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Abfischen
Krebaer Fischer präsentieren den „Super-Biokarpfen“

Impressionen vom Abfischen der Schwarzen Lache. Hier sortieren die Männer gerade die in der Fischgrube gefangenen Kiemenatmer.
Impressionen vom Abfischen der Schwarzen Lache. Hier sortieren die Männer gerade die in der Fischgrube gefangenen Kiemenatmer. FOTO: amz
Kreba. Tausende Besucher wollen Volksfest an der Schwarzen Lache miterleben

Es ist schon ein wenig paradox: Da bekommen die Fische in der Schwarzen Lache bei Kreba-Neudorf von den örtlichen Fischern keinerlei Futter. Sie müssen sich mit dem begnügen, was von Natur aus im Wasser schwimmt. Und dann zappeln wohlgeformte, pralle Kiemenatmer in den Netzen. Wie das funktioniert? „Wir züchten die Super-Biokarpfen“, erklärt Pächter Rüdiger Richter von der Teichwirtschaft Kreba. Sein Unternehmen lege großen Wert auf eine möglichst naturnahe Bewirtschaftung der Schwarzen Lache, die mit ihren 78 Hektar Wasserfläche zu den größten Teichen der Oberlausitz gehört. Oder anders formuliert: Fischerei und Naturschutz gehen in Kreba Hand in Hand. So besäßen viele weitere wasseraffine Tier- und Pflanzenarten gute Lebensmöglichkeiten. Das Prinzip, schränkt Richter ein, funktioniere aber nur bei Gewässern bei ausreichend großer Wasserfläche. Denn letztendlich müssten die Fischer auch auf einen gewissen Ertrag kommen, damit sich’s rechne.

Rüdiger Richter wirkt während des Lache-Fischens, einem der größten Volksfeste der Region, sichtbar fröhlich. „Die Ernte verläuft dieses Jahr sehr gut, ich bin zufrieden.“ Der Experte schätzt, dass seine Fischer mit zahlreichen Helfern um die 20 Tonnen Speisekarpfen aus der Lache fischen. Hinzu gesellten sich zwischen zwölf und 15 Tonnen Schleie. Im Frühjahr seien erstmals seit drei Jahren wieder zwischen 6000 und 7000 Karpfen in das Gewässer eingesetzt worden. Die mehrjährige Auszeit sei aufgrund einer Fischkrankheit notwendig gewesen. Doch längst werde das verantwortliche Koi-Herpes-Virus nicht mehr nachgewiesen, der tüchtigen Arbeit der Fischer sei Dank.

Die „Super-Biokarpfen“ kämen unmittelbar nach dem Abfischen in die Hälterung. Dort würden die Tiere gewissermaßen „gereinigt“. So verschwinde der manchmal vorhandene modrige Geruch, und der volle Fischgeschmack könne seine Wirkung entfalten. Anschließend erfolge die bundesweite Vermarktung. Beispielsweise nach Franken. Dort würden die Fische halbiert und in Öl kross gebraten. „Das haben wir in Sachsen auch mal probiert, es wird aber hier nicht angenommen“, erinnert sich Richter. Stattdessen würden die Lausitzer ihren traditionellen Karpfen blau bevorzugen. Auch Karpfenbouletten und Filet liefen gut.

Insgesamt bewirtschaften die Männer von der Teichwirtschaft Kreba knapp 60 Teiche mit einer Gesamtwasserfläche von gut 400 Hektar. Voraussichtlich Ende November sei das Abfischen für dieses Jahr abgeschlossen.

An der Lache ist während des Abfischens auch die Kreba Fisch GmbH als zweiter Vor-Ort-Betrieb mit mehreren Ständen vertreten. Neben frischen Kiemenatmern erwecken auch diverse Fischgewürze das Besucherinteresse. „Jeder hat seine Geheimrezepte. Wir liefern das entsprechende Zubehör“, erklärt Mitarbeiter Silvio Barz.

Es scheint, als gebe es in diesem Jahr beim Lache-Fischen einen neuen Gästerekord. Laut den Autokennzeichen kommen die Gäste aus ganz Sachsen sowie aus Südbrandenburg. Auch fehlen Polen und Tschechen nicht. „Die Lausitzer Fischwochen sind inzwischen eine Marke, die weit über die Grenzen der namensgebenden Landschaft hinaus bekannt geworden ist“, begründet Christina Schmidt vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Die mehrwöchige Veranstaltungs- und Genussreihe ziehe immer mehr Fans an. Dadurch werde nicht zuletzt auch der Tourismus in der Nachsaison angekurbelt. Insbesondere die Volksfeste wie eben an der Schwarzen Lache zögen die Leute magisch an. Kein Wunder, werden dort verschiedenste weitere Produkte feilgeboten, quasi ein großer Jahrmarkt. Selbst der in der Region nicht unbekannte Buchautor Bernd Raffelt („Oberlausitzer Kriminal- und Gerichtsfälle“) fehlt nicht. Womöglich wird der Schriftsteller von der Schwarzen Lache und dem Trubel drum herum zu einem weiteren Werk inspiriert. Wer weiß.

(amz)