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| 15:34 Uhr

Naturschutz und Tourismus
Königsbrücker Heide bleibt exklusiv

Der vor zehn Jahren eröffnete Haselbergturm im Osten der Königsbrücker Heide bietet einen Panoramablick über Sachsens größtes Naturschutzgebiet.
Der vor zehn Jahren eröffnete Haselbergturm im Osten der Königsbrücker Heide bietet einen Panoramablick über Sachsens größtes Naturschutzgebiet. FOTO: Richter-Zippack
Königsbrück. Massentourismus in Sachsens größtem Naturschutzgebiet ist ein Fremdwort. Von Torsten Richter-Zippack

Über 40 000 Urlauber besuchen alljährlich den Senftenberger See. Die nur rund 25 Kilometer südlich befindliche Königsbrücker Heide haben sich anno 2017 lediglich gut 3600 Menschen per Bustour angesehen. Im Besucherzentrum von Sachsens größtem Naturschutzgebiet (NSG) in der namensgebenden Stadt wurden rund 5000 Gäste begrüßt.

Bei diesen Zahlen soll es im Großen und Ganzen auch in den kommenden Jahren bleiben. Das sagt NSG-Sprecherin Cornelia Schlegel. „Es wird kaum eine Erhöhung der Angebote geben“, stellt die Naturschützerin klar. Stattdessen setzen die Vor-Ort-Protagonisten auf Exklusivangebote mit begrenzten Stück- und Teilnehmerzahlen.Hauptziel in der Königsbrücker Heide sei schließlich nicht die Förderung des Tourismus, sondern der dauerhafte Erhalt der Wildnis auf dem früheren Truppenübungsplatz.

Seit dem Frühjahr 2016 ist die Königsbrücker Heide das erste anerkannte Wildnisgebiet der Nationalen Naturlandschaften in Deutschland. Damit falle das Areal in die gleiche Kategorie wie deutsche Nationalparks und Biosphärenreservate. Voraussichtlich bis Ende 2018 werde der Antrag gestellt, das erste anerkannte Wildnisgebiet Deutschlands in einer noch höheren Kategorie zu werden. Das wiederum bedeutet, dass mehr als Dreiviertel der Gesamtfläche frei von menschlicher Einflussnahme bleiben solle.

Dennoch bietet die NSG-Verwaltung auch in der Saison 2018 mehrere Höhepunkte. Hauptattraktion bildet die Eröffnung eines neuen Besucherpfades. Der Walschkenweg erschließt die nordöstliche Königsbrücker Heide. Die Freigabe soll anlässlich des 13. Heidefestes, das am 26. August in Cosel bei Schwepnitz stattfindet, erfolgen. Die bei den Gästen beliebten Busführungen durch das Naturschutzgebiet starten bereits Mitte April. Darüber hinaus, so kündigt Cornelia Schlegel an, seien ganzjährig Wanderungen auf Anfrage im Angebot.

„Mittlerweile können wir Gäste aus allen Bundesländern begrüßen, einige kommen aus dem Ausland“, sagt Cornelia Schlegel. Die Naturschützer legen aber ihr Hauptaugenmerk auf das unmittelbare Umfeld, das bis zur Landeshauptstadt Dresden reiche. Darauf ziele auch das Marketingkonzept ab, an dem seit dem Jahr 2016 gestrickt werde. Inzwischen habe sich ein Kreis von Stammgästen etabliert, der die Veränderungen in der Heide mitverfolge.

Indes schreitet die Kampfmittelberäumung in Verbindung mit Naturschutzprojekten voran. Jahr für Jahr fließe dafür eine sechsstellige Summe in die Königsbrücker Heide sowie in die Gohrischheide zwischen Bad Liebenwerda und Riesa.

Im vergangenen Jahr wurden bei Königsbrück militärische Stauwerke entfernt. Damit sei eine Durchgängigkeit der Fließgewässer erreicht worden. Diese schreibe die europäische Gewässer-Richtlinie vor.

Nicht zuletzt stehe in beiden Schutzgebieten eine regelmäßige Pflege der Heideflächen an, um eine Wiederbewaldung zu verhindern. Denn anderenfalls gingen diese Offenländer für viele geschützte Tier- und Pflanzenarten verloren.

Weit über dreieinhalbtausend Gäste haben die Königsbrücker Heide im vergangenen Jahr erkundet.
Weit über dreieinhalbtausend Gäste haben die Königsbrücker Heide im vergangenen Jahr erkundet. FOTO: Richter-Zippack