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| 14:40 Uhr

Historische Landtechnik
Was Bienen und Trecker gemeinsam haben

 Gerhard Max Karl Lalowski präsentiert historische Mähwerkzeuge. Sein Fahrrad hat bereits rund 85 Jahre auf dem Buckel.
Gerhard Max Karl Lalowski präsentiert historische Mähwerkzeuge. Sein Fahrrad hat bereits rund 85 Jahre auf dem Buckel. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Klein Priebus. Um die 200 Traktoren, weitere Landtechnik sowie Oldtimer-Autos sind zum achten Mal in Klein Priebus präsentiert worden. Von Torsten Richter-Zippack

Was macht ein Imker bei einem Treckertreffen? Diese Frage stellen sich in Klein Priebus eine ganze Menge Besucher. Denn während der achten Auflage der Traktorenschau im 100-Einwohner-Dorf ist Michael Himpel mit einem seiner Bienenvölker sowie zahlreichen weiteren spannenden Utensilien rund um die gelb-schwarzen Insekten präsent. Der Zollbeamte, der im benachbarten Werdeck lebt, begründet sein Engagement mit einem logisch scheinenden Zusammenhang: „Die Imkerei gehört genauso zur Landwirtschaft wie die Traktoren. Also bin ich hier goldrichtig.“

Extra für das Treckertreffen ist auf dem Veranstaltungsgelände eine Blühwiese mit zehn bis 15 verschiedenen Arten angelegt worden. „Die Pflanzen blühen nach und nach. So haben die Bienen immer etwas zu tun“, erklärt Michael Himpel. Der Werdecker ist erst seit sieben Jahren Imker. „Das entsprechende Wissen hat mir Opa beigebracht.“

 Treckerparade in Klein Priebus: Jedes einzelne Gefährt wird den Besuchern vorgestellt.
Treckerparade in Klein Priebus: Jedes einzelne Gefährt wird den Besuchern vorgestellt. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Gleich neben der Schauimkerei fängt es an zu knattern und zu rattern. Kein Wunder, bringen doch die Protagonisten des Traktorvereins Klein Priebus ihre alte Dreschmaschine wieder in Betrieb. Während einer Schauvorführung wird gezeigt, wie in früheren Zeiten das Getreide gedroschen wurde, um die wertvollen Körner für die Weiterverarbeitung zu gewinnen.

„Die Maschine läuft noch wie am ersten Tag“, sagt Stefan Hofmann. Dabei ist sie bereits im Jahr 1935 in den Standard-Werken zu Hannover gebaut worden. Sie wurde dann an den Landmaschinenhändler Richard Gärtner in Priebus ausgeliefert. Seit dem Jahr 2006 gehört die Konstruktion dem Klein Priebuser Traktorverein.

 Fans historischer Technik kommen auf den Klein Priebuser Neiße-Wiesen voll auf ihre Kosten.
Fans historischer Technik kommen auf den Klein Priebuser Neiße-Wiesen voll auf ihre Kosten. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Das Herzstück des Traktortreffens bilden natürlich wieder die namensgebenden Schlepper. Egal, ob groß oder klein, alt oder noch älter, mit und ohne Hänger: Es gibt kaum ein historisches Modell, das nicht auf den Neiße-Wiesen vertreten ist.

Hagen Mühl ist mit seinem Sohn Alexander mit einem Normag, Baujahr 1956, von Weißkeißel bis nach Klein Priebus getuckert. „Die Anfahrt hat etwa eine Stunde gedauert. Bedauerlich ist, dass manche Autofahrer auf uns kaum Rücksicht nehmen. Einer hat mich geschnitten und zu Tode erschrocken“, berichtet Hagen Mühl. Seinen Traktor hat der Weißkeißeler vor sieben Jahren in Hamburg geholt. „Ein Fund im Internet“, weiß Mühl. Heute nutzt er das 18 PS starke Gefährt zum Holz holen sowie zur Heuernte. „Mich begeistert die alte Technik. Ich liebe diese Motorengeräusche. Und in Klein Priebus mag ich diese familiäre, freundliche Atmosphäre“, resümiert Hagen Mühl. Klar, dass Sohn Alexander mit seinen zwölf Jahren auch längst Trecker fahren kann. Die Familie nennt vier Exemplare ihr Eigen.

 Wie früher Getreide gedroschen wurde, zeigen die Mitglieder des Klein Priebuser Traktorvereins anhand ihrer Dreschmaschine anno 1935.
Wie früher Getreide gedroschen wurde, zeigen die Mitglieder des Klein Priebuser Traktorvereins anhand ihrer Dreschmaschine anno 1935. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Mit einem ganz anderen Gefährt ist Ramona Rothe aus Wittichenau auf die Klein Priebuser Neiße-Wiesen gerollt. „DAZ 69, ein original russischer Geländewagen“, sagt die sympathische Frau vom Kübelwagenmuseum Reichwalde. „Als wir ihn kauften, war er nur ein Haufen Schrott. Innerhalb von zwei Jahren wurde das Auto neu aufgebaut.“ Der originale Sowjetwimpel im DAZ 69 sei allerdings erst im Nachhinein angeschafft worden. Allerdings nicht in Russland, sondern auf einem deutschen Trödelmarkt.

Gerhard Max Karl Lalowski ist hingegen mit einem über 80-jährigen Phänomen-Fahrrad auf Achse. Mehr noch: Der Niederneundorfer trägt Holzharken und Sense unterm Arm sowie Holzpantoffeln an den Füßen. „Ich will zeigen, wie früher Wiesen gemäht wurden“, erklärt der 65-Jährige. „Als ich neun Jahre alt war, hat mir Vater die erste Sense besorgt. Bis heute haue ich mein Gras mit Muskelkraft.“ Der Landwirt hat einen Tipp parat: „Mit der Sense wird Gras nur morgens gehauen. Denn es muss immer etwas feucht sein, sonst funktioniert das Mähen nicht richtig.“

Das Traktortreffen in Klein Priebus erfreut sich indes immer größerer Beliebtheit, weiß Mitorganisator Stefan Hofmann. „Bereits am Mittwoch standen 69 Maschinen auf dem Veranstaltungsgelände. Und dass, obwohl es erst am Sonnabend losgeht.“ Knapp 80 Helfer leisten ihren Teil, dass alles reibungslos abläuft. Einen Wermutstropfen will Hofmann dennoch nicht verschweigen: „Leider haben wir sehr wenig Zeit, die Technik selbst mal in Augenschein zu nehmen. Das ist schade. Aber wir machen uns die Arbeit für die Traktoren-Fans und die weiteren Gäste. Das ist Motivation genug.“

Stefan Hofmann kündigt an, dass die neunte Auflage des Traktortreffens im Frühsommer 2021 stattfinden werde. Der genaue Termin, übrigens immer eine Woche vor dem Country-Festival in Daubitz-Walddorf, werde rechtzeitig bekanntgegeben.