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Kinder drehen Film über Pechofen-Ausgrabung

Weißwasser. Als Archäologen und Filmemacher betätigen sich im Mai Schüler der Bruno-Bürgel-Oberschule in Weißwasser. Medienpädagogen der Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien bereiten die Kinder darauf vor. dpr

In der 6. Klasse sah es am Donnerstag ein wenig aus wie im Filmstudio. Mikro, Richtmikro, Kamera mit Stativ, Kopfhörer und Laptops, an denen man Filme schneiden kann. Ellen Unger und Peter Bauer hatten die Technik aus Leipzig mitgebracht, um den 22 Schülern das Filmemachen in der Theorie anschaulich zu erklären. Wie kann man Einstellungsgrößen beim Schnitt variieren? Was unterscheidet den Live- vom Off-Ton? Welche Perspektiven gibt es? Und wie kann man von einer Szene zur nächsten überleiten?

Florian (12) war recht froh über die erste Pause. "Das macht Spaß, ist aber ganz schön anstrengend", sagt er. Immerhin stehe jetzt schon mal das Drehbuch fest. Es werde nicht einfach nur eine Ausgrabung dokumentarisch festgehalten, so Lehrerin Cornelia Staruß. Es werden außerdem gespielte Szenen eingestreut, die das Alltagsleben einer Siedlungsgemeinschaft mit Pechofen im Mittelalter zeigen. Wie wichtig die Herstellung der klebrig-zähen Masse seinerzeit war, wissen die Schüler schon. Für ihre Vorfahren war Pech Brennstoff und Dichtungsmasse, Desinfektions- und Schmiermittel, erzählen die Schüler. Mit ihrem Konzept für die Pflege eines Pechofens, der im Vorfeld des Tagebaus Nochten gefunden wurde, konnten die Kinder und ihre Lehrerin im vorigen Jahr im sächsischen Kultusministerium überzeugen. Die Jury des Förderprogramms "Pegasus, Schüler adoptieren Denkmale" zeichnete die Klasse mit einer Urkunde aus und unterstützte das Schüler-Projekt aus Weißwasser mit 500 Euro.

Guter Filmstoff

Schautafel, Sitzbank und Pflanzen wollte man für das Geld besorgen, um an dem ausgegrabenen Denkmal einen Haltepunkt für Radfahrer einzurichten und in Schuss zu halten. In Dresden, wo Cornelia Staruß Ende Juli Urkunde und Scheck überreicht wurden, kam ihr dann noch die Film-Idee. Ausgezeichnet worden seien damals auch Grundschüler für einen selbst gedrehten Film. "Ich dachte, wenn Grundschüler das können, können wir das auch", so die Lehrerin. Schließlich hatte ein Archäologe der Schule angeboten, den entdeckten Pechofen gemeinsam mit den Schülern vollständig freizulegen. Ein guter Filmstoff.

Prompt brachte die Schule die nächste Bewerbung auf den Weg. Diesmal an die Adresse der Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien. Erneut gab es den Zuschlag. Die Vermittlung der Theorie und die Übungen mit Kamera und Mikro diese Woche in der Schule selbst sind dabei nur ein Teil der Förderung.

Die Medienpädagogen begleiten auch die Dreharbeiten vom 4. bis 8. Mai im Tagebau-Vorfeld, so Cornelia Staruß. Für den Text und die Bilder sorgen die Schüler dabei aber selbst. Dazu gehört, dass sie auch Rollen übernehmen müssen. Beispielsweise also Mitglieder der mittelalterlichen Siedlungsgemeinschaft spielen. Julia und Lucy, beide zwölf Jahre alt, freuen sich schon darauf. Die 13-jährige Liane dagegen würde gern Moderator sein. "Ich lerne gern Texte und sage sie dann vor", erzählt sie. Den technischen Part dagegen scheinen eher die Jungen übernehmen zu wollen. Gebraucht werden allein sieben oder acht Kameramänner, die sich abwechseln, aber auch einige Tonleute und Cutter.

Mütter sichern Essenversorgung

Klassenlehrerin Cornelia Staruß vermutet, dass der Film etwa eine Viertelstunde lang werden wird. Auf CD soll er vor allem den Schülern und Eltern angeboten werden. Vielleicht werde er aber sogar im Regionalfernsehen gesendet. In jedem Fall seien die Aufnahmen eine schöne Erinnerung, die man sich noch Jahre später sicher gern anschaut.

Sehr viel länger als eine Viertelstunde werde es freilich dauern, den Film zu machen. Eine Herausforderung sei allein schon die Essenversorgung der Kinder im Tagebau-Vorfeld. Einige Mütter hätten sich aber schon bereit erklärt, das zu übernehmen, wie Cornelia Staruß gehört hat.