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| 18:32 Uhr

Braunkohle
Lausitzer fordern bessere Infrastruktur

Ute Liebsch, Vorsitzende der IG BCE in Cottbus, hat gemeinsam mit Leag-Azubis eine Unterschriftenliste übergeben.
Ute Liebsch, Vorsitzende der IG BCE in Cottbus, hat gemeinsam mit Leag-Azubis eine Unterschriftenliste übergeben. FOTO: Joachim Rehle
Weißwasser.. Die IG BCE übergibt in Weißwasser 11 364 Unterschriften aus dem Revier an die Kohlekommission. Die stellt Hilfe in Aussicht.

Beim Besuch der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung am Donnerstag in Weißwasser haben sich vornehmlich Bergleute lautstark Gehör verschafft. Allerdings würde ein zügiger Kohleausstieg auch Subunternehmen der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) betreffen. Als eine Firma von vielen zählt dazu das Krauschwitzer Unternehmen Nadebor. Geschäftsführerin Nancy Nadebor hat deshalb die Einladung der Kommission gern angenommen und sich stellvertretend für den Mittelstand an die Delegierten gewandt. Immerhin beschäftigt Nadebor etwa 250 Mitarbeiter, „zwei Drittel davon arbeiten im Tagebau Reichwalde und Nochten“, so die Geschäftsführerin. Seit 2010 hat die Krauschwitzer Unternehmensgruppe etwa 22 Millionen Euro in die Region investiert – 18 Millionen Euro davon für die Auftragsabwicklung im Tagebau.

„Ich muss sagen, mir haben die Tränen in den Augen gestanden, als ich an dem Demozug vor der Telux vorbei gekommen bin“, schildert Nancy Nadebor. Dass sich die Lausitzer für ihre Heimat und ihre Zukunft einsetzen, habe sie nachhaltig beeindruckt. „Wir haben als Unternehmen auch eine Verantwortung für unsere Mitarbeiter, die sowohl ein Recht auf gute Jobs als auch auf eine gute Lebensqualität haben“, sagt sie. Insofern sei der ersatzlose Kohleausstieg keine Option. „Wir setzen auf Rückkehrer, wollen den Altersdurchschnitt der Beschäftigten senken. Dazu aber braucht es eine Perspektive“, so Nancy Nadebor. Ausschließlich auf Tourismus zu setzen, greife zu kurz. Vielmehr müssten Industriearbeitsplätze geschaffen und in die Infrastruktur investiert werden.

Genau damit rennt die Unternehmerin bei Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) offene Türen ein. Unter seiner Regie und mithilfe vom Bad Muskauer Landtagsabgeordneten Thomas Baum (SPD) ist eine Machbarkeitsstudie für eine Lausitzer Schnellstraße zwischen der A 4  an Weißwasser vorbei bis zur A 15 bei Cottbus auf den Weg gebracht worden. Denn genau darauf setzen hiesige Unternehmen: „Wir haben in unseren Standort im Weißwasseraner Industriegebiet investiert, werden zunehmend auch in der Logistik aktiv sein“, beschreibt Nancy Nadebor erste Schritte, um für das Tief- und Straßenbau-Unternehmen neue Standbeine zu schaffen. Und da sei die Transitstrecke ein entscheidender Faktor.

Die Cottbuser IG BCE-Vorsitzende Ute Liebsch hat in Weißwasser gemeinsam mit Leag-Azubis der Kommissions-Co-Vorsitzenden Barbara Praetorius 11 364 Unterschriften überreicht. Praetorius, die an der Agora-Energiewende-Studie mitwirkte, nahm die Listen entgegen, in denen nachhaltige und belastbare Zukunftskonzepte für die Lausitz gefordert werden. Damit nämlich genügend Zeit für die Umsetzung des Ausstiegs bleibt, dafür setzen sich Brandenburg und Sachsen ein. „Es muss Recht und Gesetz gelten“, sagt Michael Kretschmer der RUNDSCHAU, „es gibt genehmigte Tagebaue, die Kohleabbau bis Mitte der 2040er-Jahre zulassen. Ein früheres Ausstiegsdatum lehne ich ab.“

Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) wiederum erklärt, dass der Kohleausstieg ja im Grunde beschlossen sei. „Von mir aus könnte dieser auch schon in fünf Jahren kommen, wenn die Industriearbeitsplätze erhalten bleiben und unserer Stadt und der Lausitz eine Zukunftsperspektive geboten wird“, so Pötzsch. Er verweist auf das geringe Einkommen der Arbeitnehmer – es liegt jährlich in Weißwasser bei durchschnittlich 15 000 Euro. Um also Ex-Weißwasseraner wieder in die Heimat zu locken und die Jugend zum Bleiben zu bewegen, muss das Lohnniveau insgesamt steigen.

Aus Teilnehmerkreisen am Arbeitstreffen der Kommission in Weißwasser sowie von der Agentur Reuters heißt es am Freitag, dass die Kohlekommission eine Art „Revierbonus“ in Aussicht gestellt hat. Danach sollen gerade Infrastrukturprojekte prioritär behandelt und betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. Für Ersatzarbeitsplätze setze die Kommission auf Privatinvestitionen. Wie diese aber zustande kommen sollen, ist noch unklar. Das kommunale Bündnis Lausitzrunde schlägt dazu jedenfalls eine europäische Modellregion vor, mit der schnelle Verfahren und Fördermöglichkeiten einhergehen könnten.