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Museum
Experten-Lob für das Görlitzer Museum

Bei der Preisverleihung für das Kulturhistorische Museum Görlitz: (v.l.n.r.) Bürgermeister Dr. Michael Wieler, Laudator Dr. Igor A. Jenzen, Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange, Museumsleiter Dr. Jasper von Richthofen. Foto: SMWK
Bei der Preisverleihung für das Kulturhistorische Museum Görlitz: (v.l.n.r.) Bürgermeister Dr. Michael Wieler, Laudator Dr. Igor A. Jenzen, Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange, Museumsleiter Dr. Jasper von Richthofen. Foto: SMWK FOTO: SMWK
Görlitz. Besondere Leistungen für die Gesellschaft werden mit diesem 5. Sächsischen Museumspreis gewürdigt.

Das Kulturhistorische Museum Görlitz ist preisgekrönt. Einer der Sächsischen Museumspreise ist an „die beispielhafte sammlungsbezogene Erschließung, Dokumentation, Forschung sowie die lebendige und aktuelle Vermittlungsarbeit der größten städtischen Kultureinrichtung“ gegangen. Die Görlitzer Einrichtung erfülle „in beispielhafter Weise die Standards moderner Museen inklusive der modernen Erweiterungen um Digitalisierung und Provenienzforschung“, urteilt die Jury.

„Wir freuen uns sehr über die Anerkennung unserer Arbeit und die entgegengebrachte Wertschätzung. Das Preisgeld von 5000 Euro wollen wir nutzen, um in Kombination mit weiteren Fördermitteln Schritt für Schritt ein Audio-Guide-System zu installieren.“, kündigt der Museumsleiter Dr. Jasper von Richthofen an.

In seiner Laudatio sagte Dr. Igor Jenzen, Direktor des Museums für Sächsische Volkskunst, Staatliche Kunstsammlungen Dresden: „Wir ehren heute ein Museum, das alles richtig macht, und das auf eine bewundernswert unaufgeregte Weise.“ Dabei umfasse der Personalplan dieses Museums gerade einmal acht Stellen: drei für Wissenschaftler, eine für Depotverwaltung, eine für Museumspädagogik, eine für das Marketing, eine für Verwaltungsaufgaben und eine für die Technik. „Das nenne ich eine schlanke und effektive Aufgabenverteilung mit einem klaren Schwerpunkt auf der Produktion und Vermittlung von Inhalten. Mit diesem - gelegentlich durch Projekt-Mitarbeiter ergänzten - Team bespielt das Museum die Sparten Archäologie, Stadtgeschichte, Wissenschafts- sowie Kunst- und Kulturgeschichte; ein Universalmuseum also.“

Nach „langen Jahrzehnten des Wirkens im Verborgenen“ habe der Entschluss der Landesregierung von 2006 in Görlitz die Landesausstellung „Via Regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ 2011 zu veranstalten, den Startschuss für eine gründliche Sanierung der Gebäude und eine grundsätzliche Aufwertung der kulturellen Infrastruktur gelegt.  Mit Geschicklichkeit und Pragmatismus ist es dem Kulturhistorischen Museum Görlitz gelungen, die Gebäude und die Ausstellungsbauten, aber auch den Schwung des Ereignisses und den Erkenntniszuwachs des Projektes nachzunutzen. „Mit den vorhandenen Ressourcen wurde im Kaisertrutz eine schlüssige, wissenschaftlich wie gestalterisch überzeugende Schau zur Geschichte der Region erarbeitet, so Jenzen.

Auch das Barockhaus in der Neißstraße habe vom Schwung der Landesausstellung profitiert und zeige weit über ein übliches Stilzimmer-Museum hinaus einen authentischen Einblick in die gehobene Wohnkultur eines wohlhabenden Handelshauses des 18. und 19. Jahrhunderts und eine Geschichte der Aneignung und Verbreitung von Wissen durch die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften.

Das Museum erfülle obendrein „musterhaft die Anforderungen nach einer konservatorisch angemessenen Bewahrung der Sammlungen“. Jenzen lobte, dass von 500 000 Objekten bereits fast zehn Prozent digital erfasst sind. 

(dh)