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Kultur
Die traurigen Liebeslieder sind die schönsten

Impression vom Sorbischen Herbstkonzert mit dem Chor „Budysin“ unter Leitung von Michael Janze im Schleifer SKC.
Impression vom Sorbischen Herbstkonzert mit dem Chor „Budysin“ unter Leitung von Michael Janze im Schleifer SKC. FOTO: Torsten Richter-Zippack / Richter-Zippack Torsten
Schleife. Der Chor „Budysin“ präsentiert sein Herbstkonzert in Schleife. Diese sind mancherorts eingeschlafen.

Die Liebe hat im Mittelpunkt des sorbischen Herbstkonzertes in Schleife gestanden. Der Chor „Budysin“ aus Bautzen präsentierte im Sorbischen Kulturzentrum ein buntes Repertoire an Liebesliedern. Am schönsten, so befanden sowohl Sänger als auch Zuhörer, seien ohnehin die traurigen Stücke. Denn diese gingen besonders zu Herzen und die sorbischen sowieso.

Mit 26 Sängern der insgesamt 29 Vereinsmitglieder ist „Budysin“ in Schleife präsent. Klar, dass das Ensemble auch direkt auf das Kirchspiel eingeht. „Wir haben Texte von Schriftsteller Kito Lorenz, der aus Rohne stammt, und von Jan Bulank vertont wurden, mitgebracht“, berichtet Dirigent Michael Janze. Zwei Lieder würden sogar im Schleifer Sorbisch vorgetragen. Janze hat nach Schleife eine besondere Bindung. Schließlich arbeitet der Pädagoge eng mit dem Schleifer Folkloreensemble zusammen.

Die sorbischen Herbstkonzerte wurden nach Angaben von Lydia Noack von der Stiftung für das sorbische Volk nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen. „Die Ernte war eingebracht, die Leute hatten mehr Zeit und wollten Unterhaltung“, erzählt die Rohnerin. Nicht zuletzt dienen die Herbstkonzerte bis heute als ein „Blick über den Tellerrand“ für die sorbischen Chöre. Gerade die Vielzahl an Ensembles und jährlich andere Auftrittsorte sorgten für die Attraktivität. Noack selbst habe während ihrer Schulzeit an der Sorbischen Oberschule Cottbus bei den Herbstkonzerten mitgesungen.

In diesem Jahr gebe es 14 dieser Veranstaltungen in der Oberlausitz. Etwa 50 Zuhörer ziehe jedes Konzert an. Vor etwa einem Jahrzehnt seien es noch 80 Menschen gewesen. „Doch die Bandbreite an anderen Freizeitangeboten ist stark gewachsen“, weiß Noack.

Sie verschweigt auch nicht, dass in der mittleren Lausitz mehrere sorbische Herbstkonzerte inzwischen eingeschlafen seien. Ein Beispiel sei Kringelsdorf. „Die unvergessene Elli Bigon hatte sich immer so sehr dafür engagiert“, erzählt Lydia Noack. Auch in Sabrodt fänden keine Herbstkonzerte mehr statt.

In Schleife werde diese Tradition aber auf jeden Fall weiter aufrecht gehalten. Sylvia Panoscha, Leiterin des Sorbischen Kulturzentrums (SKC), erinnert sich, wie sie selbst als Sängerin des Schulensembles bei Herbstkonzerten in der „Kristalldiele“, dem heutigen „Golden Club“, gegenüber des Schleifer Bahnhofes, aufgetreten war. „Der Saal war immer brechend voll, und im Anschluss gab es meist noch Tanz“, so Panoscha. Auch Ende Oktober 2018 werde es wieder ein sorbisches Herbstkonzert im Schleifer SKC geben, verspricht sie. Denn ohne diese Veranstaltungsreihe würde das Kirchspiel kulturell ärmer.