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| 17:41 Uhr

Kita und Kultur
Kita sucht Künstler – 34 mal erfolgreich

Rico Hentschel zeigt Arbeiten aus seinem „Kita sucht Künstler“-Projekt.
Rico Hentschel zeigt Arbeiten aus seinem „Kita sucht Künstler“-Projekt. FOTO: Uwe Menschner
Görlitz. Das Modellprojekt des Kulturraumes Oberlausitz-Niederschlesien ist längst den Kinderschuhen entwachsen und zeigt bemerkenswerte Ergebnisse. Von Uwe Menschner

Uwe Gaul wollte seinen Geburtstag eigentlich an der Ostsee verbringen. „Doch für diesen Termin habe ich meinen Urlaub verschoben“, so der Staatssekretär im sächsischen Kunst- und Wissenschaftsministerium. Denn: Kunst und Kultur im ländlichen Raum zu fördern, sei der Staatsregierung ein besonders wichtiges Anliegen. Und so verbrachte Uwe Gaul den 1. Oktober nicht auf der Insel Föhr, sondern im Görlitzer Landratsamt. Hier nahm er an der Abschlussveranstaltung für das Projekt „Kita sucht Künstler“ des Jahrgangs 2018 teil.

„Man kann nicht zeitig genug mit der kulturellen Bildung für Kinder beginnen“, ist der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU), der auch als Vorsitzender des Kulturkonvents Oberlausitz-Niederschlesien fungiert, überzeugt. Deshalb habe sein Kulturraum, der die Landkreise Görlitz und Bautzen umfasst, auch als erster eine „Netzwerkstelle kulturelle Bildung“ etabliert, zu deren Aktivitäten „Kita sucht Künstler“ zählt. 2015 als Modellprojekt eingeführt, haben in diesem Jahr 34 Kindereinrichtungen und Künstler aus der Region auf diesem Weg zueinander gefunden. Das Kunst- und Wissenschaftsministerium unterstützt die beteiligten Künstler finanziell – kein ganz unwesentlicher Aspekt, denn: „Schließlich müssen auch wir von etwas leben“, wie Christine Cieslak, eine der Beteiligten, betont.

Die Abschlussveranstaltung, die auch der Präsentation ausgewählter Projekte diente, zeigte die Bandbreite der Zusammenarbeit zwischen Kulturschaffenden und Kindern.  

„Wir haben zwei Herzen: Eins aus Fleisch und Blut, das in der Brust sitzt, und das Gefühlsherz.“ An diesem Ausgangspunkt holte der in Cunewalde lebende Maler und Grafiker Rico Hentschel die Hortkinder der Max-Militzer-Grundschule Bautzen ab. In diesem zweiten Herzen wohnen die Gefühle – von Angst, Wut und Scham bis hin zum Erstaunen und zur Freude – und wollen nicht dauerhaft eingesperrt sein, sondern ab und zu mal hinaus. „Es ist besonders für Kinder wichtig, Gefühle zu erkennen und zu zeigen“, weiß Rico Hentschel. In seinem Projekt „Gefühlswelt in Farbe und Form“ vermittelt er ihnen das Rüstzeug, dies künstlerisch zu tun – ob mit Formen aus Salzteig, mit Papiermasken oder für die älteren Kinder mit Collagen.

Als die Kinder aus der Görlitzer Kita Sonnenschein das erste Mal in Katrin Schreiers Kunsttöpferei kamen, wollten sie natürlich gleich den Brennofen sehen. Das durften sie auch, erfuhren aber in der Folgezeit, wie viele Arbeitsschritte erforderlich sind, bis das Töpfergut tatsächlich dort hinein wandert. Die Projektidee bestand darin, Tonkacheln zu den vier Jahreszeiten anzufertigen. Dies setzte natürlich eine intensive Beschäftigung damit voraus, was denn das Besondere an Frühling, Sommer, Herbst und Winter ist. Zum Herbst gehörten auch Laubblätter, von denen Abdrücke und daraus wiederum form- und farbgetreue Abbilder hergestellt wurden.

Die heutige Jugend sitzt am liebsten auf dem Sofa, daddelt auf dem Smartphone herum oder starrt auf den Fernseher? Bestimmt nicht, wenn die Jungen und Mädchen als Kinder erfahren, welche Überraschungen und Schönheiten die Natur bereit hält. Damit beschäftigte sich das Projekt der Naturheilpraktikerin Christine Cieslak und der Schkola-Kita Lückendorf. Gemeinsam sammelten sie Naturmaterialien, verwebten diese miteinander und verarbeiteten sie mit Lehm zu Skulpturen. Besonderer Höhepunkt: Im Rahmen des Projektes bauten die Kinder im Zittauer Tierpark eine kurz zuvor von Vandalen zerstörte Lehmhütte wieder auf – „ein schönes Beispiel, wie auch Dritte  einbezogen werden können“, wie Staatssekretär Uwe Gaul anmerkte.

In eine ähnliche Richtung ging das Projekt von Olaf Bretschneider und der Kita Knirpsenland Oderwitz. Auch sie sammelten Zapfen, Blätter, Früchte, Steine und Wurzeln und bauten daraus Baumgesichter sowie einen Feuer speienden Drachen. Begleitend entstand ein anrührendes Video, bei dem die Kinder auch hinter der Kamera mitmachen durften.

Warum sind die Querxe – eine einst im Süden der Oberlausitz verbreitete Art von Naturgeistern – in alle Welt ausgewandert, und kein einziger in der Heimat geblieben? Mit dieser Frage beschäftigten sich Thomas Stern – regional bekannt als Erschaffer mehrerer Tierfiguren im Saurierpark Kleinwelka – und die Grundschule Leutersdorf. Die Kinder erdachten sich Geschichten zur Heimkehr der Querxe aus allen möglichen Ecken der Welt. Was die (so die selbst gewählte Bezeichnung) „Schreiberlinge“ zu Papier gebracht hatten, versahen die „Maler“ mit Bildern. Herausgekommen ist ein Heft unter dem Titel „Wie die Querxe in die Oberlausitz kamen“, das die Jungen und Mädchen an Freunde und Verwandte verschenken durften. Ganz nebenbei erfuhren die Kinder viel über andere Kulturen und wie es den Querxen wohl bei ihnen ergangen sein mag.