kann. FOTO: Torsten Richter-Zippack