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Pflanzen- und Früchtemarkt im Muskauer Park
Kinder basteln Mini-Viadukt

Die Kinder bauten das Viadukt im Maßstab 1:25 und schön bunt nach.
Die Kinder bauten das Viadukt im Maßstab 1:25 und schön bunt nach. FOTO: amz1
Bad Muskau/Leknica. Der Pflanzen- und Früchtemarkt im Muskauer Park findet große Resonanz. Dabei gibt eine "Baustelle" einen Vorgeschmack auf ein weiteres Restaurierungsvorhaben. amz1

Bei schönstem Herbstwetter am Sonnabend haben Hunderte Gäste den Pflanzen- und Früchtemarkt im polnischen Teil des Muskauer Parks besucht. 15 Aussteller, vorwiegend aus der polnischen Lausitz, präsentierten Obstbäume, Ziergehölze, Kunsthandwerk sowie kulinarische Spezialitäten. Dazu gab es Live-Musik. Kein Wunder, hieß doch das Motto "Sinnliche Räume für Apfelbäume". Tatsächlich ging mancher Besucher mit solch einem Gehölz zufrieden nach Hause. Mehrere Dutzend Sorten standen zur Auswahl. Zudem gab es eine große Vielfalt bei weiteren Obstarten, wie Birnen und Pflaumen.

Im Mittelpunkt des Festgeländes auf dem Areal der früheren Baumschule stand jedoch eine "Baustelle". Denn die Kinder durften aus rund 4000 bunten Bausteinen das Viadukt, das im Original seit den Jahren 1862/1863 die unmittelbar benachbarte Hermannschlucht überspannt, nachgestalten.

"Eine super Idee", erklärte Moderator Tomasz Bednarek. "Schließlich soll das ,richtige' Bauwerk, das zwar von Standesherr und Parkbegründer Hermann von Pückler erdacht, allerdings erst von seinem Nachfolger, Friedrich der Niederlande, realisiert wurde, saniert werden."

Nach Angaben von Renata Stachanczyk, Leiterin des Restaurationsprojektes im Muskauer Park, werden die Arbeiten noch in diesem Jahr starten und voraussichtlich Ende 2018 vollendet sein. Dank der Finanzierung über das deutsch-polnische Interreg-Programm sei es möglich, das Mauerwerk zu sichern, die Innenräume, die als Lüftung dienen, mit Gittern zu versehen, fehlende Säulen zu ersetzen, die Graffitis zu entfernen und manches mehr umzusetzen.

"Auf jeden Fall wird das Vorhaben größer als nur eine kosmetische Behandlung", kündigt Stachanczyk an. Hauptproblem sei, dass die tragenden Mauern aufgrund von Feuchtigkeit auseinandergingen und das ganze Viadukt damit baufällig sei. Das beweisen nicht zu übersehende, lang gezogene und immer breiter werdende Risse im Mauerwerk.

Was nun das Viadukt mit den Apfel- und Birnbäumen sowie weiteren Gehölzen zu tun hat? Eine ganze Menge. Denn die Konstruktion, die aus drei verschiedenen Klinkerarten sowie Schlacke-Steinen aus der Keulahütte besteht, diente einst nicht nur als Eingang von der Stadt zum Park, sondern ebenso als Tor zur dahinter befindlichen Baumschule - quasi ein Übergang von der "wilden Natur" zur Kulturlandschaft des Parks. Über das Viadukt führt bis heute der Weg zum Hermannshügel. Dort plante Fürst Pückler eine mittelalterlich anmutende Burg. Allerdings wurde diese Vision nie umgesetzt. Heute wächst dort ein imposanter Laubmischwald.

Während des Pflanzen- und Früchtemarktes wurden Führungen zum Viadukt angeboten. Dabei wurde auch auf eine Grabstelle nebenan hingewiesen. Dort, so ist bis heute in deutscher Schrift zu lesen, wurden einst die Gebeine eines Unbekannten bestattet, der anno 1832 in der Nähe gefunden worden war.

Die Besucher zeigten sich von Viadukt und Obstmarkt sehr angetan, so der einhellige Tenor. Nur eines vermisste mancher: nämlich Äpfel. "Es gab zwar Früchte zum Verkosten, aber ich wollte eine größere Menge kaufen. Das war leider nicht möglich", sagte Besucherin Monika Burkert aus Spremberg. Wahrscheinlich, weil die Ernteausbeute dieses Jahr schlecht war. Immerhin erstand sie ein Himbeer-Bäumchen sowie mehrere Chrysanthemen. "Die kommen in den nächsten Tagen in meinen Garten", kündigte sie an. Und im nächsten Jahr wolle sie wiederkommen: "Hoffentlich gibt es dann Äpfel."