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| 01:29 Uhr

Klittener Bahninitiative gibt volle Kraft voraus

Engagiert: Initiativen-Chef Lutz Grohmann und die Arbeitsgruppenleiter Marina Dorn und Dr. Andreas Cramer. Foto: Martina Albert
Engagiert: Initiativen-Chef Lutz Grohmann und die Arbeitsgruppenleiter Marina Dorn und Dr. Andreas Cramer. Foto: Martina Albert FOTO: Martina Albert
Klitten. Die Klittener Bürgerinitiative „ZU(g)KUNFT“ zum Ausbau der Niederschlesischen Magistrale zwischen Knappenrode und Horka nimmt weiter an Fahrt auf. Während eines Treffens am Dienstag stellten die Arbeitsgruppen (AG) „Lebensqualität“ und „Naturschutz“ Arbeitsergebnisse vor und machten weitreichende Forderungen auf. Die Positionspapiere sollen sowohl der Bahn, als auch der Landesdirektion Dresden übergeben werden. Von Martina Albert

„Man merkt es schon, hier unterhalten sich Fachleute“, stellte Initiativen-Chef Lutz Grohmann gegen Ende des Treffens im Klittener Bierstüb'l, zu dem auch Vertreter der Bürgerinitiativen aus Petershain und Mücka gekommen waren, erfreut fest. Grohmann betonte aber auch, froh über die Unterstützung des Landratsamtes zu sein. „Denn die Planungsunterlagen für den uns betreffenden Streckenabschnitt werden 18 Ordner umfassen – die in sechs Wochen durchzuarbeiten und zu verstehen, das schaffen wir nicht“, so Grohmann. Diese Rolle werde das Landratsamt übernehmen, das sei während des ersten Gespräches im Landratsamt vereinbart worden. „Wir werden das aber selbstverständlich begleiten.“

Klar sei mittlerweile, dass die Planungsunterlagen nicht wie geplant schon Ende des Jahres, sondern erst im März 2010 ausgelegt werden sollen. Eine der Ursachen: die Bahn muss eine neue Verordnung des Eisenbahnbundesamtes miteinarbeiten (die RUNDSCHAU berichtete).

Zudem werte die Bahn den zweigleisigen Ausbau der Strecke nicht mehr als Sanierung, sondern als Neubau. „Für uns heißt das, es wird in Größenordnungen Lärmschutz geben“, so Grohmann. Im Dezember soll ein zweites Treffen der Initiativen mit dem Landratsamt stattfinden.

Luhmann kritisiert Kreis

Klittens Ortsvorsteher Luhmann lobte das Engagement der Bahninitiative und kritisierte vom Landkreis geforderte Zuarbeiten. „Das ist eine Zumutung. Im Kreis sitzen Leute, die dafür bezahlt werden – und außerdem ist seit Jahren bekannt, dass die Magistrale gebaut wird.“

Die Bürgerinitiative will dem Landratsamt beim nächsten Treffen die Arbeitsergebnisse der Arbeitsgruppen übergeben. Zum Inhalt:

AG Lebensqualität:„Vom Streckenausbau sind zwei durch Grundrechte geschützte Rechtsgüter betroffen: Gesundheit und Eigentum“, erklärte Marina Dorn, die die Arbeitsgruppe leitet.

So sinke beispielsweise der Wert eines Grundstücks, das 500 Meter von der Bahnstrecke entfernt steht, um 29 Prozent. „Bei einem Schätzwert von 200 000 Euros ist das ein Schaden von 58 000 Euro“, so Dorn. Hinzu kämen mögliche Folgeschäden wie Risse oder ähnliches. Eine Konsequenz: die Bürgerinitiative fordert die Anfertigung von Einzelgutachten durch die Bahn, um für eventuelle Schäden später Schadensersatzansprüche geltend machen zu können.

Mit Blick auf die Gesundheit verwies Marina Dorn auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO, die belege, das Lärm krank macht.

Aus diesem Grund komme dem aktiven (Schallschutzwände und ähnliches) und passiven (Schallschutzfenster u.ä.) Lärm- und Schallschutz eine enorme Bedeutung zu. Zu Hilfe komme den Anwohnern das Bundesimmisionsschutzgesetz (BImSchG). Ihm nach hätten Anwohner von Bahnstrecken, die wesentlich geändert werden, Anspruch auf Lärmvorsorge. „Das müssen wir gemeinsam mit den Gemeindeverwaltungen einfordern“, betonte Dorn. Außerdem sei in dem Gesetz, das im August geändert wurde, erstmals definiert, was eine „Haupteisenbahnstrecke“ ist. „Da fallen wir locker drunter“, so Marina Dorn.

Gefordert wird von der Arbeitsgruppe neben Lärmschutzwänden und Schallschutzfenstern unter anderem eine Einschränkung des Bahnverkehrs in der Nacht, sowie an Sonn- und Feiertagen. Zudem müsse auf den Einsatz von alten und quietschenden Loks verzichtet werden.

AG Naturschutz:Kern des Positionspapiers ist die Aussage, dass der Trassenausbau erheblich gegen Ziele des Natur- und Artenschutzes verstößt. Beeinflusst sei ein Gebiet, das aus verschiedenen Naturschutzflächen wie dem FFH-Gebiet „Schlossteich Klitten“, dem Biosphärenreservat, dem Volgelrast- und Brutgebiet „Große Wulschine“ sowie dem naturnahen Teich „Syterteich“, die gemeinsam einen Biotopverbund bilden, besteht. „Bislang gilt dieses Gebiet wegen der geringen Frequenz des Bahnverkehrs als unzerschnitten“, erklärte Arbeitsgruppenchef Dr. Andreas Cramer. Mit dem Ausbau werde sich das ändern, was zu einer Gefährdung zahlreicher Arten führen werde, darunter Seeadler, Wolf, Rotwild und Schwarzstörche.

Um genauere Angaben machen zu können, ist die AG vier Kilometer Bahnstrecke abgegangen, um das Gebiet noch besser mit Blick auf Schutzziele beurteilen zu können. Die Ergebnisse sollen der Landesdirektion zugeleitet werden. „Unser Papier ist mit dem Leiter des Biosphärenreservates abgestimmt und wird in vollem Umfang unterstützt“, betont Andreas Cramer.

Gefordert wird unter anderem eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Stundenkilometer und ein Nachtfahrverbot. Allein für den untersuchten vier Kilometer langen Bereich werden zwei Wildbrücken angemahnt. Außerdem fordert die Initiative einen erneuten Scoping-Termin unter Beteiligung der Bürgerinitiative. Beim Scoping-Termin werden den zu beteiligenden Behörden und Naturschutzverbänden die geplanten Maßnahmen vorgestellt. Diese haben dann die Möglichkeit, sich mit Hinweisen und Forderungen einzubringen.

Das nächste Treffen findet am 17. Dezember statt.