Von Gabi Nitsche

„Jetzt kann unser kleiner Seelöwe in Ruhe Winterschlaf halten“, erklärt Erzieherin Antje Oelmann den Jüngsten der Kita Ulja. Die Mädchen und Jungen klatschen in die Hände. Sie schauen zu, wie Tischlermeister Volker Neumann und Tischler Martin Schröter ein Holzteil nach dem anderen herantragen. Das fünfteilige Stecksystem ist der neue Winterschutz für die Plastik und wurde in der Tischlerei Nickel gefertigt. Den Männern geht die Arbeit flott von der Hand. Ratzfatz verschwindet die Figur hinter den bunt verzierten Wänden. „Wir hoffen, dass es lange Zeit hält und wir damit helfen, den Seelöwen zu erhalten“, sagt Chefin Beate Petrick. Denn irgendetwas musste unternommen werden, weil Frost und Nässe dem Seelöwen sehr zu schaffen machten. „Unser Hausmeister Uwe Kanter hat es die letzten Jahre immer mit Decken eingepackt und Holzbrettern versehen. Aber das war nicht so optimal. Wenn nämlich die Decken nass werden, der Frost dazukommt, greift das ja auch die die Figur an“, berichtet Anett Rottnick vom Kita-Team. Gemeinsam mit der Denkmalkommission Weißwasser sei nach einer wetterbeständigen Schutzmöglichkeit gesucht worden. „Mit dem neuen Stecksystem ist das gegeben.“ Damit sollte die Gefahr für die Plastik, erneut Risse zu bekommen, gebannt sein. Steffen Müller bedankt sich im Namen der Denkmalkommission für die Unterstützung im Wert von 1400 Euro beim Handwerksbetrieb.

1953 von der Künstlerin Dorothea von Philipsborn (1894-1971) geschaffen, sind der Seelöwe und die Kindereinrichtung untrennbar, wie Geschwister eben. In diesen mehr als sechs Jahrzehnten ist die Figur, die über Generationen von Kindern und Erziehern immer gern als Robbe bezeichnet wird, ein besonderer Anziehungspunkt.

Vor rund fünfzehn Jahren war es nicht mehr zu übersehen: Der Zahn der Zeit hatte gewaltig an dem Seelöwen genagt. Weil sich der Sockel gesenkt hatte, war die Skulptur in drei Teile zerbrochen. Eine Sanierung war dringend notwendig. Doch es mussten noch einige Jahre ins Land ziehen, die Denkmalkommission um den damaligen Vorsitzenden Günter Segger tüchtig die Werbetrommel rühren, um das nötige Kleingeld dafür zu erhalten. 2008 waren alle Vorbereitungen gediehen, die Keramiksanierung erfolgte. In einem mehrwöchigen Bad in der Werkstatt einer Spezialistin aus Leipzig wurde dem Seelöwen überschüssiges Salz entzogen, dann musste die Keramik trocknen, bevor geklebt und Fehlstellen ersetzt werden konnten. Der Seelöwe kehrte in neuem Glanz in den Kita-Garten zurück und wurde mit großem Hallo willkommen geheißen. Aus seinem Brunnen, in dem früher gebadet wurde, war ein praktisches Pflanzrondell geworden.

Doch die Freude hielt nicht lange. Schon bald zeigten sich erneut Risse auf der Außenhaut, die behandelt werden mussten. Wieder wurde die Denkmalkommission aktiv. Die zwischenzeitliche Idee, den Seelöwen in die Kita zu verbannen, um ihn vor jeglichen widrigen Witterungsverhältnissen zu bewahren, wurde verworfen – zu groß und brandschutztechnisch nicht machbar.

Mit der neuen professionellen Umhausung ist eine gute Lösung gefunden worden, so der einhellige Tenor.