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| 18:46 Uhr

Bildung
Kultusministerium gibt grünes Licht für Altenpfleger

BSZ-Schulleiterin Petra Weidner (m.) mit Lucy Miatke. Diese lernt im 2. Lehrjahr Krankenpflegehelferin am Berufliches Schulzentrum.
BSZ-Schulleiterin Petra Weidner (m.) mit Lucy Miatke. Diese lernt im 2. Lehrjahr Krankenpflegehelferin am Berufliches Schulzentrum. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Weißwasser. Das Berufliche Schulzentrum in Weißwasser erweitert seine Ausbildungsangebote. Von Gabi Nitsche

Lucy Miatke wickelt gerade einen Säugling. Die 17-Jährige lernt im zweiten Lehrjahr Krankenpflegehelferin am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) in Weißwasser. Das Baby ist eine Puppe, aber die Jugendliche schenkt ihr dennoch ihre ganze Aufmerksamkeit. „Mir gefällt das unheimlich gut, und ich bin mit sehr viel Spaß und Freude bei der Arbeit“, sagt sie mit strahlendem Gesicht. „Und es gefällt mir so gut, dass ich weiterlernen möchte.“ Lucy Miatke will Altenpflegerin werden, denn: „Der Umgang mit den Menschen, die Herzlichkeit, ihre Dankbarkeit – von manchen anderen bekommt man das oft nicht mehr.“ In der bisherigen Ausbildung habe sie schon viel kennengelernt und sagt von sich, sie sei dabei gereift.

Petra Weidner (47) hört das gern. Seit zwei Jahren leitet sie das BSZ kommissarisch, an dem sie seit 1995 Lehrerin ist und ab 2012 Vize-Chefin war. „Das Gute ist, wir müssen junge Leute, die Altenpfleger werden wollen, jetzt auch nicht mehr wegschicken.“ Die Tinte unter dem Bescheid vom Kultusministerium ist gerade erst getrocknet: „Wir dürfen den Bildungsgang aufmachen und ab dem Schuljahr 2018/19 staatlich geprüfte Altenpfleger ausbilden“, berichtet Petra Weidner. Gut ausgestattet sei das BSZ dafür bereits, werden doch schon seit geraumer Zeit junge Leute fitgemacht als Krankenpflegehelfer und Sozialassistenten. „Auch personell funktioniert das“, sagt die Chefin überzeugt. 48 Lehrer gehören zu ihrem Team, eine Sozialpädagogin, und im April komme noch eine Medizinpädagogin dazu. „Wir freuen uns. Denn nun können wir den Berufsnachwuchs sozusagen bei uns großziehen.“ Petra Weidner erklärt das so: „Wir bieten das Berufsvorbereitungsjahr an, dann die zweijährige Krankenpflegehelfer-Ausbildung und mit dem Realschulabschluss dann die Altenpfleger-Lehre.“

Beim jüngsten Tag der offenen Tür am Samstag konnte das BSZ dafür schon einmal kräftig werben und holte sich dazu auch Kooperationspartner an die Seite wie das Familienunternehmen Kunze und das DRK für den Pflegebereich. Silke Kaiber von der Altenpflege Lausitz suchte dazu das Gespräch mit Fachleiterin Karena Kowal. „Wir wollen gern drei Azubis hier zur Berufsschule schicken“, berichtet die Altenpflegerin Silke Kaiber. „Da ist ja die Klasse bald voll“, frohlockt die Schulleiterin.

Petra Weidner schätzt ein, dass das BSZ breit aufgestellt ist und gut dasteht – „wir halten die Fahne im Norden des Landkreises hoch“ – mit der modernen, zeitgemäßen Ausstattung dank des Schulträgers, dem Landkreis Görlitz. Knapp 800 Schüler lernen hier. „Es ist wichtig, junge Leute in der Region zu halten, und deswegen ist unsere Angebotspalette auch so breit gefächert.“ Gotthard Bläche, ein früherer Leiter, habe die Schule oft mit einem Kolonialwarenladen verglichen. „Neben den sozialen Angeboten bilden wir dual aus in den Bereichen Elektrotechnik, Holztechnik und Metalltechnik sowie Handel.“

Wer sich nicht für das Gymnasium entschieden hat, dennoch einen höheren allgemeinbildenden Abschluss erreichen möchte, ist bei der Fachoberschule unter dem Dach des BSZ genau an der richtigen Adresse.

„Es gibt verschiedene Fachrichtungen“, weist die Schulleiterin hin und zählt auf: „Wirtschaft und Verwaltung sowie Technik.“ Die Schüler bewerben sich mit dem Zeugnis des ersten Halbjahres der zehnten Klasse. Nach zwei Jahren erreichen die Schüler die allgemeine Fachhochschulreife und können damit an allen Fachhochschulen in Deutschland studieren.

Beim Tag der offenen Tür hatten sich verschiedene ehemalige Schüler schriftlich geoutet, wie sehr ihnen diese Möglichkeit auf dem beruflichen Weg geholfen hat und was aus ihnen geworden ist. Für die Besucher waren das schon recht aufschlussreiche Aussagen, bestätigte Vincent mit seinen Eltern aus Horka, der sich für die wirtschaftliche Richtung interessierte. In dem Fachlehrer Geschichte/Sport Andreas Herda fanden sie einen auskunftsfreudigen Gesprächspartner.

Total angetan von den Möglichkeiten in Weißwasser ist auch der 16-jährige Richard Bahlo. Der Reichwalder, der an der Oberschule Mücka gerade die zehnte Klasse absolviert, will unbedingt Mechatroniker werden. „Ich hab schon einen Ausbildungsvertrag mit dem Kranservice Hartmann in Görlitz und schau mich hier um, weil das höchstwahrscheinlich meine Berufsschule ist“, so der Jugendliche. Sein Urteil fällt positiv aus: „Ich finde das hier echt gut, was ich an technischer Ausstattung schon gesehen habe. Das überzeugt mich.“

Derweil sich Samstagvormittag viele Besucher die Klinke in die Hand geben an der Jahnstraße, schlagen diese mit dem Besuch hier mehrere Fliegen mit einer Klappe. Denn nicht nur das BSZ lässt hinter die Kulissen schauen, sondern auch verschiedene Unternehmen sind vor Ort, mit denen die Bildungseinrichtung kooperiert. Zum Beispiel die Stadtwerke Weißwasser. Ob da auch Ian Haupt aus Kodersdorf fündig wird? Der 15-Jährige schmunzelt. Er ist mit seinem Vater nach Weißwasser gekommen, es geht um die Fachoberschule.

Schulamtsleiterin Marlies Widmer-Hüchelheim im Gespräch mit Karsten Haupt und Sohn Ian.
Schulamtsleiterin Marlies Widmer-Hüchelheim im Gespräch mit Karsten Haupt und Sohn Ian. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Ehemalige BSZ-Schüler schhilderten ihren Werdegang.
Ehemalige BSZ-Schüler schhilderten ihren Werdegang. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Richard Bahlo aus Reichwalde ist 16 Jahre, besucht die 10. Klasse an der OS Mücka und ist voll des Lobes über die Ausstattung des BSZ in Weißwasser.
Richard Bahlo aus Reichwalde ist 16 Jahre, besucht die 10. Klasse an der OS Mücka und ist voll des Lobes über die Ausstattung des BSZ in Weißwasser. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Daniel Koether (l.) aus Krauschwitz und Daniel Seleznev aus Weißwasser werden Krankenpflegerhelfer.
Daniel Koether (l.) aus Krauschwitz und Daniel Seleznev aus Weißwasser werden Krankenpflegerhelfer. FOTO: Gabi Nitsche / LR