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Künftig mehr Staub und Lärm

Das ist eine aktuelle Übersicht über den Tagebau Nochten. Sie zeigt, dass der Kohleabbau fast an Weißwasser vorbeigezogen ist. Derzeit ist der Vorschnittbagger noch etwa 2100 Meter von Trebendorf entfernt. Der Kohleabbau erfolgt bis etwa 2022/2023 im Parallelbetrieb und schwenkt dann nach Südwesten.
Das ist eine aktuelle Übersicht über den Tagebau Nochten. Sie zeigt, dass der Kohleabbau fast an Weißwasser vorbeigezogen ist. Derzeit ist der Vorschnittbagger noch etwa 2100 Meter von Trebendorf entfernt. Der Kohleabbau erfolgt bis etwa 2022/2023 im Parallelbetrieb und schwenkt dann nach Südwesten. FOTO: Leag
Trebendorf. Auf Trebendorf kommen schwere Jahre zu, was die Auswirkungen des Tagebaus Nochten auf die nahen Ortsbereiche angeht. Was Lärm und Staub betrifft, steigen die Beeinträchtigungen bis etwas 2022, so die Prognosen der Leag. Gabi Nitsche

So lange die gesetzlichen Vorgaben im Tagebau Nochten eingehalten werden, gibt es keine Grundlage für eine private Entschädigung. Das ist die eindeutige Antwort von Tagebaureferent Mathias Kuhle auf die Frage dazu von Marina Kowalick am Mittwochabend in Einwohnerversammlung.

Zu dieser hatte Bürgermeisterin Kerstin Antonius (WV) in die Gaststätte "Kastanienhof" eingeladen. Für die Leag stellte, wie in jedem Jahr, Immissionsschutzbeauftragter Jens Höhna die Messergebnisse der Lärm- und Staubimmissionen im Jahr 2016 vor, die sich vom Tagebau Nochten auf Trebendorf und Mühlrose auswirken.

An den von externen Gutachtern ermittelten Werten gab es an sich nichts zu rütteln. Höhna wies nach, dass sich das Bergbauunternehmen an die gesetzlichen Vorgaben halte und die Orientierungswerte noch viel Luft nach oben böten. Der Jahresrichtwert für Staubniederschlag von 0,35 Gramm pro Quadratmeter und Tag wurde an den Messpunkten rund um den Tagebau sicher eingehalten. Auch die gemessenen Lärmimmissionen entsprachen den behördlich genehmigten Werten, hieß es. Das bestätigte Christof Voigt, Abteilungsleiter Tagebau beim Sächsischen Oberbergamt in Freiberg, welches die Aufsicht über die Tagebaue innehat. Anhand von Fotos und Grafiken erläuterte Jens Höhna, wie bei den Messungen vorgegangen werde.

Marina Kowalick fand den Vortrag sehr interessant, sagte sie, aber "unsere Bürger, besonders die am Waldweg, empfinden das ganz anders". Sie wohnt in Klein Trebendorf und leide schon jetzt unter dem permanenten Geräuschpegel aus dem Tagebau. "Es ist ein ständiges Surren und Rascheln. Aber die Messergebnisse ergeben immer: alles im grünen Bereich", kritisierte Marina Kowalick. Ihrer Meinung nach seien die Schutzpflanzungen am Waldweg katastrophal. "So kann es nicht bleiben", forderte die Trebendorferin.

Höhna hatte Verständnis. Auch dafür, dass sie - 50 Meter von der Bahnstrecke entfernt - von dem Zuglärm nachts nicht aufwache. "Den Zuglärm sind Sie gewohnt, auch wenn dieser wesentlich höher ist als die Tagebau-Geräusche. Aber die kennen sie so nicht. Sie gewöhnen sich an diese, das ist eine psychologische Sache." Marina Kowalick widersprach dem. Der Zug sei schnell vorübergefahren, das Tagebau-Geräusch dauerhaft. "Und das wird allmählich lauter", so der Leag-Mann.

Wolfgang Martin stellte die Messergebnisse nicht infrage, wohl aber die Auswertung. Einen Jahresdurchschnitt zu ermitteln und darzustellen, reiche nicht. In Mühlrose sei es nachts extrem laut, einmal durch den gut zwei Kilometer entfernten Kohleabbau und dann durch den Zugverkehr in den Tagebau. Martin berichtete von den Schwingungen und Vibrationen, die belastend seien. Ebenso die Staubbelastungen. Sie seien teilweise so extrem, dass Himmelfahrt 2016 in Mühlrose im Gasthaus außen kein Ausschank möglich war. Und solche Situationen, wo der Staub vom Tagebau aufwirbelt und kaum noch etwas zu sehen ist, seien ja schon oft in Weißwasser zu erleben gewesen. Das sind in der Bergbau-Sprache sogenannte Episoden, zu denen es aufgrund starken Windes und anhaltender Trockenheit kommen kann.

"Wir haben viel probiert, aber dagegen noch kein Mittel gefunden. Das trifft ja auf die Landwirtschaftsflächen genauso zu", so Höhna. Da würde auch die Nebelkanone nicht helfen, die vor der Rennbahn in Weißwasser aufgestellt wurde. Solche Episoden würden auch in die Messungen mit einfließen. Und wenn Martin kritisiere, dass sich bei den Jahreswerten vieles verstecken lasse, dann habe er recht. "Aber der Gesetzgeber schreibt es vor", wie die Messungen zu erfolgen sind. Die Politik müsste das Gesetz ändern, betonte Höhna.

Irgendetwas haue nicht hin mit den Messergebnissen, wenn er die mit dem Staubniederschlag auf seinen Fensterbrettern sehe, sagte auch Andreas Schneidewind aus Mühlrose. Höhna bot an, bei ihm ein extra Messgerät zu stationieren.

Wie sich denn der Tagebau weiter voranbewege, wurde gefragt. Tagebaureferent Mathias Kuhle: Aktuell bewegt sich der Tagebau im Parallelbetrieb circa 400 Meter im Jahr voran. 2022 erfolgt der Kohleabbau unmittelbar vor Trebendorfs Toren. "Die Jahre bis 2022 sind die, die schwer sind. Erst dann ebben die Immissionen ab." Dann schwenke der Betrieb nach Südwesten.

Die Gesetze und Vorschriften seien das eine. "Das Empfinden der Menschen das andere." Deswegen halte es Bürgermeisterin Kerstin Antonius für sinnvoll, eine Arbeitsgruppe Immissionsschutz zu bilden. Es sei besser, darin mitzuarbeiten, als nur zu schimpfen. In Sachen Grundwasser habe man mit einer Arbeitsgruppe Wasser sehr gute Erfahrungen gesammelt, so die Gemeindechefin. Mathias Kuhle bat darum, nicht gegeneinander, sondern miteinander Lösungen zu finden. Die Bürgermeisterin forderte das Unternehmen auf, noch einmal den nächtlichen Betrieb in der Grube zu überdenken.

Zum Thema:
Der Bergbaubetreiber gibt ein Gutachten in Auftrag für die Förderbrücke F 60. 600 Teile werden untersucht mit dem Ziel, Lärm zu mindern. Der Holzeinschlag für den Tagebau soll so spät wie möglich, also nicht vier Jahre vorher, sondern erst zwei Jahre vorher erfolgen. Schutzpflanzungen sollen gepflegt werden. Vor Trebendorf sollen bei Annäherung des Tagebaus eine 300 Meter lange Sprühgalerie und eine Nebelkanone (wie jetzt vor Weißwasser) aufgestellt werden. Fertig geschüttete Flächen werden umgehend rekultiviert. Zur Lärmminderung sind umfangreiche technische Vorkehrungen an den Vorschnittbaggern und Bandanlagen erfolgt. Akustische Kommandos und Signale werden weitgehend zwischen 21 und 6 Uhr vermieden und durch optische Signalgebung ersetzt. Aktuell erfolgen technische Schallschutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik wie lärmgeminderte Tragrollen an der F60 und Vorschnittbandanlage.