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| 17:56 Uhr

Weißwasser
Keine Angst vor dem Kohleausstieg

Weißwasser. Naturschützer und Grüne setzen beim Strukturwandel nicht auf eine, sondern auf dezentrale Lösungen.

Weißwasser sucht nach einer Zukunft ohne Kohle. So jedenfalls sieht es der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der für Montag zu mehreren Vorträgen in die Weißwasseraner Stadtbibliothek eingeladen hatte. Etwa 30 Bürger haben an der Diskussionsveranstaltung „Ohne Kohle keine Perspektive – Praktische Ansätze für den Strukturwandel in Sachsens Abbaugebieten“ teilgenommen, teilt Christina Wittich vom BUND mit. Gemeinsam mit der Stiftung Weiterdenken und den Sächsischen Entwicklungspolitischen Bildungstagen (SEBIT) hatten die Naturschützer eingeladen, um Ideen zu sammeln und Perspektiven zu entwickeln – unabhängig von der Förderung und Verstromung der Braunkohle.

„Die Fakten sprechen für sich“, sagt in seinem einleitenden Vortrag Dr. David Greve, Geschäftsführer des BUND Sachsen, „wenn wir den Klimawandel bremsen und unsere Lebensqualität erhalten wollen, müssen wir aus der Kohle aussteigen, weltweit und in Sachsen.“ Wie sie den Ausstieg gestalten wollen, müssten die Betroffenen jedoch selbst in die Hand nehmen.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde, an der Gerd Lippold, wirtschafts- und klimapolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag, Dr. Henry Schürmann, Bildungsreferent bei Misereor, und Michael Zink von der Agentur für Arbeit Niesky/Weißwasser teilnahmen, wurde über den Strukturwandel in der Lausitz, die Auswirkungen des Kohleabbaus und die beruflichen Perspektiven nach dem Ausstieg diskutiert. „Wir haben hier ein Problem mit dem Loslassen”, stellte Gerd Lippold fest. „Um aus den Sackgassen zu finden, in die wir mittlerweile geraten sind, weil wir immer noch versuchen, den Ausstieg aufzuschieben, brauchen wir eine progressive Grundsatzentscheidung der Kohlekommission.” Auch mit einem Ausstieg werde es nicht zu einem Bruch in der Region kommen wie nach 1990. „Wir müssen die Punkte identifizieren, die damals vernachlässigt wurden und mit einem großen Impuls lösen“, so der Politiker. Er könne sich beispielsweise eine speziell geförderte Gründerszene Lausitz vorstellen.

Angst bremse nur die Menschen, halte jedoch nicht den Wandel auf. „Wer alles negativ sieht, wird selbst zum negativen Menschen. Wir müssen aus der Situation das Positive ziehen und die Veränderungen annehmen“, erklärt Arbeitsvermittler Michael Zink. „Wir haben hier gute und motivierte Fachkräfte, die sich der beruflichen Umorientierung stellen müssen und dies auch tun.“

Henry Schürmann fragt: „Was wird zählen in zehn oder 20 Jahren – Arbeitsplätze auf Teufel komm raus oder Lebensqualität?“ Auf große Lösungen zu warten mit Tausenden von Arbeitsplätzen nütze nur den Reichen. Dezentrale Lösungen zur Energieversorgung, die Förderung von Selbstorganisation und -versorgung, kleiner und mittelständischer Unternehmen sei der nachhaltigere Weg. „Veränderung ist möglich“, so Schürmann. Der Wandel werde kommen. So oder so.

(pm/ckx)