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| 17:48 Uhr

Natur und Umwelt
Kleinod mitten im künftigen Wohngebiet

Marco Beyer (Leag), Stefan Przymosinski (Stadtwerke), Ingolf Arnold (Leag), OB Torsen Pötzsch und Torsten Bahl (Leag) beim Banddurchschneiden ( v.l.).
Marco Beyer (Leag), Stefan Przymosinski (Stadtwerke), Ingolf Arnold (Leag), OB Torsen Pötzsch und Torsten Bahl (Leag) beim Banddurchschneiden ( v.l.). FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Leag übergibt revitalisierten Alten Ziegeleiteich an die Stadt Weißwasser. Von Gabi Nitsche

Von alt kann ja nun überhaupt keine Rede mehr sein. Jetzt, nachdem der Alte Ziegeleiteich mitten in Weißwasser rundum saniert, renaturiert und mit 15 Millionen Litern Wasser befüllt wurde, hat er sich einen schöneren, klangvollen Namen verdient. Das wird im Rathaus genauso gesehen, und deshalb und soll zu einer Namenssuche aufgerufen werden. Das hat Oberbürgermeister TorstenPötzsch (Klartext) am Samstag angekündigt, als er vom Chef-Geologen der Leag, Ingolf Arnold, die „Schlüssel“ für das innerstädtische Gewässer in Form einer Wasserpflanze erhielt. In dem Topf fand der OB einen kleinen grünen Stein. Arnold hatte diesen bewusst dort platziert. Er verglich das Ergebnis mit einem Smaragd ähnlichen kleinen Diamanten.

Warum musste das Gewässer überhaupt in Angriff genommen werden?

Ingolf Arnold: Seit 2002 sank in allen Bergbaurestlöchern in Weißwasser der Wasserspiegel. Es spielte keine Rolle, ob dort einst Ton, Kohle oder Sand gefördert wurden. Der Wasserspiegel sank und sank. Da fast zur gleichen Zeit die Entwässerungsbrunnen des Tagebaus Nochten vor Weißwassers Toren ihre Arbeit aufnahmen, lag die Vermutung auf der Hand, dass das alles mit dem Bergbau zu tun hat. Ein Zweifel blieb, denn normalerweise bilden die von der Eiszeit steil gestellten Kohleschuppen des Muskauer Faltenbogens eine Barriere gegen die Ausbreitung von Grundwasserabsenkungen. Die Bergleute entschieden sich 2007 für ein umfassendes Monitoring, sie wollten es einfach wissen, was Sache ist. Während sich die anderen Gewässer in Weißwasser wieder erholten im Einklang mit der Witterung, sank das Wasser am Alten Ziegeleiteich weiter. „Es war nun klar, dass dieser tatsächlich unter Bergbaueinfluss litt. Wir haben das auch nie bestritten“, so Arnold. Eine Vereinbarung wurde getroffen, den Teich wiederherzustellen.

Das war leichter gesagt als getan. „Bei den ersten Bohrungen fand sich so einiges, was mancher Industriezweig und Bürger hier verloren hatten in dieser früheren Tongrube“, so Arnold. Massen an Müll, Schutt, Schlamm und Bewuchs wurden ordnungsgemäß entsorgt, die Inhalte der Reststoffe analysiert. Erst dann, so der Geologe, wurde die tiefe Grube mit 16 000 Kubikmetern Recyclingmaterial aufgefüllt. „Wir wollten keinen See mit zehn bis zwölf Metern Tiefe.“

Arnold nennt weitere Zahlen, wie 9000 Kubikmeter verdichtbarer Füllboden. Auf 9000 Qaudratmetern – also in der Größe eines Fußballfeldes – bauten die Experten geosynthetische Tondichtungsbahnen ein. Darauf „packten“ sie 8000 Quadratmeter Sand, schütteten eine Insel auf und schufen Flachwasserzonen. „Insgesamt wurden seit Mai 2016 etwa 35 000 Quadratmeter Massen bewegt“, berichtete Ingolf Arnold. Doch der Teufel steckt oft im Detail. Woher das Wasser zum Befüllen nehmen? Diese Frage beschäftigte die Fachleute einige Zeit. Sie entschieden sich für Trinkwasser. „Das Rohwasser stammt größtenteils aus den Tagebau-Brunnen, wird im Wasserwerk Schwarze Pumpe aufbereitet und kommt nach Weißwasser zurück. So schließt sich der Kreis“, sagte Arnold.

Doch ganz so schnell, wie gedacht, dann doch nicht. Wieder verschwand Wasser und Sande setzten sich Richtung Seegrund in Bewegung. Was nun? Nach neun Monaten tüfteln folgte der nächste Anlauf. Das war am 25. April 2018.

Samstag hatten nun alle Beteiligten Grund zum Strahlen. „Alles hält, und die natürliche Verdunstung wird über den Regen ausgeglichen“, ist sich der Geologe sicher.  Und zur Feier des Tages glitzerte Samstag die 6200 Quadratmeter große Wasserfläche vor sich hin. Bis zu drei Metern ist dieser Teich  in der Mitte tief. Anbaden wollte aber keiner.

Ja, er glitzere wie ein kleiner Diamant, der noch nicht geschliffen sei, nahm Stadtwerke-Geschäftsführer Stefan Przymosinski das Bild auf. Jetzt gehe es darum, das Gebiet zu beleben. Die Stadtwerke, die auch das Trinkwasser lieferten für die Erstbefüllung, sind bereit, wenn es um die unterirdische Infrastruktur geht. Denn der Teich liegt im Herzen eines künftigen Bebauungsgebietes mit Eigenheimen, Mietwohnungen und Kleingewerbe. Das sieht der genehmigte Bebauungsplan so vor. „Etwa 20 Interessierte gibt es schon für die unterschiedlichen Bereiche“, ergänzte der OB. Die Stadt baue jetzt noch eine Erschließungsstraße von der Forster Straße bis zur Jahnstraße. Wobei es auch schon eine Zufahrt von der Jahnstraße gibt. Karsten Kliebisch vom Bauamt weist Gerüchte zurück: „Die Kleingärtner hier werden nicht vertrieben. Aber wenn einer den Pachtvertrag löst, verpachten wir nicht neu.“ Und was wird mit der Industriebrache auf der anderen Seite? „Wir haben gemeinsam mit dem Landkreis eine Idee, sind demnächst deswegen im Finanzministerium in Dresden. Denn so passt es nicht ins Gesamtbild eines Diamanten“, sagt OB Pötzsch.

Der Chef-Geologe der Leag, Ingolf Arnold überreicht eine Wasserpflanze fürs Ufer an Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext/l.).
Der Chef-Geologe der Leag, Ingolf Arnold überreicht eine Wasserpflanze fürs Ufer an Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext/l.). FOTO: Gabi Nitsche
Der Alte Ziegeleiteich mitten  in Weißwasser ist renaturiert worden und soll künftig ein Hingucker in dem neuen Wohngebiet sein.  Fotos: ni
Der Alte Ziegeleiteich mitten in Weißwasser ist renaturiert worden und soll künftig ein Hingucker in dem neuen Wohngebiet sein. Fotos: ni FOTO: Gabi Nitsche