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Kunst
Er kann mit dem Malen nicht aufhören

Horst Jurtz bei der Arbeit am Ölbild, mit dem der Weißwasseraner Künstler die Drängelei auf einem Flohmarkt darstellt.
Horst Jurtz bei der Arbeit am Ölbild, mit dem der Weißwasseraner Künstler die Drängelei auf einem Flohmarkt darstellt. FOTO: Ingolf Tschätsch
WEISSWASSER. Der Weißwasseraner Maler Horst Jurtz ist auch mit 83 Jahren künstlerisch kreativ wie eh und je. Im Landratsamt Görlitz zeigt er eine Personalausstellung mit Arbeiten, zu denen er durch Europa-Reisen inspiriert wurde. Von Ingolf Tschätsch

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, hat Udo Jürgens gesungen. Horst Jurtz ist da das beste Beispiel, könnte man meinen. Mit 83 ist er immer noch künstlerisch kreativ wie eh und je, hat zig Ideen, die ihm durch den Kopf gehen, die er gern umsetzen möchte. Wenn er an seiner Staffelei steht und malt, lässt ihn das die gesundheitlichen Probleme vergessen, die ihn hier und da plagen. Der Weißwasseraner, der sich selbst als Autodidakt bezeichnet, hat erst kürzlich mit der Eröffnung einer bemerkenswerten Ausstellung im Landratsamt Görlitz von sich reden gemacht. Es sind Arbeiten, die im Zuge von Europareisen des Landkreises von 2000 bis 2010 gemeinsam mit Lausitzer Künstlern entstanden sind. Jurtz und Mitstreiter hatten sich dabei vom Gedanken tragen lassen, mit ihren Mitteln unsere Region in anderen Ländern bekannt zu machen.

„Wir waren gewissermaßen Botschafter von Kunst und Kultur“, sagt er, wobei ihm heute noch die Begeisterung anzusehen ist, wenn er davon spricht. „Wann hast du als normal Sterblicher schon mal die Gelegenheit, ins Europaparlament in Brüssel zu gelangen und zudem dort noch eine Kunstausstellung zu präsentieren?“, schwärmt er genauso wie von einem Treffen von Wirtschaftsleuten in Davos, „garniert“ mit einem Schuss Lausitzer Kunst.

„Ich hatte die Idee, an diese begrüßenswerten Aktivitäten unseres Landkreises in Verbindung mit uns Künstlern zu erinnern“, kommt Horst Jurtz auf seine jetzige Ausstellung „Von Davos bis Paris“ zu sprechen. 20 Arbeiten zeigt er in Görlitz. Hinzu kommen noch zehn weitere, die von anderen Lausitzer Kunstschaffenden stammen, die ebenfalls an diesen Reisen teilnahmen. „Ich habe sie kontaktiert und gefragt, ob sie Exponate zur Verfügung stellen würden“, so der Weißwasseraner. Bis zum 30. März nächsten Jahres können sich Besucher nun diese Werke und auch jene der Görlitzer Bildhauerin und Malerin Gisela Mauermann anschauen, die in einer zweiten Ausstellung im Landratsamt zu sehen sind. Ruhe- und rastlos wie Horst Jurtz trotz seines Alters ist, hat er schon die nächste künstlerische Herausforderung im Blick - eine Exposition am 16. Februar 2018 im baden-württembergischen Moosbach.

Aquarell, Ölbild und Druckgrafik sind die drei Techniken, die der gelernte Glas- und Porzellanmaler vor allem nutzt. Dabei lässt er sich nicht auf eine bestimmte Gestaltungsrichtung festlegen. Er sei immer ein Suchender, der das Experiment liebt, wie er von sich sagt. Gleichzeitig schränkt er ein: „Das Bild für die gute Stube daheim ist nicht mein Metier.“

Gemalt habe er schon immer, so lange er denken kann. „Ich kann damit nicht mehr aufhören - auch wenn der Kopf manchmal leer ist“, bekennt er freimütig. Als seine geliebte Frau Ursula vor sieben Jahren starb, habe ihn seine künstlerische Arbeit diese schwere Lebensphase ein wenig erleichtern helfen. Nach der Wende war Horst Jurtz in ein tiefes Loch gefallen, als er als Leiter des Kreiskabinetts für Kulturarbeit Weißwasser arbeitslos wurde. „Ich habe nur noch zu Hause rumgesessen“, erzählt er. „Horst, du musst wieder anfangen zu malen“, sei dann der entscheidende Anstoß von seinem Freund und Maler Gerd Hallaschk gekommen, der heute in Pechern lebt. Horst Jurtz beherzigte den Rat und es sei wieder bergauf gegangen.

Der 83-Jährige möchte mit seinen Werken dem Betrachter vielfach Denkanstöße vermitteln. Auf  das aufmerksam machen, was in der Welt passiert. Dazu eigne sich eben nicht das schöne Landschaftsbild in Öl für das Wohnzimmer. So hat der Weißwasseraner beispielsweise das Schiffsunglück von Lampedusa 2012 mit etwa 300 Toten in einer beängstigenden, expressiven, chaotischen Katastrophen-Szenerie dargestellt. Weil ihn das Kriegsdrama um die syrische Stadt Aleppo tief berühre, beschäftige er sich gegenwärtig mit Grafiken zu diesem politischen Thema, erklärt er.

Daneben kommt aber auch die Region in seinen Arbeiten nicht zu kurz. „Auf dem Flohmarkt auf dem Erlichthof in Rietschen habe ich das Gedränge der Leute an den Ständen beobachtet. Sie gucken nur, kaufen aber nichts. Eine aus dem Leben gegriffene Situation, die ich auf ironische, satirische Weise  künstlerisch umsetzen will“, sagt Horst Jurtz und geht zum Ölbild, an dem er schon eine ganze Weile malt.

Ja, gut hat er zu tun, der 83-Jährige, der noch vieles in seinem Künstlerleben schaffen möchte.