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| 16:10 Uhr

Problemfall
Kinobesuch mit Hindernissen

Weißwasser. Die Odeg kann nicht garantieren, ob eine Kindergruppe aus Weißwasser Platz im Zug hat, um nach Görlitz zu reisen. Von Regina Weiß

Kater Findus will die Welt entdecken. Die Mädchen und Jungen der Kita Ulja aus Weißwasser wollen nur ins Kino bis Görlitz. Beides hat miteinander zu tun und ist gar nicht so einfach, wie gedacht. Aber alles der Reihe nach.

Im Mai bekommt die Ulja Post von einer Medienagentur. Sie wird zur Preview (Vorpremiere) des Kinderfilms „Pettersson und Findus, Findus zieht um“ eingeladen. Die Freude bei Kita-Chefin Nina Exner und Erzieherin Beate Mettke ist groß. Seitdem spielt das Kinderbuch des Schweden Sven Nordqvist eine große Rolle im Kitaalltag. Es wird immer wieder daraus vorgelesen und das Hörbuch ist quasi im Dauereinsatz. Im Sommer steht fest, im Kino Görlitz könnte es mit der Filmaufführung für die 43 Ulja-Kinder klappen. Das Filmtheater ist nicht weit weg vom Bahnhof. Cottbus und Spremberg fallen deshalb aus.

Da die Sondervorstellung erst ab 50 Personen läuft, fragen die Ulja-Kolleginnen bei der Kindertagesstätte Regenbogen nach. Die sagen natürlich nicht nein. Und so ist geplant, am 12. September mit 94 Kindern und 15 erwachsenen Begleitpersonen mit der Ostdeutschen Eisenbahn Gmbh (Odeg) nach Görlitz zu reisen.

Und genau da fängt das Problem an. Nina Exner meldet die Gruppe bei der Odeg an. Die Antwort beruhigte sie überhaupt nicht. Das Unternehmen teilte Folgendes mit: „Aufgrund eines oftmals erhöhten Fahrgastaufkommens und begrenzter Kapazitäten in unseren Odeg-Zügen, sind bis auf Weiteres keine Gruppenanmeldungen und Anmeldungen von Fahrradgruppen mehr möglich. An dieser Stelle sei aber auch erklärt, dass bisher eine Anmeldung von Gruppen auch keine Garantie einer tatsächlichen Mitnahme war, sondern diente  lediglich einer internen Kontrolle, ob für die gleichen Daten mehrere Anmeldungen vorlagen.“

In der Kita ist man erst einmal fassungslos. Will aber nicht die Flinte ins Korn werfen. Ein Anruf soll Klarheit bringen. Nina Exner landet in der Hotline bei einer Berliner Schnauze, wie sie selber erzählt. Sie wird über die Beförderungsbedingungen aufgeklärt. Weiter kommt man nicht. Als Nina Exner ihre Sorge äußert, dass möglicherweise die Hälfte der Kita-Gruppe auf dem Bahnsteig stehen bleiben könnte, wird ihr erklärt, dass das dann ihr Problem sei.

Wie nun weiter? „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass wir den Termin in Görlitz absagen müssen“, schüttelt Nina Exner den Kopf. Und auch Beate Mettke weiß, dass die Vorfreude bei den Kindern riesengroß ist. „Für einige von ihnen wäre es der allererste Kinobesuch in ihrem Leben.“ Das lassen sich die Eltern 5,50 Euro kosten. Für manche von ihnen viel Geld. Einen Bus zu chartern, falle deshalb schon aus Kostengründen aus. Wobei es bei der Anzahl der Kinder eigentlich sogar zwei sein müssten.

Ina Kokel, Referatsleiterin Soziales Weißwasser, sind kostenseitig die Hände gebunden. Doch sie will mit den Odeg-Verantwortlichen sprechen, um doch noch etwas zu erreichen. Ein Kino-Besuch für Kinder aus Weißwasser müsse doch genau so drin sein, wie für ihre Alterskameraden in Dresden oder Berlin, unterstreicht sie und kann verstehen, wenn diesbezüglich Diskussionen darüber aufkommen, dass der ländliche Raum abgehangen ist.

Arnulf Schuchmann. Geschäftsführer der Odeg, hat für das Problem auch keine Lösung parat. Er erklärt im Gespräch mit der RUNDSCHAU, dass Gruppenreservierungen seit Jahren nicht mehr durchgeführt werden, außerdem Platzreservierungen aus rechtlichen Dingen nicht möglich sind. „Zudem haben wir auch kein Reservierungssystem.“ Einen Triebwagen mehr mitzunehmen, sei ebenfalls nicht möglich. Zum einen gebe es keine weiteren, zum anderen wäre es im Falle eines Falles auch eine Kostenfrage. Schuchmann empfiehlt einen pragmatischen Ansatz, nämlich die Gruppen zu teilen. Bei 124 Sitz- und 200 Stehplätzen sei die Chance auf die Reise nach Görlitz so am größten. Nicht die Antwort, auf die die Kita gehofft hat.