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| 01:46 Uhr

Kupfersucher rütteln Weißwasser durch

Weißwasser. Ein 20-köpfiges Geophysiker-Team führt seit einer Woche im Kupfer-Konzessionsgebiet Weißwasser seismische Messungen durch. 20 Tonnen schwere Vibrationsfahrzeuge fahren 43 Kilometer Strecke ab. Freitag erreichten die Gefährte Weißwasser. Von Daniel Preikschat

Männer in Signalwesten bilden am Vormittag in Weißwasser die Vorhut. Über die volle Länge der Hauptverkehrsachse Muskauer Straße / Bautzener Straße legen sie mehrere Kilometer Datenkabel aus. Alle zehn Meter daran angeschlossen ein Sensor. Viele Weißwasseraner staunen aber noch mehr, als am Nachmittag aus Richtung Bad Muskau zwei seltsam aussehende Gefährte mit ungarischen Kennzeichen im Schritt-Tempo in die Stadt rollen. Alle 20 Meter halten sie an, pressen hydraulisch den Stempel in der Fahrzeugmitte auf den Asphalt. Nur ein paar Sekunden lang. Dann geht es weiter.

Geophysik-Student Christian Müller begleitet die Fahrzeuge auf dem Fußweg und gibt die Haltesignale. Aus der Gärtnerei gegenüber dem Turnerheim kommt ein Kunde und fragt nach. Die Rüttelplatten, erklärt ihm Müller, senden Impulse bis in 1500 Meter Tiefe. Das Echo fangen die Sensoren am Datenkabel auf und senden es in einen Kontrollwagen. In der Auswertung ergibt sich ein Schichtenbild. Am Ende gehe es darum, dem Kupfer auf die Spur zu kommen.

Drei Kilometer schaffen die Fahrzeuge am Tag, sagt Bernd-Michael Schulze von der Geophysik GGD mbH aus Leipzig, die im Auftrag der polnische KGHM Kupfer AG den Untergrund im Konzessionsgebiet Weißwasser erforscht. Insgesamt 43 Kilometer Mess-Strecke auf öffentlichen Straßen zwischen Rietschen und Weißwasser. Bis Mitte August will man fertig sein, im Stadtgebiet Weißwasser am Samstagnachmittag.

Man müsse die seismischen Messungen im Zusammenhang mit der ersten Probebohrung von KGHM am Rand des Tagebaus Nochten sehen, betont der Geophysiker. Erst im Abgleich der Ergebnisse lassen sich die nur drei Meter dicken Kupfer führenden Schichten ausmachen und weitere Schritte festlegen. Auf kleinere Flächen konzentrierte seismische Untersuchungen könnten die Folge sein. Es könnten sich auch Standorte für weitere Probebohrungen im nächsten Jahr ergeben. KGHM geht von drei Bohrungen 2012 aus, so Achim Freund von der Ingenieurgesellschaft Geos in Freiberg, ein weiterer Partner von KGHM.

Für die seismischen Untersuchungen setzt die Geophysik GGD eigene Kräfte, aber auch Fachstudenten ein. Die Vibrationsfahrzeuge sind aus Budapest ausgeliehen, jedoch in den Neunziger Jahren in den USA gebaut worden, erklärt Schulze weiter. Drei Kilometer schaffen sie am Tag und verbrauchen dabei 300 Liter Dieselkraftstoff, weil der auch die Hydraulik antreibt. Um sie einsetzen zu dürfen, mussten eine Reihe von Genehmigungen eingeholt werden. Die Vibrationen im Stadtgebiet dürfen einen DIN-Höchstwert nicht erreichen. Doch Schulze versichert: "Da bleiben wir drunter."

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Zum ThemaDie KGHM Kupfer AG ist eine Tochter der KGHM Polska Miedz mit Sitz im polnischen Lubin, europaweit Marktführer bei der Förderung dieses Rohstoffes. KGHM hat vom sächsischen Oberbergamt die Konzession zunächst bis Ende dieses Jahres, um im Raum Weißwasser nach dem begehrten Bodenschatz zu suchen. Vier Probebohrungen samt seismischer Erkundung sind in diesem Jahr vorgesehen, drei weitere im nächsten. Mit ersten Ergebnissen bei der ersten Probebohrung rechnet KGHM im Oktober. Insgesamt werden für die Erkundung 13 Millionen Euro investiert. Bis tatsächlich Kupfer abgebaut werden kann, vergehen erfahrungsgemäß zehn Jahre. Für eine Tonne Kupfer werden derzeit 6400 Euro gezahlt.