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Landratsamt Görlitz wird zum Campus

Das Landratsamt soll um weitere Gebäude wachsen. Der Kreistag muss dafür den Weg freimachen.
Das Landratsamt soll um weitere Gebäude wachsen. Der Kreistag muss dafür den Weg freimachen. FOTO: R. Weiß
Görlitz. Das Landratsamt in Görlitz soll weiter wachsen. Im März wird der Kreistag über diese Pläne befinden. Diese sind millionenschwer. Regina Weiß

Das Landratsamt hat ohne Frage zur Aufwertung der Bahnhofstraße in Görlitz beigetragen. Vor gut vier Jahren wurde der Komplex aus saniertem Altbau und modernem Zwischenbau eingeweiht. Mittlerweile ist die Zentrale der Kreisverwaltung schon weiter gewachsen. Mit der Übernahme des ehemaligen Barmer-Hauses an der Berliner Straße konnte der eingeschlagene Weg der Verwaltungskonzentration weiter beschritten und der Abbau der Außenstellen - vor zwei Jahren waren es noch gut 14 - vollzogen werden.

Nun will man einen größeren Satz machen. Während des Pressegesprächs am Montag im Landratsamt in Görlitz hat Thomas Gampe, Beigeordneter des Landrates, die Pläne vorgestellt. Das Landratsamt soll um weitere acht Häuser wachsen. Diese befinden sich angrenzend an der oberen Berliner Straße und der Salomonstraße. Das Ensemble soll durch einen Neubau verbunden und das vorhandene Landratsamt integriert werden - ein Campus eben. Im Neubau wäre dann auch ein Kreistagssaal optional denkbar, erläutert Gampe. In der Verwaltung habe man mehrere Varianten untersucht, auch die Abstimmung mit der Stadt gesucht. Es musste ein Kompromiss gefunden werden. Die Kreisstadt habe auf ihre Denkmale geschaut, der Kreisverwaltung wäre ein funktionaler Neubau am Liebsten gewesen, gibt Gampe unumwunden zu. Maßgabe ist, "dass ein funktionsfähiger Gesamtkomplex entsteht, der effizient bewirtschaftet werden kann", formulierte es Thomas Gampe.

Im Kreistag im März soll nun ein entsprechender Grundsatzbeschluss gefasst werden. Dort werden die Varianten vorgestellt sowie die Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Vorhaben. Das ist nämlich millionenschwer. Auf Nachfrage der RUNDSCHAU erklärt Gampe, dass nach ersten Kostenschätzungen 24 Millionen Euro gebraucht werden. Das werde nicht funktionieren, wenn man nicht verschiedene Fördertöpfe anzapfen könne. Ein solcher könnte die Städtebauförderung sein. Erste Gespräche mit dem Innenministerium habe es dazu gegeben. In diese Kostenschätzung en ist beispielsweise die Schaffung von Stellplätzen nicht eingerechnet. Denn auch diese sollen im Zuge der Großbaumaßnahme entstehen. Die Rede ist von 170 Stück, wobei der Großteil öffentlich genutzt werden soll. Geplant ist zudem, zum Beispiel in der Berliner Straße eine Gastronomie zu installieren, die gleichzeitig als Kantine für die Mitarbeiter des Amtes und öffentlich genutzt werden könnte. Auch das müsste anderweitig finanziert werden.

Sollte der Kreistag im März den Plänen aus der Verwaltung zustimmen, so könnte man einen Wettbewerb ausschreiben. 2019 könnte der Bau beginnen. 2022 soll der Campus dann fertig sein. Spätestens dann sollen an diesem Standort 750 Mitarbeiter tätig sein. Jetzt sind es die Hälfte.

Auch künftig wird es bei 1500 Beschäftigten in der Kernverwaltung ohne Außenstellen nicht gehen.

Dort zeichnet sich die Situation beziehungsweise die Entwicklung wie folgt ab.

Weißwasser: Dort hat das Landratsamt den Standort Teichstraße aufgegeben. Alles wurde in der Straße der Einheit konzentriert. 100 Mitarbeiter sind beim Kreis angestellt. "Das wird auch so bleiben", so Gampe.

Niesky: Von derzeit 190 Mitarbeitern soll die Zahl auf 170 reduziert werden. Vor allem geht es um das Bauaufsichtsamt, dass dann in Görlitz konzentriert wird. Es wird darüber nachgedacht, ob die Abfallwirtschaft dann in das Gebäude Robert-Koch-Straße umzieht.

Löbau: Dort wird es durch die Konzentration am Standort Görlitz zu den größten Veränderungen kommen. Von den 320 Mitarbeitern geht die Zahl auf 150, weil Umwelt- und Vermessungsamt nach Görlitz geholt werden.

Zittau: Dort gibt es die größte Außenstelle des Kreises und das wird auch nach dem Wegzug der Bauaufsicht so bleiben. Dann gibt es in Zittau 220 Angestellte des Landkreises. Ins Gebäude wird sogar investiert. 2,7 Millionen sind eingeplant. Der Wegzug der Mitarbeiter führt schon jetzt zu Diskussionen im Süden. Aber der Kreis sieht für seinen derzeitigen Plan keine Alternative. Auch die Mandau-Kaserne sei keine. Hier fehle es nicht nur am Geld, sondern am Gesamtkonzept.

Görlitz: Das Jobcenter soll von der Lunitz in den Campus ziehen. Damit falle ein deutlicher Mietposten weg. Außerdem trennt man sich von der Otto-Müller-Straße. Was bleibt ist das Gesundheitsamt in der Reichertstraße.

Landrat Bernd Lange (CDU) macht in dem Zusammenhang klar, dass der Kreis die Verwaltungskosten pro Bürger rechnen müsse. Dennoch sollen die genannten Außenstellen erhalten bleiben. Lange gibt aber noch eins zu bedenken, die Technik entwickle sich weiter. Über Terminals, die in den Außenstellen installiert werden sollen, könne vieles per Datenübertragung abgewickelt werden. An der elektronischen Akte werde im Amt bereits gearbeitet.