| 18:34 Uhr

Kreisel-Gruppe konzentriert Fertigung

Ein Blick in eine der Fertigungshallen der Kreisel GmbH in Krauchwitz.
Ein Blick in eine der Fertigungshallen der Kreisel GmbH in Krauchwitz. FOTO: Kreisel GmbH
Krauschwitz. Die Firma Kreisel ist wieder in ruhigem Fahrwasser unterwegs. Künftig wird die komplette Fertigung am Hauptstandort Krauschwitz konzentriert. Gabi Nitsche

"Die letzten zwei Jahre sind schwierig gewesen", sagt Geschäftsführer Wolfram Kreisel. Aus unterschiedlichen Gründen. Kreisel nennt die globalen Rahmenbedingungen, die deutsche Energiepolitik und die Geschehnisse in der Unternehmensgruppe. In dieser wurde ein neues übergreifendes Computer-System eingeführt, die Auftragslage entwickelte sich nicht wie erhofft. Und die Integration der Bayern von Krauschwitz aus sei rückblickend schwieriger gewesen, als angenommen, schätzt Kreisel ein. Vor drei Jahren hatten die Krauschwitzer die insolvente Firma Schäffer Verfahrenstechnik in Thierhaupten bei Augsburg gekauft.

"Doch jetzt haben wir wieder allen Grund zur Freude, der Auftragseingang ist seit Februar 2017 wieder stabil", so Wolfram Kreisel. Er freue sich wie "Bolle" darüber. Gemeinsam sei es gelungen, die Einnahmen zu erhöhen und die Ausgaben zu senken. "Wir sind aus dem tiefen Tal raus." Um das zu erreichen, mussten auch Entscheidungen getroffen werden, wie diese: "Der Standort Krauschwitz soll noch gestärkt werden, indem wir die Fertigung in Bayern schließen und sie nach Krauschwitz holen. Platz dafür ist vorhanden, und wir können damit die Auslastung unserer Hallen noch verbessern." Hier, am Hauptstandort, werden auch Einkauf, Verwaltung und Qualitätskontrolle konzentriert. Produktionshalle und Grundstück in Bayern seien verkauft. "Wir hätten in Größenordnungen dort investieren müssen, und das ging einfach nicht", erklärt der Krauschwitzer. Außerdem: "Zwei gleiche Fertigungen in Deutschland sind Nonsens." 30 Mitarbeiter seien in Bayern betroffen. Zehn bleiben und kümmern sich von dort aus um den Vertrieb der Kreisel-Produkte und -Dienstleistungen in Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz. "Wir haben uns beim neuen Eigentümer des dortigen Bürogebäudes eingemietet." Die restlichen 20 Mitarbeiter haben noch bis Ende des Jahres Zeit, sich etwas Neues zu suchen. Nach Auffassung von Wolfram Kreisel sei das dort kein Problem.

Für Krauschwitz werden infolgedessen einige Mitarbeiter gesucht. Wolfram Kreisel zählt auf: Bilanzbuchhalter, Lackierer, Konstruktionsmechaniker - "früher haben wir Schlosser dazu gesagt" - Konstrukteure, technische Zeichner und Leitmonteure für Baustellen in der Region und weltweit in Russland, Südafrika, Turkmenistan und so weiter. Kreisel sieht das als Chance auch für jene, die sich mit Rückkehrgedanken tragen, und positiv für Krauschwitz-Bad Muskau, was künftige Steuereinnahmen angeht. Auch auf junge Leute, die bei Kreisel lernen, wartet die Weiterbeschäftigung. "Wir freuen uns über jeden mit sehr gutem Abschluss, wie es zum Beispiel Zerspanungsmechaniker Tobias Pusch vorfristig gelang. Wir übernahmen ihn mit Kusshand." Kreisel unterstreicht, dass das auch gut für die Feuerwehr Krauschwitz-Ost sei, der Pusch angehöre. Insgesamt bildet Kreisel derzeit sechs Azubis aus und hat auch zwei Werkstudenten, die ein duales Studium an Hochschule Zittau/Görlitz absolvieren.

"Wir sind als Unternehmen sehr sozial ausgerichtet, und haben wieder mehr Spielraum, wenn die Auftragslage stabil ist." Und das sei sie jetzt. Nun könne er auch wieder von steigenden Umsatzzahlen berichten. "Wir hoffen, das gesetzte Ziel von 17 Millionen Euro in diesem Jahr zu erreichen", rechnet Wolfram Kreisel vor.

Das Unternehmen, das sich als Spezialist für Schüttgutanlagen einen guten Namen auf dem internationalen Markt erarbeitet hat, erlebe gerade eine Renaissance in der Zementindustrie. Das hat guten Grund: "Wir haben eine technische Lösung entwickelt, die uns erlaubt, Zementpumpen gegen unsere Zellenradschleusen auszutauschen." Das sei lukrativ für die Anlagenbetreiber, denn diese würden so ihre Energiekosten spürbar senken können. Wolfram Kreisel nennt ein Beispiel. In einem Zementwerk bei Weißenfels seien in den letzten Monaten vier Pumpen ausgetauscht worden. "Sie haben mir gesagt, dass die Einsparungen bei den Energiekosten im sechsstelligen Bereich liegen."

Insgesamt haben Kreisel-Mitarbeiter ihre technische Lösung in jüngster Zeit schon um die 40 Mal montiert. "Für dieses Know-how von uns werben wir jetzt verstärkt auf sechs Messen und Fachkonferenzen wie in Düsseldorf, Nürnberg, in Polen und in der Türkei", zählt Wolfram Kreisel einige auf. "Außerdem bestellen wir jetzt unsere Auslandsvertreter ein - das sind 15 Leute aus den unterschiedlichsten Ländern - und schulen sie hier, damit sie wissen, wie das Ganze funktioniert. Wir machen sie fit dafür." Denn: "Überall, wo wir eine Anlage realisieren, macht das Schule", ist Kreisel überzeugt, und komplette Förderanlagen baut das traditionsreiche Familienunternehmen mit 105-jähriger Geschichte für sämtliches Schüttgut, ob Baustoffe oder Lebensmittel.

Dass das Kreisel-Unternehmen nun wieder in ruhigem Fahrwasser unterwegs ist, sei ein Gemeinschaftswerk. "Bei schönem Wetter ist es einfach an Bord. Aber dass wir die Kurskorrektur des Schiffes hinbekommen haben, macht mich stolz", sagt Wolfram Kreisel. Er nennt die gesamte Geschäftsleitung in Summe und als Beispiele Steffen Schröder, den kaufmännischen Leiter, und Detlef Roitsch, den Chef in der Fertigung. "Wir haben sehr engagierte Mitarbeiter, die die Ärmel hochkrempeln und sich einbringen. Wochenweise waren Mitarbeiter von hier in Bayern und lernten, wie dort gearbeitet wurde und nun Rot zu Blau kommen kann." Das sind die Farben, mit denen für die jeweiligen Produkte bisher geworden wurde. Blau steht für Kreisel, Rot für Schäffer. "Es geht darum, wie gefertigt, gebaut und konstruiert wurde. Die Maschinen sind ähnlich, aber jeder hat doch Tricks und Kniffe. Das Gewusst-wie ist es", erklärt der Krauschwitzer.

Zum Thema:
Mit 160 Mitarbeitern in Krauschwitz, Blankenburg, Hamburg und Thierhaupten ist die Kreisel-Unternehmensgruppe gut aufgestellt, so Geschäftsführer Wolfram Kreisel. Mit an Bord des familiengeführten Unternehmens sind auch seine Brüder Gerald und Rüdiger. www.kreisel.eu