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| 12:58 Uhr

Aus dem Gericht
Sexueller Missbrauch ist nicht erkennbar

Weißwasser. Das Gericht Weißwasser spricht aber eine Geldbuße für den Ex-Mitarbeiter einer Wohnstätte für Suchtkranke aus. Von Christian Köhler

In Kliniken oder Suchtbetreuungseinrichtungen ist ein Liebesverhältnis zwischen einem Pfleger und einem Patienten oder Bewohner strengstens untersagt. Mit gutem Grund: In diesem Falle ist der Patient oder Bewohner nämlich ein sogenannter Schutzbefohlener, der unter der Obhut der Einrichtung steht. Pfleger könnten sich ihre Position zu nutze machen und Macht in vielerlei Hinsicht auf einen Betroffenen ausüben. „Der Gesetzgeber schiebt dem klar einen Riegel vor“, betont Amtsgerichtsdirektor Martin Hinrichs.

In dieser Woche ist es in Weißwasser um einen keinen ganz einfachen Fall gegangen, der vorangestellten Sachverhalt zum Gegenstand hatte. Einem heute 45-jährigen ehemaligen Angestellten einer Wohnstätte für Suchtkranke in Weißwasser hat die Staatsanwaltschaft vorgeworfen, eine Bewohnerin sexuell missbraucht zu haben. 2016, so die Anklage, soll es zu mehreren sexuellen Handlungen zwischen dem Mitarbeiter und der Bewohnerin gekommen sein.

„Für uns als Gericht ist es strafrechtlich relevant, ob der Angestellte in einem Betreuungsverhältnis zu der Frau gestanden hat“, erklärt Martin Hinrichs. Darüber hinaus ist zu klären gewesen, was genau vorgefallen war.

Der Angeklagte hatte im Gericht eingeräumt, mit der Frau ein Verhältnis gehabt zu haben. Auf genaue Vorkommnisse wolle er aber nicht eingehen. Alles soll sich vielmehr im gegenseitigem Einvernehmen zwischen ihm und der Frau abgespielt haben, erklärt er. Auch die Frau bestätigt als Zeugin im Gerichtsaal die Aussage des Angeklagten. „Ich habe ihn geliebt“, sagt sie im Gericht. Inzwischen aber seien sie nämlich getrennt, der Beschuldigte vom Unternehmen sofort entlassen worden. „Arbeitsrechtlich gibt es da auch keine Diskussion“, betont der Richter.

Aber: Der Angeklagte habe in der Einrichtung selbst keine Betreuungsfunktion gehabt, wie sich im Laufe des Verfahren herausstellte. Vielmehr habe er Tätigkeiten eines Hausmeisters übernommen, in einer kleinen Werkstatt gearbeitet. Dort wiederum sei er mit der Bewohnerin in Kontakt gekommen. „Es lässt sich nicht wirklich klären, ob er als Hilfskraft in der Einrichtung auch eine Weisungsfunktion gegenüber den Bewohnern hatte“, erklärt der Richter.

Schließlich ist das Verfahren gegen mit einer Geldstrafe von 1000 Euro eingestellt worden. „Beide haben gewusst, was sie taten“, begründet Hinrichs. Ein Pfleger oder Pädagoge, so der Richter, hätte in so einem Fall mit einer Freiheitsstrafe rechnen müssen. Das Verhalten des ehemaligen Mitarbeiters soll aber auch bestraft werden.