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| 17:31 Uhr

Boxberg
Kraftwerksblock wird fit gemacht

Ein Experte begutachtet hier den Induktor, der in den dahinter befindlichen Generator gehört.
Ein Experte begutachtet hier den Induktor, der in den dahinter befindlichen Generator gehört. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Boxberg. Über 800 Mitarbeiter von 65 Firmen arbeiten an der Revision des Blockes Q in Boxberg. Von Torsten Richter-Zippack

Er ist rund 11,5 Meter lang und knapp sechs Meter hoch. Jetzt ist der Generator im Block Q des Kraftwerkes Boxberg in mehrere Einzelteile zerlegt. Die Arbeiter inspizieren, reinigen und kontrollieren, ob alles so funktioniert, wie es funktionieren soll. Der Generator mit der Turbine bildet das Herzstück des im Jahr 2000 errichteten 900-Megawatt-Blocks, den Kraftwerksleiter Carsten Marschner von der Leag als „Flaggschiff“ bezeichnet. Fast zwei Monate dauert die Mitte August begonnene Revision an. Über 800 Fachleute aus 65 Servicefirmen, die zumeist aus der Region stammen, sind Tag und Nacht im Einsatz. Aller fünf Jahre ist eine solche Revision fällig. So fordert es das Gesetz. Aktuell, so erklärt Revisionsleiter Michael Tschernig, sei bereits ein Drittel der Überprüfung erledigt. „Die ersten Befunde sind da. Bislang wurde nichts Kritisches gefunden“, zieht er eine erste Bilanz.

Im Kraftwerksgenerator kommt nach Angaben von Oliver Abraham von der Firma Siemens sogar ein Prüfroboter zum Einsatz. Dadurch müsse nicht die komplette Anlage demontiert werden. „Das spart natürlich eine Menge Zeit“, sagt Abraham. Der Roboter besitzt in etwa die Größe eines A4-Blattes. An dem fahrbaren Schlitten sind mehrere Kameras installiert, die Bilder aus allen gewünschten Perspektiven aus dem Generator-Inneren liefern. Darüber hinaus können spezielle Werkzeuge alle möglichen diversen Details prüfen.

Die Revision des Kraftwerkblocks erfordert nach Angaben von Michael Tschernig eine zweijährige Vorbereitung. Wichtig sei, erläutert Carsten Marschner, dass der Stillstand an die Strombörse gemeldet wird. Dass während der Revision kein Strom produziert wird, werde so einkalkuliert. Der Block Q gelte als äußerst zuverlässig. Zu 96 bis 98 Prozent arbeite die Anlage problemlos.

Die Liste der anstehenden Arbeiten ist indes lang. Die vorgeschriebenen Prüfungen am Dampferzeuger, den Druckbehältern und elektrischen Anlagen sowie umfangreiche Reinigungs- und Inspektionsprogramme bilden die Grundlage der Revision. Neben Generator und Turbine liege ein weiterer Schwerpunkt auf dem Wechsel von 350 Quadratmetern Verdampfheizfläche im 158 Meter hohen Dampfkessel. Um die Heizflächen des Dampfkessels zu wechseln, mussten Gerüste mit einem Gesamtvolumen von 135 000 Kubikmetern aufgebaut werden. Aneinander gesteckt ergäben die Metallstangen eine Länge von rund zwei Kilometern.

Die Boxberger Bevölkerung merkt die aktuelle Generalinspektion indes auf zweifache Weise. Zum einen, weil einer der derzeit fünf aktiven Kühltürme keinen Wasserdampf an die Luft abgibt. Zum anderen, weil die hunderten Monteure für die Revisionszeit in der Gegend wohnen. „Da sind Hotels und Pensionen gut ausgebucht, und in den Geschäften wird mehr gekauft“, erläutert Carsten Marschner.

Im kommenden Jahr gehen die Kraftwerksrevisionen wie geplant weiter. Dann sind die Blöcke im Werk III an der Reihe. Das Kraftwerk Boxberg besteht aus insgesamt vier Blöcken. Diese erzeugen eine Gesamtleistung von rund 2600 Megawatt. Es handelt sich nach Jänschwalde um das zweitgrößte Kraftwerk im Lausitzer Revier. Derzeit sind an diesem Standort 570 Mitarbeiter der Leag beschäftigt.