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| 17:38 Uhr

Ob das Problem mit Blaualgen angegangen wird, ist unklar
Geht an der Talsperre Quitzdorf eigentlich noch mehr?

 Im Kampf gegen die Blaualge ist schon vieles versucht worden, auch der Einsatz eines Movab-Schiffes brachte nicht den erhofften Erfolg.
Im Kampf gegen die Blaualge ist schon vieles versucht worden, auch der Einsatz eines Movab-Schiffes brachte nicht den erhofften Erfolg. FOTO: Uwe Menschner
Kollm. Der Bautzener LTV-Chef hatte sich am Mittwochabend in Kollm auf heftigen Gegenwind für die geplante Absenkung des Wasserstandes eingestellt. Doch es kam völlig anders. Von Uwe Menschner

Sebastian Fritze hatte mit vielem gerechnet, als er seinen Vortrag auf der Informationsveranstaltung in Kollm beendete, doch damit nicht. „Normalerweise stoßen solche Maßnahmen auf massiven Widerstand“, erklärt der Bautzener Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung später. Mit „solche Maßnahmen“ meint er die geplante Absenkung des Wasserstandes in der Talsperre Quitzdorf. Diese ist erforderlich, um das schadhafte Ablaufbauwerk zu sanieren.

Es widersteht seit der Errichtung des künstlichen Gewässers vor etwa 50 Jahren Wind und Wellen und hat darunter sichtbar gelitten: „Die Beschichtung aus glasfaserverstärktem Kunststoff ist stark beschädigt und hat sich teilweise abgelöst. Dadurch können sich Teile vor den Ablauf legen und das Abfließen des Wassers in den Schwarzen Schöps behindern“, fasst Sebastian Fritze den bei einer Erkundung im vergangenen Jahr vorgefundenen Zustand zusammen. Auch am Beton und den Bewehrungen des Bauwerks gibt es Schäden, ebenso wie an den Führungsschienen der Rechen, die Fremdkörper abfangen sollen.

Die erforderliche Reparatur ist keine große Sache und dauert zwei, drei Monate. Jedoch: Um an die Schadstellen heranzukommen, muss das Wasser aus der Talsperre Quitzdorf fast vollständig abgelassen werden. Am 24. Juni, so sehen es die bisherigen Planungen vor, soll damit begonnen werden. Das Datum ist deshalb so genau definiert, weil einen Tag zuvor eine große Wassersportveranstaltung stattfindet, die noch ungehindert über die Bühne gehen soll. Im August/September erreicht das Gewässer planmäßig seinen Zielwasserstand, der etwa einen Meter über der Sohle liegt. Bis zum November soll dann die Reparatur erfolgt sein, bevor der Wiedereinstau beginnt.

So weit wie gesagt die bisherigen Planungen, für die der LTV-Betriebsleiter mit „Dresche“ gerechnet hatte. Dies deswegen, weil eine so massive Entleerung eines Staugewässers für alle Nutzer mit massiven Einschränkungen verbunden ist. Die Angler, die Wassersportler, die Erholungsuchenden an den Stränden und in den zahlreichen Bungalowsiedlungen rings um den See: sie alle brauchen zur Ausübung ihrer liebsten Freizeitbeschäftigungen möglichst viel Wasser. Davon aber gibt es, mit Ausnahme einiger Restpfützen, nach der Absenkung kaum noch etwas.

Dresche gab es für Sebastian Fritze auf der Informationsveranstaltung in Kollm dennoch nicht. Stattdessen erhielt er zahlreiche aufmunternde Klapse auf die Schulter. Frei nach dem Motto: „Wenn Ihr schon mit der Sanierung beginnt, warum macht Ihr sie dann nicht gleich richtig?“ Was sich die Anrainer nämlich wünschen: Die Gelegenheit soll genutzt werden, um die Talsperre Quitzdorf von ihrem leidigen Blaualgenproblem zu befreien. „Wann, wenn nicht jetzt?“, fragt ein Vertreter der Bungaloweigentümer am Säuberg und erntet dafür Beifall aus dem zahlreich erschienen Publikum.

Sebastian Fritze reagierte zunächst zurückhaltend auf den Vorschlag, „mehr“ zu machen als bisher vorgesehen. „Eine Sedimentberäumung dauert zwei, vielleicht auch drei Jahre und kostet eine zweistellige Millionensumme. So lange können Sie den See nicht nutzen, und der Erfolg ist ungewiss. Ich möchte nicht vor Ihnen stehen, wenn die Alge trotz Beräumung nach drei Jahren zurückkehrt.“  Und genau dies hält der Betriebsleiter für wahrscheinlich: „Solange sich am Nährstoffeintrag aus dem Einzugsgebiet nichts ändert, bekommen wir das Blaualgenproblem nicht nachhaltig in den Griff.“ Doch als sich die Nutzervertreter nicht beirren ließen und auf ihrer Forderung beharrten, lenkte Fritze ein: „Ich spüre hier wider Erwarten große Zustimmung für unser Vorhaben, den Wasserstand abzusenken. Ich werde diesen Rückenwind mitnehmen und prüfen, ob es politische Unterstützung für eine größere Maßnahme an der Talsperre Quitzdorf gibt.“ Politisch deshalb, weil die immensen Geldsummen für eine Grundsanierung ja erst einmal bereitgestellt werden müssen. In diesem Fall, so der LTV-Mann, könne man auch noch ein oder zwei Jahre mit der Maßnahme warten, unmittelbare Gefahr sei nicht im Verzug. Der Abend in Kollm hat also eine Entwicklung angestoßen, die man durchaus als spannend bezeichnen kann...

 Im Kampf gegen die Blaualge ist schon vieles versucht worden, auch der Einsatz eines Movab-Schiffes brachte nicht den erhofften Erfolg.
Im Kampf gegen die Blaualge ist schon vieles versucht worden, auch der Einsatz eines Movab-Schiffes brachte nicht den erhofften Erfolg. FOTO: Uwe Menschner