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| 19:16 Uhr

Tagebau Nochten
Lärmschutzwall: ganz oder gar nicht

 Blick in den Tagebau Nochten. Dieser wandert weiter in Richtung Trebendorf. Das hat Auswirkungen.
Blick in den Tagebau Nochten. Dieser wandert weiter in Richtung Trebendorf. Das hat Auswirkungen. FOTO: Christian Köhler
Trebendorf. Mit dem weiteren Voranschreiten des Tagebaus Nochten wird sich der Abstand zu den Gemeinden Trebendorf und Schleife weiter verringern. Beide Orte werden von Staub und Lärm betroffen sein. Was die Einwohner genau erwartet, stellt die Leag in dieser Woche bei Bürgerdialogen vor. Von Regina Weiß

Der Grünschutzgürtel, der damals noch unter Regie von Vattenfall entlang des künftigen Tagebaus Nochten angelegt wurde, hat erhebliche Lücken. Der Grund ist laut Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) dafür: Grundstückseigentümer seien nicht bereit gewesen, ihre Flächen für die Anpflanzungen zur Verfügung zu stellen. So etwas soll sich beim Lärmschutzwall (zu Teilen wird es eine Wand sein) nicht wiederholen. Es wird keinen Lärmschutz stückchenweise geben. Das haben Jens Höhna, zentraler Betriebsbeauftragter für Immissionsschutz bei der Leag, und Martin Klausch, Leiter Bauwesen/Umsiedlungsmanagement, am Montag bei einem Pressegespräch unterstrichen.

Denn auch beim aktuellen Projekt zeichnen sich Probleme ab. „Wir haben noch nicht alle Flächen“, bestätigt Klausch. Deswegen würden auf allen Ebenen Gespräche laufen, um voranzukommen. Eins steht aber jetzt schon fest: Entweder, der rund 2,5 Kilometer lange Wall kommt ganz oder gar nicht. Wobei es im konkreten Fall nun erst einmal um den ersten Bauabschnitt, konkret um einen Kilometer geht. Sechs Meter hoch soll das Bauwerk werden. Es habe damit die richtige Höhe, um Lärm und Staub reduzieren zu helfen. Soll heißen, auch die doppelte Höhe würde nicht mehr bringen. Im Gegenteil, sie würde nur noch mehr an Fläche kosten. Schon bei der anvisierten Höhe braucht die Dammsohle eine Breite von 20 Metern. Wegen dieser Flächeninanspruchnahme wird an einigen Stellen aus dem Wall eine Lärmschutzwand. Für den ersten Abschnitt werden 50 000 Kubikmeter Erdreich aus dem Tagebau verwendet. Ist der Damm geschüttet und verfestigt, wird er begrünt. Unter anderem Sträucher werden dort gesetzt. Das Bauwerk befindet sich innerhalb der Sicherheitslinie des Tagebaus und soll, wenn die Grube vorbeigezogen ist, wieder rückgebaut werden. 40 Wochen Bauzeit, so Martin Klausch, wird der erste Abschnitt kosten, damit er im ersten Quartal 2021 fertig ist.

Er gehört zu den Millionen-Ausgaben – konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht – die die Leag aufbringt, um Trebendorf und Schleife vor Lärm und Staub zu schützen. Hintergrund ist die Fortschreibung des Sonderbetriebsplans Immissionschutz für den Tagebau Nochten. Der jetzige läuft Ende des Jahres aus. Der neue umfasst einen Geltungszeitraum von 2020 bis 2024. Er soll Ende Juni beim Oberbergamt in Freiberg eingereicht werden, so Matthias Kuhle, Referent für die Tagebaue Nochten/Reichwalde. Nicht nur die betroffenen Kommunen und weitere Behörden werden dazu gehört, sondern auch die Bürger. Diesmal gebe es keinen Vortrag im Rahmen einer Einwohnerversammlung, sondern die Leag setzt auf Bürgerdialoge. Damit hat sie beim Thema Bahnverlegung zwischen Weißkeißel und Rietschen beziehungsweise beim Planungsstand von Neu-Mühlrose schon gute Erfahrungen gemacht. In Schleife und Trebendorf werden am Mittwoch und Donnerstag bis zu 15 Experten vor Ort sein. Jens Höhna hat dann nicht nur alle prognostizierten Zahlen dabei, sondern auch Karten, die die Lage, Windrichtung und Arbeitsweise der Großgeräte erklären helfen. Zudem kann man anhand von Bildern oder Modellen zeigen, was das Unternehmen unternimmt, um Lärm und Staub zu minimieren. In einem Konzept sind 15 Maßnahmen aufgelistet, die im Tagebau zeitversetzt umgesetzt werden sollen. Da geht es um Einkapseln von Antriebsstationen, dem Einbau neuer Getriebe oder lärmgeminderter Tragrollen. „Als erstes ist natürlich der Vorschnittbagger dran“, sagt Höhne. Denn der nähert sich als erstes. Anfang des Jahres werden Trebendorf und Tagebau noch 1000 Meter trennen. Stand 6. Mai sind es 1400 Meter.

Bei den Lärmprognosen setzt der Gutachter den schlimmsten Fall an. Es sind sozusagen die Spitzen, obwohl sich die Geräte im Tagebau auf das Dorf zu und von ihm weg bewegen. Nach dieser Prognose werden am Waldweg Trebendorf Werte von 52 bis 54 Dezibel erwartet. In Mühlrose werden es maximal 49 sein, in Schleife 44 Dezibel. Laut Jens Höhna sei das leichte Zimmerlautstärke. Im Vergleich dazu, ein Rasenmäher bringt es bis auf 85 Dezibel.

Am 8. Mai stehen Leag-Fachleute von 15 bis 19 Uhr im Saal vom Sorbischen Kulturzentrum Schleife Rede und Antwort.

Am 9. Mai ist die Expertenrunde im gleichen Zeitraum im Haus der Vereine in Trebendorf zu Gast.

 Blick in den Tagebau Nochten. Dieser wandert weiter in Richtung Trebendorf. Das hat Auswirkungen.
Blick in den Tagebau Nochten. Dieser wandert weiter in Richtung Trebendorf. Das hat Auswirkungen. FOTO: Christian Köhler