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| 13:35 Uhr

Aus dem Görlitzer Kreistag
Aus der Traum von der wiederbelebten Bahnstrecke

Görlitz. Der Görlitzer Kreistag hat die Pläne für eine Wiederbelebung der Trasse zwischen Löbau und Zittau beerdigt. Stattdessen wird jetzt wieder eine andere Option favorisiert. Von Uwe Menschner

Zwischen Löbau und Zittau werden auf absehbare Zeit keine Züge rollen. Der Görlitzer Kreistag hat am vergangenen Donnerstag entsprechenden Vorstellungen eine klare Absage erteilt. Stattdessen sollen jetzt die unterbrochenen Bemühungen, die Trasse zu einem touristischen Radweg zu entwickeln, wieder aufgenommen werden.

Den Ausschlag für diese mit 43 zu 11 Stimmen (bei 11 Enthaltungen) getroffene Entscheidung gab ein Gutachten des Dresdener Ingenieurbüros für Verkehrsanlagen und -systeme (IVAS), dessen Geschäftsführer Dirk Ohm die Ergebnisse vorstellte. Darin kommen die Experten unmissverständlich zu dem Schluss: Ein Schienenpersonennahverkehr auf der so genannten „Herrnhuter Bahn“ lässt sich weder mittel- noch langfristig auch nur einigermaßen wirtschaftlich darstellen.

„Für die Reaktivierung der Strecke wären 27,6 Millionen Euro erforderlich“, so Dirk Ohm. So machten sich weitaus umfangreichere Sanierungsarbeiten erforderlich, als dies bisherige optimistische Vermutungen nahe legten. „Beispielsweise muss die Brücke über die B 96 bei Oberoderwitz angehoben werden“, so Dirk Ohm. Das Baum- und Buschwerk könne nicht nur oberflächlich entfernt werden, es bedürfe einer „Tiefensanierung“, da auch schon Schwellen und Bahnkörper beschädigt seien. Die sechs früheren Stationen müsse man komplett neu errichten, den Herrnhuter Haltepunkt verlegen, da dieser nicht mehr öffentlich zugänglich sei.

Zu diesen einmaligen Ausgaben kämen Kosten in Höhe von circa zwei Millionen Euro im Jahr für die Bestellung der Fahrleistungen und die Bereitstellung der Infrastruktur. Im Gegenzug gebe es lediglich ein Potenzial von täglich etwa 500 Fahrgästen, von denen die Hälfte von bereits bestehenden Angeboten, vor allem der Buslinie 27, abgezogen würden.

„Nahe null“ sei auch das Potenzial für den Güterverkehr. Einen „Gelegenheits- oder Museumsverkehr“ habe man nicht explizit betrachtet, so Ohm. Dieser würde geringere Kosten verursachen, die Strecke aber auch für andere Nutzungen blockieren. Die Kosten für die Herrichtung des Radweges belaufen sich dagegen auf 9,4 Millionen Euro, wovon das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) die knappe Hälfte übernehmen würde – dies geht aus einer bereits vorgestellten Machbarkeitsstudie des Görlitzer Landratsamtes hervor.

In den Reihen der Bahn-Befürworter sorgt das Gutachten für Ernüchterung und Enttäuschung. Thomas Pilz (Bündnis 90/Die Grünen) versucht seine Kollegen zu überzeugen, einer erneuten Verschiebung des Beschlusses zur Errichtung des Radweges zuzustimmen, da die Studie keine „ausreichende Grundlage für eine Entscheidung“ biete und den Kohle-Strukturwandel nicht berücksichtige. Vergeblich. Sieglinde Rüdiger (CDU) zeigt sich genervt: „Immer wieder wird etwas Neues vorgebracht, um die Entscheidung hinauszuzögern.“ Und auch Landrat Bernd (CDU) Lange warnt: „Wir haben nicht ewig Zeit. Die Deutsche Bahn verkauft uns die Trasse nur, wenn wir ein klares Konzept haben. Wenn erst einmal Teilflächen an andere Investoren verkauft sind, ist es zu spät, um dieses Infrastrukturband in Gänze zu erhalten.“ Ein Argument, dem die Mehrheit der Abgeordneten schließlich folgte.