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| 11:00 Uhr

Sorbisches Brauchtum in Schleife
Keine sorbische Hochzeit ohne Dudelsack und Geige

 Während der Eröffnung der Ausstellung war das Interesse an den Hochzeitsbildern enorm. Die Schau ist noch bis 29. Februar 2020 zu sehen. Bis dahin, so der Wunsch der Protagonisten, sollen alle Namen der auf den Bildern befindlichen Personen identifiziert sein.
Während der Eröffnung der Ausstellung war das Interesse an den Hochzeitsbildern enorm. Die Schau ist noch bis 29. Februar 2020 zu sehen. Bis dahin, so der Wunsch der Protagonisten, sollen alle Namen der auf den Bildern befindlichen Personen identifiziert sein. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Schleife. Eine neue Ausstellung in Schleife befasst sich mit sorbischen Brautpaaren und Festgesellschaften. Längst nicht alle Rätsel sind gelöst. Von Torsten Richter-Zippack

„Schwarz-Weiß – Sorbische Hochzeiten im Kirchspiel Schleife“ lautet der Titel einer neuen Ausstellung im Sorbischen Kulturzentrum Schleife. Die Schau mit rund 100 Fotos präsentiert sich allerdings recht geheimnisvoll. „Wir kennen nämlich nur rund 40 Prozent der auf den Bildern gezeigten Menschen“, begründet Wolfgang Kotissek, der die Ausstellung gemeinsam mit Stephanie Bierholdt und Heidemarie Richter über zwei Jahre vorbereitet hat. Zu sehen sind Hochzeitsgesellschaften in Schwarz-Weiß aus den Jahren von 1902 bis 1954. Doch längst nicht jeder Name der dort Porträtierten ist bekannt. „Deshalb haben wir eine Liste mit Nummern ausgelegt, in die Besucher Namen ihnen bekannter Personen eintragen können“, erklärt Kotissek.

Der Schleifer hat jede Menge Zeit in die Schleifer Hochzeitsgeschichte investiert. „Nach unserem Aufruf gingen um die 150 Fotos ein“, erinnert er sich. 100 Bilder seien davon für die Ausstellung ausgewählt worden. Längst besitzen nicht alle Motive eine super Qualität. „Uns war wichtig, die Gesichter zu erkennen. Münder, Nasen und Augen mussten teilweise am Computer nachmodelliert werden“, berichtet Wolfgang Kotissek. In jedes Gesicht habe er im Durchschnitt sieben Minuten Zeit investiert. Pro Bild sind in der Regel 50 Personen zu sehen und das Ganze bei 100 Fotos.

Darüber hinaus haben die Protagonisten aufgeschlüsselt, welche Rituale zu den sorbischen Eheschließungen im Kirchspiel gehören. Beispielsweise die Sache mit ehren- und unehrenhaften Hochzeiten. Erstere Bräute trugen einen weißen Streifen auf ihren Schürzen. „Das bedeutete, dass sie weder ein Kind hatten noch schwanger waren“, berichtet Edith Penk aus Rohne. Wurde die Schwangerschaft erst nach der Hochzeit bekannt, musste die frischangetraute Ehefrau ein Strafgeld zahlen.

Eine besondere Bedeutung kommt den Musikern zu. „Nur in Schleife wurden beim Ein- und Auszug in und aus der Kirche der Dudelsack und die kleine Geige gespielt“, hat Wolfgang Kotissek recherchiert. Da zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg pro Jahr um die 50 bis 60 Hochzeiten im Kirchspiel stattfanden, waren Musiker knapp. „Deshalb mussten Hochzeitsfeiern sogar verschoben werden“, sagt Kotissek. Direkt nach Kriegsende 1945 hätten vor allem Matthes Wobuzar und Hans Schuster mit ihren Instrumenten für Furore gesorgt. Von Schuster wird erzählt, dass er während des Krieges seinen Dudelsack aus dem Jahr 1795 eingemauert hatte, damit dieser die schlimme Zeit unbeschadet überstand. Heute befindet sich das mittlerweile über 200 Jahre alte Exemplar im Museum.

In der Ausstellung im Sorbischen Kulturzentrum sind die allermeisten Fotos in Schwarz-Weiß gehalten. Bis auf die Bilder von der sorbischen Hochzeit der Familie Manfred und Ute Sonnabend (geborene Schmiedel). Der Mühlroser und die Schleiferin waren die bislang letzten im Kirchspiel, die sich auf Sorbisch das Ja-Wort gaben. Das war am 1. November 2014. Geheiratet wurde damals auf dem Rohner Njepila-Hof. „Ich trug meine halbdeutsche Tracht und mein Mann den traditionellen Gehrock und schwarzen Zylinder“, erinnert sich Ute Sonnabend. Sie verweist zudem auf die sorbische Hochzeit ihrer Urgroßmutter. „Das muss zwischen 1910 und 1920 gewesen sein. Leider haben wir kein Bild von dieser Eheschließung“, bedauert die Altenpflegerin.

Die Schleifer hoffen indes, dass sich mal wieder jemand im Kirchspiel findet, der auf Sorbisch heiraten will. Nicht nur, um die Tradition aufrechtzuhalten. Sondern auch, um Wolfgang Kotissek einen besonderen Wunsch zu erfüllen. „Ich träume davon, einmal auf einer sorbischen Hochzeit als Musikant aufspielen zu dürfen“, bekennt der begnadete Musiker.

 Hier präsentiert Ute Sonnabend ihre Hochzeitsfotos. Vor knapp fünf Jahren hatte sie ihren Mann auf Sorbisch geehelicht.
Hier präsentiert Ute Sonnabend ihre Hochzeitsfotos. Vor knapp fünf Jahren hatte sie ihren Mann auf Sorbisch geehelicht. FOTO: Torsten Richter-Zippack
 Während der Eröffnung der Ausstellung war das Interesse an den Hochzeitsbildern enorm. Die Schau ist noch bis 29. Februar 2020 zu sehen. Bis dahin, so der Wunsch der Protagonisten, sollen alle Namen der auf den Bildern befindlichen Personen identifiziert sein.
Während der Eröffnung der Ausstellung war das Interesse an den Hochzeitsbildern enorm. Die Schau ist noch bis 29. Februar 2020 zu sehen. Bis dahin, so der Wunsch der Protagonisten, sollen alle Namen der auf den Bildern befindlichen Personen identifiziert sein. FOTO: Torsten Richter-Zippack
 Hier präsentiert Ute Sonnabend ihre Hochzeitsfotos. Vor knapp fünf Jahren hatte sie ihren Mann auf Sorbisch geehelicht
Hier präsentiert Ute Sonnabend ihre Hochzeitsfotos. Vor knapp fünf Jahren hatte sie ihren Mann auf Sorbisch geehelicht FOTO: Torsten Richter-Zippack