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Kräutermischungen sind "synthetische Ü-Eier"

So sieht eine der Kräutermischungen aus, die über derzeit im Raum Weißwasser kursieren.
So sieht eine der Kräutermischungen aus, die über derzeit im Raum Weißwasser kursieren. FOTO: Köhler
Weißwasser. Mal einen Joint probieren, mit den Kumpels sich bis ins Koma trinken oder heimlich im Kinderzimmer aus dem Fenster rauchen: Jugendliche probieren Drogen. Ein Kurs der Suchtberatung in Weißwasser will genau das thematisieren. Denn neben altbekannten sind neue Drogen wie Kräutermischungen auf dem Vormarsch. Christian Köhler

22. April 2016, Weißwasser: Ein 14-Jähriger bricht an der Brüder-Grimm-Schule bewusstlos zusammen. Im Polizeibericht wird es später heißen, er hat in der Pause eine Kräutermischung probiert. "Die Droge, die sogenannten Kräutermischungen oder Badesalze, ist ein Riesenthema bei Jugendlichen", sagt Pascal Noack von der Suchtberatung der Diakonie in Weißwasser.

Die Gefahr liegt ihm zufolge darin, dass die Mischungen leicht über das Internet zu beziehen sind. Hersteller tarnen die Droge, indem sie den Kräutern cannabinoide Stoffe beimischen, die nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Die Kräuter ließen sich rauchen, aber auch schnupfen.

Die Wirkung der synthetischen Inhaltsstoffe sei aber kaum absehbar, warnt Pascal Noack. "Für mich sind das ,synthetische Ü-Eier', weil niemand wirklich weiß, was da drin ist", sagt der Suchtberater. Beim Konsum sei eine Dosierung schwierig, weil man nicht wissen kann, wie der Inhalt der Päckchen wirkt.

Im Polizeirevier Weißwasser wurden im Jahr 2016 insgesamt 13 Fälle bekannt, bei denen Ermittlungen aufgrund von sogenannten Kräutermischungen geführt wurden. Ein vermehrtes Auftreten von Kräutermischungen in Schulen oder bei Schülern sei bislang nicht gegeben. Das teilt Polizeisprecher Thomas Knaup auf Anfrage mit. Von einer signifikanten Zunahme oder gar Häufung der Fälle könne jedoch keine Rede sein.

Das sieht Pascal Noack ganz anders: "Wir kommen immer mehr mit diesen Mischungen bei Konsumenten in Kontakt", sagt er. Es sei wichtig, vor allem Jugendliche, aber auch die Eltern dafür zu sensibilisieren. Eltern, die bei ihren Kindern solche Päckchen finden, rät der Suchtberater, sich in der Beratungsstelle zu melden.

Mit dem Beratungsangebot "Fred" (Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten) der Diakonie sollen Jugendliche zwischen 13 und 21 Jahren angesprochen werden (siehe Infobox). "Es richtet sich an die, die erste Erfahrungen mit legalen und illegalen Drogen machen", erklärt Pascal Noack. In Gesprächen mit dem Suchtberater, aber vor allem untereinander sollen die Jugendlichen ihre Erfahrungen austauschen - "und den eigenen Konsum kritisch hinterfragen". Denn der Ansatz dabei ist, möglichst früh einer Sucht vorzubeugen und den Umgang mit Drogen zu erlernen. "Mit Verboten und erhobenem Zeigefinger kommt man nicht weit", weiß Pascal Noack aus Erfahrung. Er setze auf Aufklärung und Gespräche, "denn Alkohol, Zigaretten, Crystal oder eben Kräutermischungen sind einfach da". Deshalb wolle die Suchtberatung verstärkt an Schulen herantreten, um für das Thema zu sensibilisieren.

Zum Thema:
Für den Kurs "Fred" können sich Jugendliche unter Telefon 03576 200007 oder per Email unter p.noack@diakonie-hoyerswerda.de bis zum 13. Februar anmelden. Der Kurs selbst findet am 14. und 28. Februar sowie am 14. und 28. März zwischen 16 und 17.30 Uhr in der Brunnenstraße 8a in Weißwasser statt. Eine offene Sprechstunde der Suchtberatung gibt es montags von 13 bis 15 Uhr.