| 02:55 Uhr

Krankenstand sinkt leicht im Landkreis

Görlitz. Der Krankenstand bei den AOK-versicherten Arbeitnehmern im Kreis Görlitz ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Dominieren Muskel-Skelett-Probleme in Branchen mit schwerer körperlicher Tätigkeit, gilt das für psychische Erkrankungen in dienstleistungsorientierten Berufen. red/dh

Statistisch gesehen, hat jeder Beschäftigte im Landkreis im Jahr 2014 im Durchschnitt 19,8 Tage aufgrund ärztlich bescheinigter Arbeitsunfähigkeit im Betrieb gefehlt. Laut der aktuellen Analyse der AOK Plus ist der Krankenstand von 5,5 auf 5,4 Prozent gesunken. Jedoch liegt der Landkreis Görlitz weiter über dem sächsischen Durchschnitt von fünf Prozent. Den niedrigsten Krankenstand in Sachsen verzeichnete Dresden mit 4,6 Prozent, den höchsten der Landkreis Nordsachsen mit 5,6 Prozent.

Wie die AOK Plus weiter informiert, waren im Landkreis Görlitz Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Bronchitis (34,4 Fälle bei 100 Beschäftigen) die häufigste Ursache für Arbeitsausfall. Die Krankschreibungen aufgrund dieser Diagnose seien allerdings durch den milden Winter im Vorjahr zurückgegangen.

Ausfälle wegen psychischer Erkrankungen hätten dagegen weiter zugenommen (9,5 Fälle bei 100 Beschäftigten). Muskel- und Skeletterkrankungen wie Rückenschmerzen (28,3 Fälle bei 100Beschäftigten) hätten beinahe jeden fünften Fehltag in der Region verursacht.

Oft nur kurz krankgeschrieben

Meist seien die Arbeitsausfälle jedoch schnell überwunden, wie die Statistik zeige: Rund 81 Prozent aller Krankmeldungen belaufen sich demnach auf ein bis 14 Tage. 41,4 Prozent aller Ausfalltage gingen auf Langzeiterkrankungen von mehr als sechs Wochen zurück.

Die Art der Tätigkeit hat laut AOK Plus "erheblichen Einfluss auf das Ausmaß und die Häufigkeit der Fehlzeiten sowie auf die Art der Erkrankung". Es gebe große Unterschiede zwischen einzelnen Berufsgruppen. Hierbei unterscheide sich der Landkreis Görlitz nicht grundsätzlich von der Entwicklung in ganz Sachsen.

In Berufen mit körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten wie der industriellen Gießerei (31 Fehltage) oder Textilreinigung würden vor allem Muskel-Skelett-Erkrankungen auftreten. In dienstleistungsorientierten Berufen würden psychische Erkrankungen dominieren. Besonders wenige Fehltage hätten die Berufe in der Hochschullehre und -forschung mit rund fünf Fehltagen.

Bei den Branchen habe sich das Bild nicht wesentlich verändert: Auf dem Bau und in der Industrie, aber auch im Gesundheits- und Sozialwesen werde man weit häufiger krank (5,7 Prozent) als etwa in den Büros von Banken und Versicherungen (vier Prozent).

Mit rund 50 Prozent Marktanteil liefern die Daten der AOK Plus nach eigenen Angaben relevante Hinweise für die sächsische Wirtschaft. Im Jahr 2014 waren rund 900 000 Arbeitnehmer bei dieser Krankenkasse in Sachsen versichert.

Vorsorge im Unternehmen

Sie investierte im vergangenen Jahr drei Millionen Euro in Gesundheitsförderungsprogramme, wie sie mitteilt. Mehr als 200 000 Beschäftigte in 658 Unternehmen in Sachsen hätten davon profitieren können, darunter über 100 in Ostsachsen. Die AOK Plus begleite Betriebe, wobei die meisten Angebote mehr als drei Jahre laufen würden. Im Landkreis Görlitz würden zurzeit elf Unternehmen die Angebote für ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement nutzen.

"Statt auf Reparatur setzen wir auf Belastungsreduzierung", sagt Vorstand Dr. Stefan Knupfer. Und erläutert ein Beispiel: "Statt Rückenschmerzen durch Rückenschule, Bandscheiben-Operation oder Rehamaßnahmen in den Griff zu bekommen, ist unser Ziel, die Arbeitsumwelt gesundheitsgerecht zu gestalten, damit solche Erkrankungen gar nicht erst entstehen."