Von Regina Weiß

Königreiche sind in Deutschland schon lange abgeschafft. Dennoch gibt es mehr Majestäten denn je. Doch längst nicht jede kann über üppige blühende Landschaften „herrschen“.

200 Hektar mit aber tausenden Blüten von Rhododendren und Azaleen sind Stefanie Engler besonders ans Herz gewachsen. Im Mai 2015, beim 51. Park- und Blütenfest in Kromlau, wurde sie gekrönt. Bei der 55. Auflage legt sie Krone und Schärpe ab und wird in den Kreis der ehemaligen Kromlauer Hoheiten aufgenommen. Die freuen sich schon, wie Friederike Paulik – Vorgängerin von Steffi – die RUNDSCHAU wissen ließ.

Doch bis der Wechsel in diese muntere Frauentruppe begossen werden kann, gibt es noch allerhand vorzubereiten. Bleibt da eigentlich Zeit für den Abschiedsschmerz? „Im Moment bin ich eigentlich noch ganz entspannt“, gibt die Königin zu, wenn sie auf den 8. Juni, den Tag der Abdankung, angesprochen wird. Als Gastgeberin des traditionellen Hoheiten-Treffens gebe es noch viel zu besprechen. Außerdem sitze sie immer mal wieder an ihrer Rede, die sie halten will.

Und genau das ist der Punkt, wo sie ahnt, dass es nicht ohne Emotionen gehen wird. Schließlich habe sie mit dem Amt nicht nur viel Zeit verbracht. „Mein Herz hängt auch daran.“ Dieses abzunabeln, wird wohl das Schwerste sein ... „Ich freue mich“, sagt die 32-Jährige aber auch. Nicht nur auf das Fest, sondern auch darauf, die Krone weiterzugeben. „Es wird Zeit.“ Zeit, dass jemand Neues dieses Amt prägen kann.

Das habe sie selbst auch gemacht. „Obwohl die Fußstapfen von Friederike schon richtig groß waren.“ Doch dann habe Steffi ihre Persönlichkeit in das Amt einfließen lassen. „Ich habe es so ausgefüllt, wie ich denke und ich bin stolz darauf“, gibt sie ehrlich zu. Und das Königinnensein habe umgekehrt auch etwas mit ihr gemacht. „Es hat mich erwachsener werden lasse. Ich bin offener geworden, aber auch gelassener.“ Es sei wie so oft im Leben, ein Geben und Nehmen.

Von Gelassenheit konnte am 23. Mai 2015 keine Rede sein. „Ich war dolle aufgeregt.“ Hinter dem Festzelt habe sie gestanden und musste auf ihren ersten großen Auftritt warten. Als es soweit war, habe sie die Hand von Moderator Frank Budzuhn fast zerquetscht. Irgendwo musste sie sich zu dem Zeitpunkt halt festhalten. Von dieser starken Aufgeregtheit war dann bei ihrem ersten Fest als Gastgeberin zu Pfingsten 2016 keine Rede mehr. Im neuen Königinnenkleid und mit ihrem herzlichen Lächeln hat sie die Menschen sofort charmant für sich und ihr Amt eingenommen.

Sie ist nicht nur ein offener und sehr aufgeschlossener Mensch. „Ich bin Mädchen durch und durch:“ Deshalb musste man sie für das Amt auch nicht überreden. Ein schöner Zufall war, dass sie gleich von zwei Personen auserkoren worden war. Königin Friederike und der damalige Festkomiteechef Dirk Thorausch hatten sie beide als die richtige im Sinn.

Seitdem hat Stefanie Engler vielfältige Erfahrungen und Erlebnisse gesammelt. Denn als Botschafterin des Kromlauer Parks macht sie bei verschiedenen Events oder Treffen kräftig Werbung für die Anlage, die sie über die Jahre viel bewusster wahrgenommen hat. „Es ist ja auch mein Reich“, klingt das Lachen durch. Der Bereich um den Inselteich mit den herrlich blühenden japanischen Azaleen sei ihr als Platz derzeit am liebsten.

Wenn drei Worte ausreichen müssten, wie würde sie dann „ihren“ Park beschreiben? „Beruhigend, einzigartig, wundervoll“, entscheidet sie sich ganz intuitiv. Dass dieser immer bekannter wird, die Resonanz der Besucher steigt – Stefanie Engler hofft, dazu auch ihren Teil beigetragen zu haben. Jetzt will sie den Staffelstab weitergeben. Wobei ja Krone eher das passende Wort wäre. „Man soll schließlich aufhören, wenn es am schönsten ist.“

Ihre Nachfolgerin ist bei ihr sozusagen in die „Lehre“ gegangen. Ein bisschen wie eine Prinzessin in Ausbildung. Stefanie Engler ist von der jungen Frau angesprochen worden. wie man Blütenkönigin werden kann. Nun wird es ernst. Die Krönung der neuen Majestät wird am Samstag im Festzelt in Kromlau stattfinden. Dabei sind nicht nur geladene Gäste, sondern auch 14 Hoheiten aus nah und fern. Mit Herz und Persönlichkeit soll auch die neue Königin das Amt ausfüllen, damit „der gute Ruf weiter erhalten bleibt.“

Und Stefanie Engler? Sie geht weiter ihrem Beruf nach. Als stellvertretende Chefin der Online-Filiale der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien in Zittau habe sie eine verantwortungsvolle Aufgabe inne. Auch wenn sie dafür in den Kreissüden gezogen ist, bleibt sie dem Kreisnorden weiterhin durch ihre Eltern in Weißkeißel verbunden. Und dann hat sie ja noch „ihre so wundervollen Männer“. Die Rede ist von den Gablenzer Bartelsboys, die Tanzformation, die die bei Frauentagsfeiern die Turnhalle im Ort zum Beben bringt. „Tanzen ist meine Leidenschaft.“ Deshalb steht außer Frage: Sie bleibt als Trainerin den Bartelsboys erhalten.

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