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Kleines Dorf feiert ganz groß

Stelzenmann Rotscher Mehley begeistert.
Stelzenmann Rotscher Mehley begeistert. FOTO: amz1
Werda. Was haben die beiden Wilhelm-Busch-Figuren Max und Moritz mit dem Dörfchen Werda bei Rietschen zu tun? Auf den ersten Blick relativ wenig. Auf den Zweiten dagegen eine ganze Menge. amz1

Denn die Werdaer Kinder haben jetzt mehrere Streiche der beiden Lausbuben vor großem Publikum präsentiert. Anlass ist das 29. Kinder- und Straßenfest.

Maria Schulze hat mit ihren Schützlingen die Geschichten von Max und Moritz über ein knappes Vierteljahr einstudiert. Jüngste Schauspielerin ist Töchterchen Paulina mit gerademal zwei Jahren. Das Mädchen schlüpft in das niedliche Kostüm eines von mehreren Käfern, mit denen, laut Wilhelm Busch, die beiden Bengel "Onkel Fritz" den Schlaf rauben wollen. Das Publikum im Festzelt quittiert den Auftritt mit lang anhaltendem Applaus. Maria Schulze ist nach dem Auftritt wunschlos glücklich. "Das habt ihr wirklich super gemacht", lobt sie ihre Nachwuchsschauspieler.

Auf mindestens ebenso großes Hallo stößt der abendliche Auftritt der erwachsenen Werdaer Laienschauspieler. In diesem Jahr wird die Schule auf die Schippe genommen. Mal aus der Sicht von Schülern, mal von Lehrern gibt es humorvolle Kostproben aus dem Alltag auf der "Penne". Mehrere Wochen sei dafür geprobt worden.

Darüber hinaus freuen sich die vielen Besucher auf "Hausgemachtes aus Werda", wie der nächste Programmpunkt so schön heißt. Damit sind allerdings keine Grützwürste gemeint, sondern ein liebevoll gestaltetes Kulturprogramm, fast durchweg von Werdaer Einwohnern bestritten. Musiker, Unterhaltungskünstler, Kabarettisten und Schauspieler raufen sich zusammen und gestalten einen wunderbar unterhaltsamen Abend. Während des Kinder- und Sommerfestes fehlt auch Rotscher Mehley nicht. Der Weißwasseraner ist der "Onkel auf Stelzen", wie es ein Steppke formuliert. Der "Stelzenmann" schaut aus einer Höhe von rund 2,80 Metern auf die Besucher herab und faltet nebenbei noch lustige Luftballonfiguren. Es gibt kaum ein Kind, das sich nicht mit "Rotscher" fotografieren lassen will.

Nicht zuletzt fasziniert insbesondere die auswärtigen Besucher, wie intensiv sich das Dorf für sein großes Fest geschmückt hat. Viele Grundstücke sind mit Wimpeln, Luftballons und Ähnlichem verziert. "Das machen unsere Einwohner alles in Eigeninitiative", sagt Gerhard Backemeier, Vorsitzender des Werdaer Dorfklubs. 39 Mitglieder zähle dieser. Und was die Frauen und Männer im insgesamt nur 180 Seelen zählenden Rietschener Ortsteil auf die Beine stellen, verdient durchaus Respekt. Im Jahresverlauf wird zu diversen weiteren Veranstaltungen eingeladen. Seit dem Jahr 2015 gibt es sogar einen kleinen Weihnachtsmarkt rund um das moderne Vereinshaus in der Ortsmitte. "Glücklicherweise sind in den zurückliegenden Jahren mehrere Familien mit Kindern wieder nach Werda gezogen", sagt Gerhard Backemeier. Über Nachwuchsmangel könne sich der Ort also nicht beklagen.

Das Kinder- und Straßenfest, das es bereits zu DDR-Zeiten gab, ist nun der Jahreshöhepunkt. Selbst aus den Niederlanden reisen die Gäste an. Konkret handelt es sich um Familie Haan aus der Provinz Limburg westlich von Aachen. Allerdings ist Annett Haan, geborene Höhne, in Werda aufgewachsen. Die Ex-Lausitzerin zog der Liebe wegen ins westliche Nachbarland, ihr Mann ist dort bei der NATO tätig. "Wenn es sich einrichten lässt, nehmen wir unseren Urlaub immer dann, wenn in Werda Kinder- und Straßenfest gefeiert wird", sagt die junge Frau. Eine Fahrstrecke messe knapp 800 Kilometer. Annett Haan kann sich mittel- bis langfristig eine Rückkehr in die ursprüngliche Heimat vorstellen.

Im nächsten Jahr steht die 30. Auflage des Werdaer Kinder- und Straßenfestes auf dem Programm. Mal sehen, was sich die Protagonisten vom Dorfklub einfallen lassen, um das Jubiläum würdig zu begehen. Der Festtermin hänge übrigens vom Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal ab. "Wir haben in Werda mehrere Motorsport-Enthusiasten. Die wollen sowohl auf dem Ring als auch beim Kinder- und Straßenfest dabei sein. Darauf nehmen wir selbstverständlich Rücksicht", sagt Gerhard Backemeier.