Seit 2015 haben sich Biber in Gablenz häuslich niedergelassen. Erst vor dem Dorf an der Räderschnitza haben sich die geschützten Tiere später an Kieschnicks Lusche neben der Dorfstraße eingerichtet. Nun sollen die tierischen Bewohner vor die Gablenzer Haustüre gesetzt werden.

Was so lapidar klingt, ist alles andere als das. Viele Unwägbarkeiten spielen bei dem Vorhaben, was die Gemeinde Gablenz nun in Angriff nehmen wird, eine Rolle.

Zeitfenster zur Umsiedlung nur bis Ende Oktober

Da ist zum einen die Zeit: Bis Ende Oktober besteht nur noch das Zeitfenster, um die Umsiedlung in Angriff zu nehmen. „Wenn wir das jetzt nicht machen, dann war es das für dieses Jahr. Dann haben wir erst wieder im Frühjahr die Möglichkeit“, so Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Kromlau. Um sicher zu gehen, dass der Rat hinter ihm steht, lässt er über die „Umzugspläne“ pro forma abstimmen. Die Räte geben ihm geschlossen Rückendeckung. Vorher hatte sich bereits der Technische Ausschuss für die Vergrämung der Tiere ausgesprochen.

Die Abstimmung mit den Räten ist die eine Schiene, die andere die mit dem Bibermanagement des Landkreises sowie der Untereren Naturschutzbehörde des Kreises. Dazu laufen intensive Gespräche und Vor-Ort-Besuche. „Für mich ist es ein gutes Zeichen, dass miteinander geredet wird, um eine Lösung gemeinsam herbeizuführen“, unterstreicht der Gablenzer Uwe Horbaschk. Er ist Anrainer an Kieschnicks Lusche und lebt seit Längerem Seite an Seite mit den geschützten Tieren. „Derzeit habe ich zwar das Gefühl, dass sie eher weg sind. Aber das muss nichts heißen. Es war im vergangenen Jahr ähnlich“, schildert Horbaschk. Im vergangenen Jahr gab es auch Jungtiere. Ob Familie Biber jetzt wieder Nachwuchs hat, könne allerdings nicht eingeschätzt werden. Allerdings ist alles mittels Wildkamera unter Beobachtung.

Bürgermeister will Gemeinde vor Schäden schützen

Für den Bürgermeister geht es klar darum, die Gemeinde vor möglichen Schäden des tierischen Bewohners zu schützen. Abgenagte Bäume und Höhlen, die Wiesenflächen stückweit absacken lassen, oder angestautes Wasser durch den Dammbau sind Folgen im Ort oder nahe der Ortslage. Dafür will Noack nicht weiter den Rücken hinhalten. Darauf hat er mehrfach hingewiesen. Ein Bescheid aus der Kreisverwaltung gibt ihm nun vor, wie vorgegangen werden muss. Klar, dass das auch Kosten verursacht. Laut Landkreisverwaltung kann die Gemeinde auf Fördermittel der Richtlinie „Natürliches Erbe“ zugreifen. Die Gemeinde hat nach der jüngsten Ratssitzung deshalb sofort einen Antrag gestellt.

Bibers Wohnzimmer soll trockengelegt werden

Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für die Umsiedlung. So wird eine leistungsstarke Pumpe organisiert, die die Wohnstätte von Familie Biber innerhalb von wenigen Stunden trocken legen soll. So werden im Uferbereich alle Höhlen sichtbar, die der Biber angelegt hat. Sie sollen verschlossen werden. Außerdem ist geplant, den Teich auszulegen, um ihn unattraktiv für eine Neubesiedlung zu machen. Natürlich muss der Biber auch eingefangen werden. Wie das konkret erfolgen soll, gibt auch den Gablenzern Rätsel auf.

Bisherige Umsiedlungen von Bibern nicht erfolgreich

Die Umsiedlung von Bibern ist bereits mehrfach im Landkreis Görlitz genehmigt worden. Bisher wurden mehrere Male dem Fürst-Pückler-Park Bad Muskau und einmal in Gablenz solche Genehmigungen erteilt. Doch keine war je erfolgreich, teilt die Kreisverwaltung der RUNDSCHAU auf Nachfrage mit. Da die Region erst vor 20 Jahren durch Biber wiederbesiedelt wurde und erst seit zirka zehn Jahren solche Probleme auftreten, die ein Eingreifen erfordern, fehlt es in der Region auch an Erfahrung. „Diese kann nur in einem längeren Prozess zu erlernen sein, da das Leben mit dem Biber viele neue Herausforderungen stellt“, so Kreisssprecherin Julia Bjar.

Biber ändert zur Not auch den Speiseplan

Dass mit dem Lernprozess kann auch Uwe Horbaschk bestätigen. So habe sich der Biber auf seinem Grundstück auch an der Serbischen Fichte versucht, die eigentlich nicht auf seinem Speiseplan steht.

Wo aber soll der Biber aus Gablenz denn hin, wenn die Einfangaktion erfolgreich sein sollte? In ein von seiner Art unbewohntes Gebiet an der Neiße. Der Landkreis werde das festlegen, erklärte Dietmar Noack den Räten. Die haben allerdings eine wichtige Maßgabe fürs neue Biber-Zuhause: möglichst weit weg von Gablenz!