| 13:42 Uhr

Wölfe in Sachsen
Kranker Wolf tappt in Krauschwitz in die „Fotofalle“

Krauschwitz . Ein krankes Tier streift seit Tagen über die Grundstücke. Landratsamt Görlitz und Ministerium stimmen Maßnahmen ab.

Er sieht zerzaust aus, abgemagert und ist scheinbar am Hals verletzt. Mehrere Bilder zeigen das grau-beige Tier, wie es am Tage auf dem Carolinenweg in Krauschwitz am Zaun eines Grundstückes vorbeiläuft, stehen bleibt und Richtung Haus guckt. Die Bilder haben einen Zeitvermerk. 11.42 beziehungsweise 11.44 Uhr ist zu lesen.

Die Fotos drehen über den Internetdienst Whatsapp und das soziale Netzwerk Facebook ihre Runden. Seit Tagen hält das Tier die Krauschwitzer Bevölkerung auf Trab, verunsichert sie immer mehr.

Ist es ein Wolf, ein Hund, ein Hybrid? Im Fall von Krauschwitz bestätigt das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen auf RUNDSCHAU-Nachfrage am Mittwoch, dass es sich um einen Wolf handelt. Das Landratsamt meldet: Das Tier, dass Ende Dezember 2017 im Landkreis Görlitz zwei Hunde getötet hat, ist aller Wahrscheinlichkeit nach identifiziert

Es ist ein krankes Tier. Der Wolf zeige Räudesymptome. Er wurde mehrfach in der Nähe von oder auf Grundstücken gesichtet. Das Tier wurde von einer Kamera aufgezeichnet, die das Lupus-Büro nach einer Attacke auf einen Hund installiert hatte.

Das Landratsamt Görlitz stimme sich nun mit dem sächsischen Umweltministerium ab, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. „Um die Umsetzung nicht zu gefährden, können keine weiteren Details dazu veröffentlicht werden“, so Sophia Liehn vom Büro. Parallel werde mit der Untersuchung von Genetikproben versucht, die Identität und Rudelzugehörigkeit des Wolfes abschließend zu klären.

Die Räude ist eine von einer Milbe ausgelöster Ungezieferbefall der Haut. Befallene Tiere haben einen schlechten Fellzustand. Im fortgeschrittenen Stadium können betroffene Tiere eine verzögerte Fluchtreaktion zeigen, heißt es auf der Internetseite des Kontaktbüros.

Die Lausitzer Wölfe sind davon nicht verschont geblieben. 2013 machte ein ebenso erkrankter Welpe in Reichwalde-Ziegelei Schlagzeilen. Er fraß dort Essensabfälle vor einem Restaurant und erbeutete auch ein Huhn. Das Tier verschwand, noch bevor es lebend eingefangen und tierärztlich untersucht werden konnte.

Im Fall von Krauschwitz und auch Weißkeißel begann alles mit den Angriffen auf Hunde. Diese bezahlten die Attacken mit ihrem Leben.

In der Krauschwitzer Wilhelmstraße (gleich neben dem Carolinenweg) soll nun sogar ein Kind auf dem Weg zur Schule in Angst und Schrecken versetzt worden sein. Der Wolf soll ihm hinterhergelaufen sein. Laut Informationen, die im Internet geteilt wurden, habe sich das Kind mit einem Sprung über den Zaun gerettet.

Das Wolfsbüro wollte dazu keine Aussagen machen und verwies an die Pressestelle des Landratsamtes. Eine Anfrage der RUNDSCHAU blieb bis zum Mittwochabend unbeantwortet.

(rw)