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Kufenspaß ohne Todesspirale

Eiskunstlauf im NOL„ Ungläubiges Staunen, wo man sich auch umhört, Eishockey ja, aber Eiskunstlauf“ Und doch gibt es diese Sportart im Landkreis. Davon können sich Interessierte jeden Freitag in Niesky überzeugen. Von Ingolf Tschätsch

Es sind nicht die Stars, die Prominenten, wie sie Kati Witt medienwirksam in einem Fernsehsender präsentiert, nein, es sind die ganz normalen Leute, Otto-Normalverbraucher, die sich da jeden Freitag um 17.30 Uhr im Nieskyer Freiluft-Kunsteisstadion treffen. Acht Frauen im Alter von 30 bis 50 Jahren, die Hausfrau aus Kunnersdorf, die Krankenschwester aus Weißwasser, die Angestellte aus dem Landratsamt Niesky, die Ärztin aus dem Klinikum Görlitz . . . Von November bis Anfang März - in der Eiszeit - frönen sie dort ihrem Hobby, dem Eislaufen. Aus Spaß an der Freude, nicht um der Leistung Willen.
Es ist die Abteilung Eiskunstlauf des TSV Kunnersdorf, die dort regelmäßig übt, seit Jahren schon. Seit 2005 hat der Gablenzer Wolfgang Lehmann nun die acht Damen unter seinen Fittichen, die zur Gruppe der Fortgeschrittenen gehören. „Der Trainer aus Dresden, der sie zuvor leitete, hörte auf. Er kannte mich, sprach mich an, ob ich nicht diese Aufgabe übernehmen möchte. So bin ich zu dieser ehrenamtlichen Trainerfunktion gekommen“ , erzählt der Sportlehrer aus der Bruno-Bürgel-Mittelschule in Weißwasser im Gespräch mit der RUNDSCHAU.
Warum gerade ihn sein Vorgänger für diese Arbeit geeignet hielt, hat folgenden Hintergrund. Wolfgang Lehmann ist mit dieser Sportart bestens vertraut. Zu DDR-Zeiten wurde er zum SC Dynamo Berlin delegiert, trainierte dort u. a. mit der bekannten Christine Errath. In Weißwasser selbst war der heute 54-Jährige in den 60er Jahren in der Sektion Eiskunstlaufen von Dynamo Weißwasser aktiv, bis diese 1969 aufgelöst wurde.
„Bei uns steht das Tänzerische im Vordergrund, sich nach Musik harmonisch auf den blanken Kufen bewegen. Verschiedene Schrittkombinationen, Standwaage, Pirouetten gehören zum Repertoire, das wir einüben. Sprünge wird man bei uns nicht sehen“ , so der Sportlehrer. „Auch nicht die Todesspirale“ , fügt er hinzu und schmunzelt. Wie er nochmals betont, gehe es nicht um Leistungssport, sondern um das pure Freizeitvergnügen. Auch Paarlaufübungen stehen auf dem Programm. Da wäre es eigentlich günstig, wenn das angeblich so starke Geschlecht mehr Mut aufbrächte und die Truppe verstärkte.
Hand auf Herz, sieht es nicht besser aus, wenn Mann und Frau zusammen über das Eis gleiten? Lehmann hat die Hoffnung, dass vielleicht doch noch einige seiner Geschlechtsgenossen freitags den Weg zum Nieskyer Eisstadion finden - und wenn es nur aus Neugierde ist. Der Appetit kommt bekanntlich beim Essen, sagt ein Sprichwort.
Überhaupt würden sich der Trainer und auch das kleine Häuflein der Unentwegten über neue Mitstreiter freuen, egal, ob sie nun weiblich oder männlich sind. Wolfgang Lehmann rechnet da insgeheim mit seinen ehemaligen Sportlern von der Sektion Eiskunstlaufen von Dynamo Weißwasser. 2003 hatten sich übrigens einige anlässlich des 80. Geburtstages ihrer früheren Trainerin Elinor Krogner zu einem öffentlichen Eiskunstlauftraining in Weißwassers Eishalle eingefunden (die RUNDSCHAU berichtete). Wolfgang Lehmann hatte damals die gelungene Veranstaltung moderiert.
Neben der Fortgeschrittengruppe trainieren freitags zeitgleich auf der geteilten Eisfläche die Anfänger - Gleiten, Übersetzen, Stoppen, Balanceübungen, Hocke, auf einem Bein laufen. Meist Kinder sind es, die dort das Einmaleins des Eislaufens erlernen, der spätere Nachwuchs für die Fortgeschrittenen.

Service Schlittschuh-Ausleihe
  Das Eiskunstlauftraining findet immer freitags von 17.30 bis 19 Uhr im Nieskyer Eisstadion statt.
Wer keine eigenen Schlittschuhe hat, kann sich welche ausleihen. Auch das Schleifen der Kufen ist im Stadion möglich. Am 30. Dezember steigt dort übrigens eine große Eislauffete des TSV Kunnersdorf, auch mit den Kunstläufern.