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Kino kommt Rietschen teuer zu stehen

Das Rietschener Kino soll saniert werden. Wie lange der Kinobetrieb im kommenden Jahr ausbleibt, ist noch nicht bekannt.
Das Rietschener Kino soll saniert werden. Wie lange der Kinobetrieb im kommenden Jahr ausbleibt, ist noch nicht bekannt. FOTO: jor1
Rietschen. Es ist ein Paukenschlag, den der Chefplaner für die Rietschener Kinosanierung, Armin Ussath vom Krauschwitzer Planungsbüro, dem Gemeinderat am Montag offenbart. Die Kosten für die Sanierung des mehr als 100 Jahre alten Gebäudes berechnet er mit gut 1,1 Millionen Euro. Christian Köhler

"Wir müssen zudem die Finanzierung des Eigenanteils von 475 000 Euro sicherstellen", fügt Bürgermeister Ralf Brehmer (Freie Wähler) an. Aufgabe des Gemeinderates ist es nun gewesen, einen Grundsatzbeschluss zu verabschieden. Dieser wurde bei einer Gegenstimme von Gerd Wenzel (Freie Wähler) letztlich angenommen. Allerdings ist zuvor heftig diskutiert worden.

Zum Hintergrund. "Es eilt ein wenig", sagt Bürgermeister Brehmer zu Beginn der Debatte. Denn Rietschen hatte im Laufe des Jahres das Projekt "Kinoumbau" als Einzelvorhaben beim Freistaat als Fördermittelgeber eingereicht. Über das KSP-Programm (Kleine Städte und Gemeinden - überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke) sowie "Vitale Dorfkerne" sollen das Kino ertüchtigt sowie der Ortskern belebt werden. Der Bau des Mehrgenerationshauses direkt neben dem Kino und die Umgestaltung des Kinovorplatzes reihen sich in die Gesamtplanung ein. In diesem Zusammenhang beauftragte der Rat nach einer Ausschreibung das Planungsbüro Ussath mit der Vorplanung für den Kinoumbau. Wurden seinerzeit noch von geschätzten Baukosten von knapp 300 000 Euro ausgegangen, sind diese nach derzeitigem Stand nicht zu halten. Brandschutz, die energetische Ertüchtigung sowie Rückbauvorhaben an Front- und Rückseite treiben die Kosten nach oben.

"Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen die Vorplanung vorangetrieben", sagt Planer Armin Ussath. Abstimmungen mit dem Kinoverein, der seit gut zwei Monaten das Kino in Eigenregie betreibt, und der Gemeinde seien erfolgt. "Was wir nun haben, ist ein Arbeitsstand ohne die jeweiligen Fachplaner wie Innenarchitekt, Statiker, Heizungs-, Elektro- oder Lüftungstechniker", so Ussath.

Ziel der Planer ist es, den Kinosaal zu erhalten. Das erste Obergeschoss soll von der regulären Kinonutzung ausgeklammert werden. Das Dachgeschoss selbst bleibt ebenfalls ungenutzt. Dafür sollen weitere Zugänge zum Kino geschaffen werden, "damit der Filmbetrieb theoretisch auch von nur zwei Personen sichergestellt werden kann", beschreibt Armin Ussath den Hintergrund. Zudem sollen die sanitären Anlagen komplett erneuert und umverlegt werden. "Grundsätzlich geht es um eine nachhaltige Lösung für das Objekt und eine energetische Ertüchtigung", sagt der Planer.

Dabei gibt er zu verstehen, dass noch Unwägbarkeiten entstehen könnten: "Die Holzbalken sind gut 100 Jahre alt, der Boden und die Außenwand sind nicht gedämmt. Wir haben einen großen Aufwand für die Trockenbauten vor uns." Zudem komme - weil das Kino als Versammlungsstätte zählt - der Faktor Brandschutz hinzu. Insgesamt sollen etwa 600 Quadratmeter Fläche saniert werden.

"Wenn das Obergeschoss nicht genutzt wird, müssten doch etwa 200 Quadratmeter weniger brandschutzgerecht saniert werden", wirft Torsten Lorenscheit (Wir für Rietschen) ein. "Das hat auf den Brandschutz keine Auswirkungen", entgegnet Ussath. Überall im Gebäude müssten entsprechende Anlagen und auch Brandschutztüren eingebaut werden. "Vielleicht ließen sich noch Kosten sparen, wenn man sich die Pläne von der Erneuerung des Hauses aus den 80er Jahren ansieht", sagt Horst Mrusek (Freie Wähler). "Wir reden hier über Kosten, dabei müssten wir erst einmal besprechen, was wir überhaupt wollen", sagt Helmut Perk (Freie Wähler). Schließlich sei hier der Arbeitsstand vorgestellt worden, den die Gemeinde, der Verein und der Planer erarbeitet haben. "Selbstverständlich", sagt Bürgermeister Ralf Brehmer. Detailplanungen sollen zunächst im Technischen Ausschuss und anschließend im Gemeinderat diskutiert werden.

Gerd Wenzel (Freie Wähler) kann die Diskussion überhaupt nicht gutfinden. "Ich bin richtig geplättet. Wir hätten das Haus abreißen sollen und es für eine halbe Million neu bauen sollen." Die obere Etage werde nicht genutzt und es gehe um ein "Dorfkino".

"Wieso eilt es denn so mit dem Grundsatzbeschluss?", will Helmut Perk wissen. "Es geht um die Gesamtfinanzierung", erklärt Bürgermeister Ralf Brehmer. Erst wenn der Rat grünes Licht gibt, darf die Verwaltung die nötigen Eigenmittel aus der Rücklage der Kommune der Wohnungsbaugesellschaft Rietschen (WGR) als Eigentümerin des Kinos übertragen. "Das soll über mehrere Jahre bis 2019 geschehen", gibt Kämmerin Sigune Hilke zu verstehen. Dabei verschweigt sie nicht, dass "wir bis dahin noch gar keine Haushaltsbeschlüsse haben". Der Rat aber bekennt sich nun zu der Sanierung.