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Kreistag bremst Radler aus
Bahn-Radweg Oberlausitz gebremst

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Görlitz/Oderwitz.. Die Abgeordneten des Kreistages Görlitz stimmen mit dem Landrat überein, die Bahntrasse zu kaufen. Doch vor dem Umbau soll die Wiederaufnahme des Zugverkehrs geprüft werden. Von Uwe Menschner

Was wird aus der Bahnlinie zwischen Oderwitz und Niedercunnersdorf? Einst als Teil eines europäischen Verkehrskorridors, der Berlin mit Wien verband, eröffnet, fristet die Trasse heute ein trauriges Dasein. Nachdem 1998 der Personenverkehr eingestellt worden war, gab es bis 2003 zumindest noch Güterverkehr. Seit April 2014 bemüht sich die Deutsche Bahn, die zu der Bahnstrecke gehörenden Grundstücke zu verkaufen. An diesem Verfahren wurden auch der Landkreis Görlitz und die sechs anliegenden Gemeinden beteiligt, denen ein Vorkaufsrecht zusteht.

„Die Deutsche Bahn braucht diese Strecke definitiv nicht mehr für den Schienenverkehr und hat deshalb ein Freistellungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt beantragt“, so Landrat Bernd Lange (CDU).

Um eine Zerstückelung dieser auf 16,4 Kilometern zusammenhängenden Infrastrukturanlage zu verhindern, möchte der Landkreis diese gern erwerben. „Das würde uns etwa 85 000 Euro kosten“, so der für Finanzen zuständige Beigeordnete Thomas Gampe. Doch das wäre erst der Anfang: Nach den Vorstellungen des Landkreises soll, Beispielen wie zwischen Königshain und Görlitz oder Cunewalde und Löbau folgend, ein Radweg errichtet werden. Das würde etwa  9,6 Millionen Euro kosten, wovon der Landkreis unter Berücksichtigung aller Fördermöglichkeiten 200 000 Euro und den Grunderwerb zu tragen hätte. Dieselbe Summe würde auf die Anliegergemeinden zukommen.

Landrat Bernd Lange, bekannterweise selbst passionierter Radfahrer, wirbt für die Vision vom „Bahn-Radweg Oberlausitz“: „Mit der Nachnutzung dieser vorhandenen Infrastruktur als Radweg erhöht sich konkret und greifbar die allgemeine Lebensqualität der Bevölkerung in der Region. Sie stellt zugleich eine verkehrssichere Anbindung an die Schulstandorte Herrnhut und Oderwitz dar.“ Die Streckenführung sei „windgeschützt und gut verschattet“ und biete daher einen hohen Fahrkomfort. 18 Bauwerke, darunter der berühmte Viadukt von Obercunnersdorf, würden für einen hohen Erlebniswert sorgen.

Die Kreisräte allerdings konnten der Begeisterung des Landrates nur in Teilen folgen. Thomas Pilz (Bündnis 90/Die Grünen) war es, der die Frage stellte, ob denn die Messen für den Eisenbahnverkehr wirklich schon endgültig gelesen seien: „Wir teilen die Intention, das zusammenhängende Infrastrukturband zu erhalten und als Landkreis zu erwerben. Über den weiteren Fortgang haben wir jedoch eine andere Meinung.“ So solle laut eigenem Antrag zunächst eine Machbarkeitsstudie zur weiteren Nutzung für den Eisenbahnverkehr erstellt werden. Dazu Pilz: „Diese Strecke könnte helfen, einen großen Teil der derzeit diskutierten Probleme hinsichtlich der Verkehrsanbindung des ländlichen Raumes zu lösen.“ Sie könne im Wechsel mit der Strecke über Ebersbach für eine durchgehende stündliche Anbindung Zittaus an Dresden sorgen. Der Abgeordnete Michael Görke (Fraktion CDU/FDP), gleichzeitig Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Kottmar, verwies auf das ungeklärte Problem der Folgekosten, für das seine Gemeinde möglicherweise nicht die erforderliche Finanzkraft habe. Das Ansinnen, die Trasse zu erwerben, unterstütze er jedoch.

So sahen es letztlich die meisten Kreisräte, die zunächst dem Antrag von Bündnis 90/Die Grünen und danach dem entsprechend geänderten Vorschlag der Verwaltung die Zustimmung erteilten. Die geltende Beschlusslage sieht nun also vor, die Bahntrasse zu erwerben und die Möglichkeiten zur Wiederaufnahme des Zugverkehrs zu prüfen, bevor der Umbau zum Radweg in Angriff genommen wird. Damit dürfte der Zeitplan des Landratsamtes, der einen Baubeginn 2020 vorsah, hinfällig sein.