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Weitere Faltenbogen-Seen werden benannt
Lausitzer bestimmen mit über See-Namen

22 Fach- und Führungskräfte der Geologie aus der Provinz Zhejiang in China weilten am Donnerstag in der Lausitz und interessierten sich für den Unesco Geopark Muskauer Faltenbogen. Eine Station auf der Besuchstour war Weißwasser. Manfred Kupetz, Vorsitzender des Fördervereins, gab im Altbergbaugebiet der ehemaligen Grube Hermann Informationen zu Fragen der Renaturierung, der Versauerung der Gewässer, aktuell bergbaulichen Risiken sowie zur heutigen touristischen Nutzung mit auf den Weg.
22 Fach- und Führungskräfte der Geologie aus der Provinz Zhejiang in China weilten am Donnerstag in der Lausitz und interessierten sich für den Unesco Geopark Muskauer Faltenbogen. Eine Station auf der Besuchstour war Weißwasser. Manfred Kupetz, Vorsitzender des Fördervereins, gab im Altbergbaugebiet der ehemaligen Grube Hermann Informationen zu Fragen der Renaturierung, der Versauerung der Gewässer, aktuell bergbaulichen Risiken sowie zur heutigen touristischen Nutzung mit auf den Weg. FOTO: Joachim Rehle
Bad Muskau. Im Muskauer Faltenbogen soll künftig öfter getauft werden. Dutzende Restlöcher warten auf neue Namen. Die Einheimischen haben dabei ein Wörtchen mitzureden. Zudem plant der Geopark einen Fotowettbewerb. Von Torsten Richter-Zippack

Was für eine Perle: Wenn Nancy Sauer auf den Smaragdsee zu sprechen kommt, beginnen ihre Augen zu leuchten. „Eines der schönsten Gewässer im gesamten Faltenbogen“, sagt die Direktorin des Geoparks Muskauer Faltenbogen begeistert.

Die Wasserfarbe erinnert tatsächlich an die in der Schmuckindustrie gefragten grünen Steine. Hinzu gesellen sich ein feinsandiger Strand sowie ein idyllischer Uferpfad. Erst im Herbst 2017 hatte das Gewässer im Scheitel des Faltenbogens seinen Namen erhalten: Smaragdsee. Damit gehört die geflutete Tagebaugrube zu den wenigen der insgesamt rund 30 Gewässer, die bereits einen „richtigen“ Namen und nicht nur eine Nummer besitzen.

Nancy Sauer kündigt an, dass es in den kommenden Jahren durchaus weitere See-Taufen geben werde. „Wir wollen dem Bergbau und der daraus resultierenden Folgelandschaft ein Gesicht geben und vor allem den Einheimischen Identifikationsmöglichkeiten mit ihrer Heimat bieten“, erklärt die Expertin ihre Intention. Allerdings solle das Format derartiger Veranstaltungen ab diesem Jahr auf eine neue Bühne gehoben werden. Geplant sei ein Namenswettbewerb. „Das wird schon etwas kniffliger und setzt eine gute Beteiligung voraus“, glaubt Sauer. Allerdings stehe bislang noch nicht genau fest, wann und wo ein solcher Ausscheid stattfindet.

Darüber hinaus soll es wieder einen Fotowettbewerb geben. Das entsprechende Thema wird während der Saisoneröffnung am 13. April bekanntgegeben. Außerdem planen die „Geoparker“ in diesem Jahr spannende Aktionen. So findet am 15. Juni der Auftakt zu einer neuen Reihe „Geo & Kultur“ statt. „Dabei sollen die Gemeinsamkeiten im deutsch-polnischen Geopark stärker in den Fokus gerückt werden. „Wir wollen Landschaft und Kultur auf reizvolle und eindrucksvolle Weise miteinander verbinden“, erklärt Nancy Sauer. Zum Start sei ein gemeinsamer Auftritt eines deutschen und polnischen Jugendchores in Bad Muskau vorgesehen. Mehr wollen die Protagonisten noch nicht preisgeben.

Darüber hinaus setzt der Geopark auf Altbewährtes, beispielsweise das grenzübergreifende Schulprojekt „Raus aufs Feld“. In diesem Rahmen können deutsche und polnische Kinder an verschiedenen Orten im Faltenbogen gemeinsame Abenteuer bestreiten. Ebenso findet das internationale Geopark-Camp eine Neuauflage. Dabei widmen sich Jugendliche aus verschiedenen Geoparks den Urgewalten Feuer, Wasser, Wind und Erde.

Der Muskauer Faltenbogen soll noch bekannter werden. Allerdings fehlt noch immer eine gesetzliche Anerkennung für Geoparke. Immerhin: In diesem Jahr startet die nächste Überprüfungsphase seitens der Unesco. Dabei wird geschaut, ob alle erforderlichen Kriterien erfüllt werden. Für Herbst ist eine Vor-Ort-Begehung mit der deutschen Unesco-Kommission geplant, 2019 dann mit internationalen Fachleuten.

Bei einem Schritt sind die Protagonisten ein gutes Stück vorangekommen, nämlich bei der Bildung eines deutsch-polnischen Zweckverbandes. Dieses Vorhaben, so heißt es aus der Geopark-Geschäftsstelle, sei Voraussetzung für das erneute Bestehen der Unesco-Prüfung.

Im vergangenen Jahr hat es im Faltenbogen eine erhöhte Nachfrage gegeben. Allein die Besucherzahlen in der Döberner Infostelle sind um einiges höher als 2016 gewesen. Immer mehr ausländische Gäste besuchten die Region, sogar Touristen aus Island und China. Konkrete Zahlen wollen die Geopark-Mitarbeiter derzeit aber noch nicht nennen.

In den vergangenen zwölf Monaten hat sich auch die Angebotspalette bei den Führungen deutlich erhöht. Das sei honoriert worden. Die zertifizierten Geopark-Führer entwickelten immer neue Themen, erkundeten neue Pfade und würden damit weitere Interessenten erreichen.

Winterruhe im Faltenbogen herrscht derzeit übrigens nur bedingt. Sehr gefragt sind die „Winterauszeiten“. dabei handele es sich um Wanderungen im Neißetal mit anschließender Einkehr auf den Ziegenhof Pusack.

Mit kleinen Booten wurde im September 2017 das erste Faltenbogen-Gewässer zwischen Weißwasser und Krauschwitz getauft. Seitdem ist vom Smaragdsee die Rede.
Mit kleinen Booten wurde im September 2017 das erste Faltenbogen-Gewässer zwischen Weißwasser und Krauschwitz getauft. Seitdem ist vom Smaragdsee die Rede. FOTO: Richter-Zippack