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Klartext und Wir für Hier werden eins

Künftig eine Wählervereinigung: Wir für Hier-Vereinsvositzender Volkmar Broddack, Hartmut Schirrock (Wir für Hier), Andreas Friebel und Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (beide Klartext).
Künftig eine Wählervereinigung: Wir für Hier-Vereinsvositzender Volkmar Broddack, Hartmut Schirrock (Wir für Hier), Andreas Friebel und Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (beide Klartext). FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. Gut anderthalb Wochen vor der Wahl des neuen Oberbürgermeisters von Weißwasser setzen die beiden im Stadtrat vertretenen Wählervereinigungen Klartext und Wir für Hier ein Achtungszeichen in der Stadtpolitik: "Wir wollen ab 1. Januar des kommenden Jahres unsere Kräfte im Rat bündeln", erklärt Stadtrat Andreas Friebel (Klartext). Christian Köhler

Beide Wählervereinigungen wollen fusionieren und gemeinsam politisch wirken. Darauf habe man sich in mehreren Gesprächen seit Anfang des Jahres geeinigt. Immerhin ist Klartext 2013 aus Wir für Hier entstanden. Stadtrat Hartmut Schirrock (Wir für Hier) erklärt, man wolle mit Klartext bei der kommenden Kommunalwahl 2019 antreten - unter welchen Namen sei aber noch nicht klar. "Die Zusammenführung hat unser Vorstand einstimmig im Juli 2017 beschlossen", sagt er. Denn anders als Klartext ist Wir für Hier ein eingetragener Verein, besitzt eine Satzung, einen Vorstand und knapp 15 Mitglieder. Man habe nun gut zwei Jahre Zeit, so Schirrock, sich gemeinsam auf die nächsten Wahlen vorzubereiten, arbeite ohnehin schon in dieser Legislaturperiode zusammen.

Als dringendsten Auftrag sehen jedoch beide Wählervereinigungen die Unterstützung des amtieren Oberbürgermeisters Torsten Pötzsch (Klartext) an. Dieser will wiedergewählt werden, tritt gegen den Stadtkämmerer und freien Kandidaten Rico Jung an und sieht die Fusion erwartungsgemäß positiv. "Es stehen schwierige Entscheidungen an, ein Haushaltsstrukturkonzept muss nach der Wahl beschlossen werden", so Pötzsch. Da sei es gut, wenn der zerstrittene Rat zusammenwachse.

"Es gibt einen Tag nach der Wahl", blickt Andreas Friebel in die Zukunft. Die Arbeit in der Stadt müsse weitergehen, "und das erwarten wir auch von den anderen Fraktionen". Eine Mehrheit hat die neue Fraktion jedoch noch nicht.

"Fassungslos" dagegen ist am Dienstag Stadtrat Silko Hoffmann (Wir für Hier), der von der Zusammenführung der beiden Wählervereinigungen zuerst von der RUNDSCHAU erfahren haben will. Er unterstützt im OB-Wahlkampf Rico Jung, sagt: "Ich kann mir nicht vorstellen, zu Klartext zu gehen. Dafür fehlt einfach das Vertrauen." Bereits 2014, so Hoffmann, soll Klartext auf den Verein wegen einer Fusion zugekommen sein. "Und schon damals habe ich mich dagegen ausgesprochen". Wie sich Silko Hoffmann künftig im Stadtrat positionieren wird, das könne er noch nicht sagen. "Es muss gut überlegt sein, wie ich jetzt agiere."

Unterdessen unterstreicht Hartmut Schirrock:"Ich sehe es nicht als so schlimm an, wenn sich ein Mitglied anders entscheidet." Man sei unabhängig und deshalb auch keinem Fraktionszwang unterlegen. "Wir wollen niemanden ausschließen, das gilt für Silko Hoffmann wie auch für jeden anderen", ergänzt Andreas Friebel.

Zum Thema:
Der Stadtrat ist das wichtigste Kontroll- und Entscheidungsorgan einer Stadt. In Weißwasser sind derzeit 22 Stadträte aktiv, die sich in sieben Fraktionen und Gruppierungen aufteilen: CDU (6 Sitze), Klartext (6 Sitze), Die Linke (4 Sitze), Wir für Hier (2 Sitze), SPD (2 Sitze), KJiK (1 Sitz), Michael Ackermann (ehemals NPD, jetzt parteilos). Ohne den Stadtrat kann ein Oberbürgermeister keine richtungsweisenden Entscheidungen treffen. Der Oberbürgermeister in Weißwasser wird am 24. September neu gewählt.