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| 17:41 Uhr

Exkursion durch den Bad Muskauer Park
Lauras Grab ist längst verblasst

Astrid Roscher erläutert am Standort des ehemaligen Mausoleums, wie das Ensemble einmal ausgesehen hat.
Astrid Roscher erläutert am Standort des ehemaligen Mausoleums, wie das Ensemble einmal ausgesehen hat. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Muskau. Im Ostteil des Muskauer Parks erinnert noch vieles an die Familie von Arnim. Expertin Astrid Roscher zeigt verborgene Juwele. Von Torsten Richter-Zippack

Ein granitenes Kreuz, hoch über der Neiße, wo sich einst das Mausoleum erhob, erinnert seit dem 6. Oktober 2001 an die einstige Begräbnisstätte der Familie von Arnim. Ebenso wurden die Grundmauern freigelegt und mit wildem Wein markiert. Darüber hinaus halten ein paar uralte Grabsteine das Gedenken an das gewesene Ensemble wach.

Jetzt haben rund 45 Heimat- und Geschichtsinteressierte den Standort des ehemaligen Mausoleums im polnischen Teil des Muskauer Parks besucht. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Fürst-Pückler-Park, Astrid Roscher, hatte zur finalen Führung im Rahmen der Von-Arnimschen-Ausstellung im Neuen Schloss geladen.

Kurioserweise, so sagt Roscher, beginnt und endet die Historie der Begräbnisstätte mit dem Auftakt und dem abruptem Ende der von Arnimschen Standesherren, die von 1883 bis 1945 über 62 Jahre die Muskauer Herrschaft lenkten. Denn es war Traugott von Arnim (1839 – 1919), der die bereits von Parkbegründer Hermann von Pückler ins Auge gefasste Stätte tatsächlich umsetzte. Anlass bildete der bis heute mysteriöse Tod von Traugotts erster Gattin Laura (1852 – 1886). Nach dem Fund ihrer Leiche an einem Fluss im Nordschwarzwald wurde die geborene Freiin von Lotzbeck zunächst auf dem städtischen Friedhof in Muskau beigesetzt. Nachdem das Mausoleum am 20. September 1888, also fast auf den Tag genau vor 130 Jahren, eingeweiht worden war, wurde ihr Leichnam umgebettet. Allerdings ruhte Laura nicht in ihrem Sarkophag aus Marmor, von dem noch zwei Bruchstücke existieren, in der linken Seitenkapelle. Sondern ein paar Schritte weiter links unter freiem Himmel. Zwischen zwei markanten Lindenbäumen, so hat Astrid Roscher recherchiert, befanden sich einst die Grabstätten von Laura von Arnim, ihrem Gatten Traugott von Arnim sowie dessen zweiter Frau Caroline von Arnim (1851 - 1912). Heute sind alle drei Gräber fast gänzlich verblasst und als solche kaum mehr erkennbar. Laut Astrid Roscher hatten polnische Archäologen nach der politischen Wende Grabungen veranlasst, die Gräber aber aus Gründen der Pietät selbst nicht angerührt. Daher sei bis heute unbekannt, ob dort noch immer die Gebeine der Begrabenen ruhen. Darüber hinaus befanden sich um das Mausoleum weitere Gräber der von Arnims.

Blick auf alte Grundmauern von Gärtnereigebäuden auf dem Areal der Baumschule.
Blick auf alte Grundmauern von Gärtnereigebäuden auf dem Areal der Baumschule. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Das Gebäude selbst wurde von Architekt Julius Carl Raschdorff (1823 – 1914) entworfen. Raschdorff gilt auch als geistiger Vater des Berliner Doms. Markant waren der gotische Stil sowie der schmale, himmelwärts strebende Turm. Das Mausoleumskreuz hatte Standesherr Hermann von Arnim (1903 – 1997) in den 1930er-Jahren aus der Tzschellner Fachwerkkirche mitgenommen. Die Begräbnisstätte wurde bereits zum Ende des Zweiten Weltkrieges teilzerstört. Im Jahr 1972 erfolgten die Sprengung und der Abriss der Ruinen. Zur Jahrtausendwende, so berichtet Astrid Roscher, wurden die Grundmauern des Mausoleums freigelegt und entsprechend sichtbar gemacht. Anstelle des Altars ist anno 2001 das jetzige Granitkreuz aufgestellt und geweiht worden.

Darüber hinaus gibt es im polnischen Parkteil noch weitere Erinnerungen an die von Arnimschen Standesherren. Dazu zählt beispielsweise der Pücklerstein, den Traugott von Arnim im Jahr 1901 an die aussichtsreiche Stelle hoch über der Neiße setzen ließ. Seit Anfang der 1990er-Jahre befindet sich der Findling wieder an seinem alten Platz, nachdem er ab 1983 auf einer Straßenkreuzung in Lugknitz als Gedenkstein für die gefallenen polnischen und sowjetischen Soldaten missbraucht worden war.

Die von Arnims prägten ebenso das Gelände der einstigen Baumschule. Dort ließen sie ab den 1920er-Jahren im Rahmen des Umzuges der Gärtnerei einen ganzen Komplex aus Gewächshäusern errichten. Dieser erfuhr 20 Jahre später eine Erweiterung. Damals galt es schließlich, die Volksernährung zu sichern. Verkauft wurden die Produkte unter anderem in einem Geschäft gegenüber des Alten Schlosses in Blickrichtung Muskauer Markt. Die Ur-Muskauerin Brigitte Haraszin erinnert sich noch an die gewaltigen Scherbenhaufen, auf die sie während eines Besuches des Baumschulgeländes um das Jahr 1993 gestoßen war. „Damals wussten wir noch nicht, dass es sich um die Gewächshäuser handelte. Zudem war alles zugewachsen und eine einzige Wildnis.“ Längst ist das Gelände wieder beräumt und alte Wege im Großen und Ganzen wieder hergestellt. Selbst die ehemaligen Gebäude der Gärtnerei, von denen heute nicht eines mehr steht, sind in der weitläufigen, leicht welligen Landschaft noch zu erahnen.

Des Weiteren erhalten sind auch die Carolinenhöhe, ein Aussichtspunkt, benannt nach Traugotts zweiter Gattin, sowie das Wasserkraftwerk in der Neiße als letztes Relikt der von Arnimschen Papierfabrik, die gleich im ersten Muskauer Jahr (1883) der damals neuen Standesherren entstanden war.

Die Von-Arnim-Ausstellung im Muskauer Neuen Schloss ist bis Sonntag, 9. September, zu sehen. Bereits am 6. September (18.30 Uhr) gibt es im Festsaal einen Vortrag zum Thema „Die Arnims – ein uckermärkisches Adelsgeschlecht“ mit Referent Jasper von Arnim.