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Künstler beachtet das Kleine wie das große Ganze

Gerd Hallaschk in seinem Atelier in der Pecherner Mühle. Seine neue Ausstellung in Löbau ist noch bis November zu sehen.
Gerd Hallaschk in seinem Atelier in der Pecherner Mühle. Seine neue Ausstellung in Löbau ist noch bis November zu sehen. FOTO: Köhler
Pechern. Der Maler Gerd Hallaschk hat jüngst eine neue Ausstellung seiner Werke in Löbau eröffnet. Für die RUNDSCHAU Grund genug, mit ihm gemeinsam auf das bewegte Leben des Künstlers aus Pechern zurückzublicken. Christian Köhler

Die Hallaschks sind in Pechern angekommen. "Wir fühlen uns so wohl hier", sagt Brigitte Hallaschk mit einem Lächeln im Gesicht und schneidet ihrem Mann Gerd ein Stück selbst gebackenen Apfelkuchen ab. Das Obst haben sie gemeinsam hinter der alten Pecherner Mühle gepflückt, die das Ehepaar in den 1990er-Jahren kaufte und liebevoll sanierte. "Es ist einfach schön die Natur um sich zu haben und in der Nacht die Sterne sehen zu können", sagt Brigitte Hallaschk. Beide sind ein eingeschworenes Team.

Dabei hat Maler Gerd Hallaschk alle Hände voll zu tun. "Ich stelle in Löbau in den Arkaden aus", erzählt der ehemalige Kunstlehrer. Stundenlang hat er deshalb in seinem Atelier 23 Gemälde mit seiner Frau ausgesucht, diese eingepackt oder neue Rahmen in seiner Werkstatt für die Bilder gebaut. "Das geht alles nicht mehr so schnell wie früher", gibt der heute 76-Jährige zu, "aber wenn ich einmal für eine Ausstellung zusage, dann mache ich die auch so gut wie möglich." Besonders farbige Bilder, die das Innere des Menschen berühren und die Emotionen transportieren sollen, hat er dieses Mal ausgewählt. "Darum geht es mir mit meiner Kunst: Die Menschen zu berühren, den Blick auf das Kleine, Unscheinbare genauso zu lenken wie auf das große Ganze." Die Ausstellung ist inzwischen eröffnet und die Gemälde an ihrem vorgesehenen Platz.

Dabei ist es um den Künstler Hallaschk seit seinem 75. Geburtstag im vergangenen Jahr etwas ruhiger geworden. Er genießt vielmehr die Zeit mit seiner Frau in Pechern. Mit bedachten Worten blickt er auf ein bewegtes Leben, das sich von Anfang an um Kunst und insbesondere um die Kunsterziehung junger Menschen dreht. "Ich habe seit 1966 an verschiedenen Schulen in Weißwasser Kunsterziehung unterrichtet", erzählt Gerd Hallaschk. Wichtig sei es ihm dabei gewesen, Jugendlichen und Heranwachsenden an die Kunst heranzuführen, jedem seine Kreativität ausleben zu lassen. Dabei falle das Emotionale, was sich in Fächern wie Musik oder der Kunsterziehung ausdrückt, in den vergangenen Jahren mehr und mehr hinten runter. Es müsse im Gleichgewicht mit dem Rationale sein, sagt Hallaschk.

Das "System Schule" sei auch nicht immer dafür geeignet gewesen, Kindern emotionale Bildung - wie sie sich Gerd Hallaschk vorstellt - nahezubringen. "Kunst und Kunsterziehung sind für mich wie Feuer und Wasser", gesteht er. Man könne nicht mit dem Stundenklingeln sofort Lust dazu haben, ein Bild zu malen, erklärt er. Vielmehr brauche ein jeder Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen, eine Freude und Lust an der Malerei zu entwickeln. "Wenn dann die Schulstunde zu Ende war, ist doch nicht gleich auch die Lust vorbei, zu malen", fasst er zusammen.

Der 1940 in Köbeln geborene Gerd Hallaschk hat vor seinem Kunststudium in Leipzig eine Ausbildung im Lehrkombinat Meissen als Kerameinrichter absolviert, delegiert von der "Porzellina" in Weißwasser. "Es war wichtig für mich, die Welt da draußen kennenzulernen", erzählt er und ergänzt: "So gut es eben in jener Zeit ging." Das Interesse an der Malerei und den Drang, andere dafür zu begeistern, hat ihn aber nie losgelassen.

So ist auch zu erklären, dass Gerd Hallaschk Zeichenzirkel für Kinder und Jugendliche in der Station Junger Naturforscher und Techniker in Weißwasser angeboten hat, die er seit 1975 dann über Jahrzehnte fortführte. Dafür hatte sich Gerd Hallaschk auch über mehrere Jahre teilweise aus dem Schulunterricht zurückgezogen und drei Tage in der Woche in der Station gearbeitet. "An der Station liegt mir immer noch sehr viel", erzählt der Künstler. In unzähligen Projekten habe er sich eingebracht, war stets bemüht, über Ferienangebote oder die zu DDR-Zeiten ins Leben gerufene "Galerie der Freundschaft" Schüler für Malerei zu begeistern. In dem Zeichenzirkel hätten die Jugendlichen einfach die Zeit gehabt, sich mit Kunst und Malerei auseinanderzusetzen und zu beschäftigen - abseits vom Stundenklingeln wie in der Schule. Das, so der Künstler, habe ihn mehr gegeben. "Gerade wenn dann später einige aus dem Zirkel ein Kunststudium begonnen oder aber Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnen haben", sagt er.

Malerei verlangt viel Zeit

Den Kontakt zur Schule hatte Gerd Hallaschk über die Jahre aber nie ganz abreißen lassen und ist nach der Wende an das Städtische Gymnasium in Weißwasser als Kunstlehrer gegangen. Dabei war ihm die Entscheidung nicht ganz einfach gefallen. "Aber es hatte mir einfach Spaß gemacht, junge Menschen an Kunst heranzuführen", gibt er zu verstehen. Nach den Umbauarbeiten an der Schule hatte er außerdem beste Voraussetzungen, seinen Unterricht durchzuführen. Doch die eigene bildnerische Arbeit fordert immer mehr Zeit. Deshalb nutzte er die Möglichkeit, mit 62 vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen stehlen Zeit von der kreativen Arbeit. Seine Bilder verlangen Zeit und sollen vielschichtig im doppelten Sinne sein.

Mit der Spachtel trägt er mehrere Schichten Ölfarbe auf die Leinwand, lässt jede Schicht trocknen. Zeit- und Materialaufwand sind hoch in seiner Malerei. Die Sinnebene bleibt bei seinen Bildern vielschichtig. So wirken die Gemälde von Hallaschk meist erst von großer Entfernung. Aber auch von Nahem sind die Bilder in zahlreichen Details zu betrachten. Zeit für Familie ist aber genauso wichtig. Dankbar ist er beispielsweise seiner Frau, die ihn stets unterstützt.

Auch im hohen Alter setzt sich Gerd Hallaschk zudem für die Kultur in Weißwasser ein. Das hat er schon früher getan. Die große Holzplastik vor dem Glasmuseum in Weißwasser beispielsweise, die er einst anfertigte, spiegelt den Einsatz für das Museum wider. "Ich lege sehr viel Wert darauf, dass das Museum erhalten bleibt", sagt er. Seinerzeit habe er sich mit verschiedenen anderen Weißwasseranern und dem späteren Förderverein des Glasmuseums für den Aufbau eines Museums in der Glasmacherstadt eingesetzt. "Eine Stadt ohne Museum ist wie ein Mensch ohne Gedächtnis", erklärt er.

Anders sieht es dagegen mit Kunstgegenständen und Wandbildern in Weißwasser aus. "Das eingelagerte Wandbild ,Lebensfreude' macht mich schon traurig", erzählt er. Außerdem fragt er sich, was aus den Wandbildern am ehemaligen Woolworth oder in der jetzigen Bruno-Bürgel-Oberschule geworden sein mag. "Ich hoffe, dass sich die Verwaltungsmitarbeiter über ihre Verantwortung mit der hiesigen Kunst bewusst sind", fasst er seine Hoffnung zusammen.

Unterdessen beginnt es vor der alten Pecherner Mühle, Herbst zu werden. Auf dem gut sechs Hektar großen Grundstück der Hallaschks gibt es jede Menge zu tun, um sich auf den Winter vorzubereiten. "Wenn man außerhalb der Stadt wohnt, muss man sein Einkaufsverhalten schon ändern", sagt Brigitte Hallaschk. Vorräte müssen angelegt werden. Wie gesagt, die Hallaschks sind in Pechern angekommen.