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| 15:11 Uhr

Wirtschaft
Trockener Klärschlamm liefert Energie

Paul Antonio Lardon und Laurent Hequet von der Oewa GmbH, Kraftwerksleiter Carsten Marschner und Leag-Projektleiter Sven Kappa (v.l.n.r.) stellten in Boxberg das Projekt der Klärschlammtrocknung vor.
Paul Antonio Lardon und Laurent Hequet von der Oewa GmbH, Kraftwerksleiter Carsten Marschner und Leag-Projektleiter Sven Kappa (v.l.n.r.) stellten in Boxberg das Projekt der Klärschlammtrocknung vor. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Boxberg. Im Kraftwerk Boxberg wird ab Anfang 2020 Klärschlämmen das Wasser entzogen. Der trockene Rest soll verbrannt werden. Von Torsten Richter-Zippack

Der Boxberger Leag-Kraftwerksleiter Carsten Marschner rückt gleich mal die Proportionen zurecht: „Wir betrachten die geplante Trocknungsanlage für Klärschlämme sehr wohlwollend. Schließlich können die gewonnenen Feststoffe in unserem Kraftwerk verbrannt und zu Energie umgewandelt werden. Aber unser Hauptgeschäft bleibt selbstverständlich die Braunkohlenverstromung.“ In Zahlen ausgedrückt sieht das so aus: Tag für Tag werden in Boxberg 63 000 Tonnen Rohbraunkohle verbrannt. Ab Anfang 2020 gesellen sich täglich 150 bis 200 Tonnen Klärschlamm hinzu, die zunächst getrocknet und anschließend ebenfalls verbrannt werden.

Dazu plant die Leipziger Oewa Wasser und Abwasser GmbH, ein Unternehmen mit rund 600 Mitarbeitern, den sechs Millionen Euro teuren Bau einer Trocknungsanlage auf dem Kraftwerksgelände, kündigt Geschäftsführer Laurent Hequet an.

Hintergrund bildet die vom Bund beschlossene neue Klärschlammverordnung. Wird derzeit rund ein Drittel des kommunalen Klärschlamms auf Landwirtschaftsflächen ausgebracht, so ist dies aus Umweltgründen künftig nicht mehr möglich. Stattdessen müssen die Rückstände aus Kläranlagen in die thermische Verwertung gehen. Genau diese Gesetzesänderung nutzt die Oewa. Laurent Hequet beschreibt den künftigen Ablauf: „Der entwässerte Klärschlamm besteht immer noch zu 75 Prozent aus Wasser. In unserer Anlage wird das Substrat getrocknet, sodass der Wassergehalt auf zehn Prozent zurückgeht. Dadurch entsteht ein hochwertiger Brennstoff.“ Dieser wiederum könne gleich nebenan im Kraftwerk mit der Rohbraunkohle verbrannt und zu Strom umgewandelt werden. Darüber hinaus sei eine alternative Nutzung in der Zementindustrie möglich. Insgesamt, so rechnet Hequet, fallen pro Jahr in Boxberg rund 50 000 Tonnen Klärschlamm an. Daraus können 14 000 Tonnen Trockensubstrat gewonnen werden. Ab einer Jahresmenge von 45 000 Tonnen schreibe die Oewa schwarze Zahlen. Mittel- bis langfristig sei auch eine Erweiterung der Anlage denkbar.

Der Schlamm soll indes aus kommunalen Kläranlagen der Region abgeholt werden. „Wir ermöglichen Städten und Gemeinden eine standortnahe Verwertung. Dadurch reduziert sich der Transportaufwand. Das hat gemeinsam mit der Mitverbrennung zur Folge, dass auch Kohlendioxid eingespart wird“, sagt Kraftwerkschef Carsten Marschner. Nicht zuletzt könne die Abwärme des Kraftwerks zur Schlammtrocknung genutzt werden. Und die Bürger würden durch stabile Abwasserpreise profitieren.

Für die Trocknungsanlage wird laut Laurent Hequet eine achteinhalb Meter hohe und 2100 Quadratmeter große Halle errichtet. Das Vorratssilo erreiche eine Höhe von 25 Metern. Derzeit befindet sich das Vorhaben in der Genehmigungsphase, im kommenden Jahr soll gebaut werden. Anfang 2020 ist der Trocknungsauftakt geplant. Für die Bedienung der Anlage entstehen laut Oewa zwei neue Arbeitsplätze.

Indes gibt es auf dem Boxberger Kraftwerksgelände bereits seit genau 20 Jahren die Verbrennung von Nassschlämmen. Pro Jahr werden von diesen Substanzen rund 140 000 Tonnen gemeinsam mit der Rohbraunkohle verbrannt, rechnet Carsten Marschner vor. 25 Lkw liefern den Schlamm täglich an. Für die geplante Klärschlammtrocknung seien pro Tag weitere acht Lkw-Ladungen erforderlich. Die Boxberger dürften davon kaum etwas mitbekommen, da der Transport von der Autobahn 4 bei Bautzen über die B 156 direkt ins Kraftwerk  läuft.

Darüber hinaus müssen die Anwohner keine Geruchsbelästigung durch den Klärschlamm befürchten. Schließlich erfolgt die Trocknung in einer geschlossenen Halle. Carsten Marschner verweist dabei auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. „In meiner Zeit als Kraftwerksleiter seit fast genau einem Jahr hat es keinerlei Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben.“

Das geplante Vorhaben der Oewa soll am 22. August den Boxbergern vorgestellt werden. An jenem Mittwoch gibt es zwischen 16 und 19 Uhr auf dem Platz am Springbrunnen Infostände sowie eine Art kleines Volksfest.