ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:32 Uhr

Labor-Investition in Weißwasser in Warteschleife

Weißwasser. Der Weißwasseraner Ne phrologe Dr. Mato Nagel, Arbeitgeber für etwa 40 Mitarbeiter in der Großen Kreisstadt, will seine Laborkapazitäten hier erweitern. Am gestrigen Dienstag besichtigte er gemeinsam mit Oberbürgermeister Hartwig Rauh (parteilos) die frühere Kita „Milenka“ in der Werner-Seelenbinder-Straße, die für ihn als möglicher Standort in Frage kommt. Von Thoralf Schirmer

Die Erweiterungsinvestition von mindestens einer Million Euro wird Nagel aber nur wahr machen, wenn er einen seit sieben Jahren dauernden Rechtsstreit mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Sachsen für sich entscheiden kann. Auf mehr als eine Million Euro beläuft sich nach seiner Schätzung nämlich auch die Summe, die er mittlerweile dadurch eingebüßt habe, dass die KV sich weigere, dem Arzt Laborleistungen zu bezahlen, die in Weißwasser erbracht wurden.

Dabei handelt es sich um molekulargenetische Untersuchungen, mit denen der 52-Jährige seltene schwere Nierenkrankheiten diagnostiziert. In Deutschland sei er bislang der einzige, der sich mit der dazugehörigen hochentwickelten Technik auf diesem Gebiet spezialisiert habe, sagt Nagel. Proben zur Untersuchung erreichten ihn aber aus der ganzen Welt. Sein Labor sei anerkannter Partner für die Universitätskliniken von Yale und Harvard in den USA, ebenso wie für Cambridge und Oxfort in Großbritannien.



Gentechnik vergessen

„All die Leistungen, die wir für Auftraggeber in der ganzen Welt erbringen, werden uns von dort zu 100 Prozent bezahlt, in Deutschland aber sind es höchstens zwei bis drei Prozent, die wir bekommen“, sagt Nagel. Verantwortlich für die Situation macht er die Gesundheitsreform von 2003, in der eine einheitliche Vergütung für die bundesweite Verschickung von Laborleistungen geregelt worden war, ohne dabei allerdings gentechnische Laboruntersuchungen wie die von Dr. Nagel zu berücksichtigen.

„Diese Laborleistungen unterlagen seit Einführung der Praxisbudgets in den einzelnen Bundesländer unterschiedlichen Abrechnungsbeschränkungen, die im einzelnen schwer nachzuvollziehen waren“, erklärt Nagel. „Seit 2009 gilt jedoch auch hierfür eine bundeseinheitliche Regelung. Danach sollten Überweisungsfälle zur Durchführung von ausschließlich Probenuntersuchungen nicht mehr dem Regelleistungsvolumen unterliegen.“



Die KV in Sachsen setze diese Regelung aber nicht um, so der Vorwurf von Nagel, obwohl sie selbst sehr wohl Laborleistungen, die in Sachsen für andere Bundesländer erbracht werden, von diesen vergütet bekomme. Für eine Stellungnahme in dieser Sache war die KV Sachsen gestern für die RUNDSCHAU nicht zu erreichen.

Trotz der strittigen Vergütungsfrage lehnt Nagel bislang die innerdeutschen Überweisungen an sein Labor nicht ab. „Ich bezahle das sozusagen selbst von dem Geld, das ich im Ausland einnehme“, sagt der Nierenspezialist.



Nachfrage steigend

Mittlerweile kommen etwa 80 Prozent der Proben aus anderen Ländern nach Weißwasser, die Tendenz sei steigend, die Wachstumsrate zweistellig. Darum sucht Nagel einen neuen Standort für die Erweiterung seines Labors, der mindestens eine Fläche von 200 Quadratmetern haben soll. Die ehemalige Kita „Milenka“ bietet sogar das Vierfache, weshalb die Stadt, so OB Rauh, auch noch nach anderen Alternativen suchen will.

Derzeit arbeiten acht Mitarbeiter in dem Labor, und dringend wolle er weitere einstellen, sagt Nagel. „Ich warte jetzt nur noch auf das Urteil in der zweiten Instanz am Landessozialgericht in Chemnitz.“ Weil in seinem Labor die Tests ständig weiterentwickelt, also auch im Bereich Forschung tätig sei, sind es vor allem kreative Naturwissenschaftler und Technologen, die er sucht – Physiker, Biologen, Bioinformatiker, Systemtechniker oder Mathematiker.