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| 15:19 Uhr

Bauprojekt
Ausschuss guckt akribisch auf Kino-Sanierung

Das Kino in Rietschen - seit Langem wird um die Sanierung des Hauses gerungen. Nun hat man sich auf eine Variante festgelegt.
Das Kino in Rietschen - seit Langem wird um die Sanierung des Hauses gerungen. Nun hat man sich auf eine Variante festgelegt. FOTO: Regina Weiß
Rietschen. Rietschener Räte machen es sich bei ihrer Entscheidung nicht einfach. Sanierungskosten belaufen sich derzeit auf rund 1,3 Millionen Euro. Von Regina Weiß

Wenn es um die Sanierung des Kinos geht, dann wird in Rietschen schon mal heftig diskutiert. Das war im vergangenen Jahr so und setzt sich in der September-Sitzung fort. Dennoch wurde dem Sanierungsvorhaben dann doch nur mit einer Gegenstimme zugestimmt.

Und nicht nur die Räte scheinen da unterschiedliche Meinungen zu haben, sondern auch die Bevölkerung scheint zweigeteilt, wie der Einwurf eines Bürgers zeigte. Der verurteilte die Gestaltung der Ortsmitte in Bausch und Bogen. Neben den „Karnickelbuchten“ (gemeint ist das Mehrgenerationswohnen) werde nun das gute Geld der Gemeinde für das Kino zum Fenster rausgeschmissen.  Da sei sozusagen Schlimmes für die Zukunft des Ortes zu befürchten.

 Ralf Brehmer (parteilos) verwahrte sich gegen irgendwelche Unterstellungen und unterstrich, dass man in die Kultur investiere. Dabei bezog er das nicht nur auf einen Raum, wo  Filme gezeigt werden, sondern auf einen Saal, wo man sich trifft, um miteinander im Gespräch zu bleiben oder ins selbe zu kommen. Nicht unwichtig, in den heutigen Zeiten ... Außerdem, so Brehmer, hoffe man, das Haus so langfristig erhalten zu können.

Deshalb sollten die Rietschener Räte zwei vorliegende Varianten abwägen. Keine von beiden liegt bei den einst beschlossenen 800 000 Euro. Variante eins steuert auf die 1,3 Millionen Euro zu, Variante zwei liegt bei 1,12 Millionen Euro Allerdings lässt diese die Dach- und Fassadensanierung außen vor. „Jeder weiß, dass man bei einer Sanierung mit dem Dach anfängt“, tendierte Jan Anders in Richtung eins. Obwohl die Zahlen an sich ihm auch zu denken gaben. „Es ist eine Heidensumme und keiner weiß, ob sie reichen wird.“ Tilman Havenstein erinnerte seine Ratskollegen daran, es sich nicht einfach gemacht zu haben. Doch nun sollte man das Geld nehmen und das Projekt versuchen zu stemmen. „Wir sollten B sagen, wenn wir auch A gesagt haben“, so Havenstein weiter.

Für Torsten Lorenscheit war klar, dass unter der damals von den Gemeinderäten gesetzten Maßgabe das Planungsziel komplett verfehlt worden sei. „Es ist eine schwierige Situation“, setzte er mit Blick auf den Haushalt noch dazu. Deshalb sollte weiter nach Einsparungen geschaut werden. Schon deshalb tendierte er zu Variante zwei ohne Wärmeverbundsystem. Das bedeutet gleichzeitig, an der Fassade passiere gar nichts. Darüber konnte Robert Meier vom beauftragten Planungsbüro Ussath nur den Kopf schütteln und verstand die Welt nicht mehr. „Rietschen ist Goldaudit-Gemeinde“, spielte er auf die Klimaauszeichnung an, die die Gemeinde vor nicht mal einem Jahr bekommen hatte.

Kosteneinsparungen hat auch Helmut Perk im Blick, denn das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. „Wir können das Haus nicht abreißen.“ Doch die Räte sollen künftig konsequent mit einbezogen werden. Diese Begleitung wird der Technische Ausschuss übernehmen. Aus Sicht von Perk auch, um an den Schrauben zu drehen.

Laut Ralf Brehmer haben die Planer die Aufforderung erhalten, den Bauzeitenplan und die Leistungsverzeichnisse zu erstellen. „Alles wird ausgeschrieben“, so Brehmer. Zum einen bleibe es so für die Räte transparent, zum anderen geht es um den detaillierten Blick auf die Kosten.

Diese will Gemeinderat Gerd Wenzel nach Beendigung dieser Baumaßnahme komplett aufgeschlüsselt haben. „Ich fühle mich in meinen Befürchtungen bestätigt. Gutes Geld wird schlechtem hinterhergeworfen“, kritisierte er das Vorhaben nicht zum ersten Mal. Wenzel befürchtet auch, dass es bei den 1,3 Millionen Euro nicht bleiben wird. „Der Bau holt sich sein Geld.“ Mit der Kostenaufstellung will er sehen, wie viel Geld die Kommune pro Kinokarte bezuschusst.

Simone Schmidt, Vorsitzende des Kino-Café-Vereins, sagte, das Kino habe die geringste Hemmschwelle, um Menschen an kulturelle Angebote heranzuführen. Mit ihrem Engagement fürs Kino seien die Rietschener schon jetzt auch in größeren Städten Gesprächsthema. Udo Zange, ebenfalls Mitglied im Verein, erklärte, dass Rietschen vom Tourismus lebe. Das Kino sei Anziehungspunkt für die Gemeinde und er forderte den Rat auf, „endgültig der Sache zuzustimmen“. Außerdem zog er einen Vergleich mit dem Kirchbauförderverein in Rietschen. Dort habe man auch 1,4 Millionen Euro in die Sanierung gesteckt, obwohl manchmal nur zehn Leute im Gottesdienst sitzen.